Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Wie wird Sündenschuld bedeckt?

Predigt zu 1. Mose 3,21

Das dritte Kapitel aus dem ersten Buch Mose handelt von der schärtzesten Stunde der Menschheit. Wir lesen von der Sünde und dem Gericht. Die Menschheit versinkt in absoluter Finsternis. Und doch scheint auch in dieser Finsternis das Licht der Barmherzigkeit Gottes. Auch dieses Kapitel ist Evangelium. Gefallene Menschen werden erlöst.

Wir bekennen, dass die Erlösung des Menschen das Werk des souveränen Gottes ist. Diese Wahrheit wird in diesem Vers anschaulich erklärt. Dafür wird uns zuerst die menschliche Ohnmacht und danach die göttliche Allmacht vor Augen geführt.

Die Notwendigkeit der Bekleidung

Adam und Eva standen in ihrer Schuld vor Gott. Sie hatten die Gunst seiner Gemeinschaft verloren. Sie kannten den vorherigen Zustand. Ihr Ungehorsam hatte sie in eine neue Situation gebracht. Der Mensch wurde von der Quelle des Lebens getrennt. So sind sie gestorben. Die Liebe zu Gott, die ihr Leben bestimmte, verwandelte sich in Hass. Auch der Leib des Menschen war vom Tod betroffen. Unser ganzes Leben lang, wird uns deutlich, dass wir dem Tod unterworfen sind.

Adam und Eva bemerkten diesen neuen Zustand. Ihre Augen gingen tatsächlich auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Vor ihrem Ungehorsam schämten sie sich nicht. Jetzt war alles anders. Sie sahen ihren gefallenen Leib. Sie sahen die Folgen des Sündenfalls. Darum bedeckten sie sich voreinander und vor Gott. Dazu nahmen sie das erstbeste Material, das ihnen in die Hände kam, nämlich die Feigenblätter. Doch diese Blätter genügten nicht, ihre Schuld vor Gott zu verbergen. Darum versteckten sie sich im Dickicht der Bäume. Sie begriffen, dass sie in ihrer neuen Situation nicht Gott unter die Augen treten dürfen. Sie merkten, dass mit ihnen und der Welt irgendetwas nicht in Ordnung ist. Darum musste etwas getan werden. Wir müssen heute dankbar sein, dass wir nicht ahnungslos sind. Gott zeigt durch sein Gesetz, was die Sünde an uns bewirkt.

Es könnte niemand Gott verdenken, wenn er die Menschen ihrer Situation überlässt. Aber Gott ist barmherzig. Der Schöpfer will sich Menschen zum Eigentum sammeln. Die erste Gemeinschaft war allerdings vorbei. Die Sündenschuld musste bedeckt werden. Darum bekleidete er die Menschen. Es war ein Zeichen, dass die Schuld zugedeckt werden muss, damit Menschen aus ihrem gefallenen Zustand erlöst werden können.

Warum bekleidete Gott den Menschen mit Fellen?

Die Feigenblätter, die sich die Menschen genommen haben, dienten am Ende nur dazu, sie noch mehr zu entblössen. Als Menschen, die nur Sünde denken und tun konnten, versuchten sie ihre Sünde zu bedecken. Nur die sichtbaren Folgen der Sünde konnten verborgen werden. Gott sieht aber immer, wie es wirklich um den Menschen steht: Er ist völlig nackt, völlig beschämt, ganz in seiner Sünde.

Gott selbst muss eingreifen, damit dem Menschen geholfen wird. Wir lesen nicht, dass Gott den Menschen anweist, sich Röcke zu machen, um sich zu bekleiden und auch nicht, dass er seinem gefallenen Geschöpf Felle übergab, damit sie es sich anziehen könnten. Gott selbst machte die Kleidung und zog sie den Menschen an. Gott will Versöhnung bewirken.

Dass Gott gerade ein Fell eines Tieres auswählt, hat einen guten Grund. Damit die Schuld bedeckt werden kann, muss jemand sterben. Der gerechte Gott fordert, dass der Mensch seine Schuld bezahlt. Wie kann ein Mensch, der immer mehr sündigt, seine Schuld begleichen? Ein wahrer und gerechter Mensch, der zugleich wahrer Gott ist, kann den Zorn Gottes tragen. Das ist Jesus Christus. Er ist das vollkommene Opfer, durch das die Sündenschuld gesühnt wird.

Was bedeutet dieser Bericht für uns heute?

Wir sollten heute nicht kopfschüttelnd auf Adam und seine Schuld herabsehen, als ob wir besser wäre. Wir stehen genauso schuldig vor Gott. Darum sollten wir uns davor hüten, etwas zu suchen, wodurch wir besser als Adam vor unserem Schöpfer stehen. Wenn wir das tun, hängen wir uns Feigenblätter um und betrügen uns selbst. Wir sollten stattdessen auf das Urteil der Heiligen Schrift hören. Der Herr bringt uns zur Erkenntnis unserer Sünde. Wir haben Christus nötig, wie auch Adam ihn brauchte, um von seiner Sünde erlöst zu werden.

Adam und Eva lebten mit der Verheissung, dass ein Nachkomme den Kopf der Schlange zertreten werde. Sie erhielten die Kleider aus Fell als Zeichen dafür, dass Gott diese Verheissung wirklich ernst meint. Ihre Schuld wird wirklich bedeckt werden. Wir sind viel reicher beschenkt als die ersten Menschen. Wir dürfen auf Golgatha zurückblicken. Jesus Christus ist das einzige wahrhaftige und genügsame Opfer, durch das unsere Schuld gesühnt wurde. Sein Opfer brachte uns die Gerechtigkeit und das Leben. Der selbe Gott, der Adam strafte, der straft auch uns. Der selbe Gott, der Adam tröstete, tröstet auch uns. Der selbe Gott, der Adam mit Fellen bekleidete, bekleidet auch uns. Er gibt uns, was durch die Felle angedeutet wurde: Die Gerechtigkeit von Jesus Christus.

Adam wurde gezeigt, dass ein Tier an seiner Stelle gestorben ist. Es wurde eine Verbindung zwischen seinem Stellvertreter und ihm hergestellt. Durch den Glauben werden wir in Christus eingefügt, mit ihm verbunden. Wenn wir so zu ihm gehören, können wir bekennen, dass wir mit ihm am Kreuz gestorben sind. Durch Christus haben wir noch mehr: er ist auferstanden. Durch den Glauben sind auch wir auferstanden zu einem neuen Leben. Darum werden wir durch diesen Text aufgerufen: Glaubt!

0 Kommentare

Kommentar einfügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.