Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Leihe dem Evangelium dein Ohr!

Predigt zu Apostelgeschichte 2,14-36.

Himmlischer Vater
Was du dir vorgenommen hast, das können wir nicht erkennen, weil es für uns verborgen ist. Wenn du es uns offenbarst, so ist es uns zu hoch und unvorstellbar. Wir stehen wie einst die Leute von Jerusalem vor deinem Werk und fragen uns, was aus deinem Werk werden wird.
Wir danken dir, dass du uns mit unseren Fragen nicht allein lässt. Du erbarmst dich über uns. Du hast verheissen, dass du durch deinen Geist aufhelfen willst, damit wir auf das vertrauen lernen, was kein Mensch fassen kann.
So bitten wir dich heute, dass du unsere Ohren und Herzen öffnest, damit wir hören und verstehen, was du für uns durch deinen Sohn geleistet hast. Schenk uns die lebendige Hoffnung, die in allen Umständen den auferstandenen Herrn vor Augen hat.
Amen

Die menschliche Natur beurteilt, was Gottes Geist auf der Erde wirkt, als unanständig, lächerlich oder nichtig. Es gehört sich nicht, den Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen. Stattdessen wird gefordert, dass jede Lebensweise unterstützt wird. Die Leute der Welt belächeln die Frömmigkeit von Gottes Kinder. Sie vermuten Heuchelei und Naivität dahinter. Darum werden Zeitgenossen verspottet, die einen einfachen Glauben pflegen wollen. Letztenendes wird das Vertrauen auf Christus als etwas Nichtiges erachtet. Es ist schlicht ein weiterer Lebensstil, der positive psychologische Auswirkungen haben kann. Es wird ausser acht gelassen, dass der Glaube eine Kraft Gottes ist, die durch den Heiligen Geist zu den Menschen kommt.

Am Pfingstmorgen geschah etwas Aussergewöhnliches. Leute aus Galiläa priesen in vielen verschiedenen Sprachen Gottes grosse Taten. Die Menschen, die das hörten, konnten nicht einordnen, was vor ihren Augen und Ohren geschah. Deshalb spotteten einige, dass hier das Lallen von Betrunkenen zu hören sei. Petrus stand zusammen mit den anderen elf Aposteln auf und erklärte den Beobachtern, was mitten unter ihnen geschah. Er wollte sich und seine Getreuen nicht rechtfertigen. Er redete, damit die zusammengelaufene Volksmenge erkennen konnte, dass Jesus der Herr und der Christus ist. Diese Wahrheit, die auch heute den Glauben stärkt, legte der Apostel in drei Schritten dar, die er jeweils mit einem Zitat aus dem Alten Testament bekräftigte. Dadurch wird deutlich, dass der Apostel nicht von sich und seiner Einschätzung der Lage spricht, sondern von Gottes Ratschluss.

Wer Gott anruft, wird gerettet!

Petrus erinnert die Volksmenge, dass seine Gefährten an diesem Morgen weder etwas gegessen noch getrunken haben, wie es an den hohen Feiertagen üblich war. Darum ist es unmöglich, dass die 120 Menschen betrunken lallten. Was die Juden sich nicht vorstellen konnten, ereignete sich mitten unter ihnen. Es ist die Zeit gekommen, dass Gott, genauso wie er es durch den Propheten Joel vorausgesagt hatte, seinen Geist auf die Menschen ausgoss. In diesen Tagen sollen merkwürdige Dinge geschehen. Eines davon ist, dass Gottes Knechte und Mägde weissagen. Genau das ist an Pfingsten passiert. Jesu Nachfolger redeten in fremden Sprachen von den grossen Taten Gottes. Das grösste Ereignis war allerdings nicht die Fremdsprachen. Bemerkenswert ist, dass in den letzten Tagen, wenn Gott seinen Geist ausgiesst, all jene gerettet werden, die den Namen des Herrn anrufen. Das ist das herrliche Werk des Heiligen Geistes.

Lass diese Worte heute Morgen in dein Ohr! Glaube dem, was dir Gott durch den Apostel Petrus bezeugt! Gott sendet seinen Geist, damit ihr ihn anruft und von euren Sünden gerettet werdet. Diese Wahrheit können wir nicht begreifen, weil wir den Geist unseres Herrn nicht sehen. Darum meinen wir manchmal, ohne ihn auszukommen. Du kannst Gottes Worte nur begreifen und dich nur deshalb dem Ewigen zuwenden, wenn der Geist an dir wirkt. Wir müssen uns nicht irgendwelche unerklärlichen Ereignisse zusammendenken, die Gottes Geist auf Erden ausführt. Das völlig Unerklärliche ist, dass Menschen den Herrn um Hilfe anrufen. Und wenn unsere Mitmenschen spotten, dass nur schwache und unsichere Leute sich entscheiden an Christus zu glauben, dann stimmt das schon. Es ist nicht unsere Weisheit, die uns zu Gott brachte. Was uns betrifft, so fehlt uns tatsächlich alle Sicherheit, aber Gott wirkt durch seinen Geist an uns, damit wir zu ihm kommen und gehören können. Wenn du das nicht fassen kannst, dann bitte Gott um seinen Geist, der dir die Wahrheit offenbart. Hör auf Worte deines Erlösers: Was der Ewige bewirkt, erreicht sein Ziel. Die Menschen mögen es beschämend, lächerlich, oder gar nichtig erachten. Letztenendes wird er allen, die auf ihn vertrauen, ein herrliches Heil schenken.

Der Auferstandene führt zum Leben!

Nun stellte sich in Jerusalem die Frage, ob die Zeit bekommen sei, von der einst der Prophet Joel sprach. Ist dieser letzte Tag gekommen, an dem Gott sein Volk heimsuchen wird? Um diese Frage zu beantworten, kam Petrus auf Jesus zu sprechen. An ihm entscheidet sich der Lauf der Geschichte. Alle Hörer haben sich selbst überzeugen können, dass Jesus von Nazareth von Gott gesandt wurde. Nur deshalb war er in der Lage die Zeichen und Wunder wirken, die sie alle beobachteten. Diesen Mann liessen die Juden mit der Hilfe der Römer töten. Das war nicht ein grosses Missverständnis oder ein Fehlurteil in der Geschichte, sondern Gottes Ratschluss. Genau diesen Mann hat Gott auferweckt. Das bezeugen die 120 Leute, die an Pfingsten beisammen waren. Ihr Zeugnis stimmt mit der Heiligen Schrift überein. Schon David, der zwar wie jeder andere Mensch starb, aber dennoch ein Prophet war, sagte, dass er den Herrn allezeit vor Augen habe und der Heilige Gottes die Verwesung nicht sehen werde. Dieses Wort wurde erfüllt. Jesus ist am dritten Tag auferstanden. An seinem Leib gab es noch keine Fäulnis. Genau diese Erfüllung weisst darauf hin, dass nun der letzte Tag gekommen ist, an dem Menschen Gott anrufen, um gerettet zu werden.

Lass diese Worte heute in dein Ohr! Gott hat seinen Ratschluss erfüllt. Weil Jesus auferstanden ist, kann sich dein Herz freuen. Wer glaubt, dass Gottes Sohn die Strafe für die Sünde auf sich nahm, wird mit ihm leben, selbst wenn er stirbt. Du denkst viel zu gering vom Evangelium, wenn du bloss meinst, dafür sorgen zu müssen, dass du gut vor Gott dastehen kannst. Es ist dir nicht geholfen, wenn dir Menschen bestätigen, dass Jesus dich gewiss liebe. Gottes Sohn wurde an deiner Stelle getötet. Er hat die Strafe für deine Sünde auf sich genommen. Er ist auferstanden, damit du, wenn du ihm vertraust, aus dem Tod erlöst wirst. Du denkst zu gering, vom Evangelium, wenn du meinst, selbst begreifen zu müssen, was Jesus für dich tat. Gottes Geist muss dir aufhelfen, damit du glauben kannst. Du denkst zu gering vom Evangelium, wenn du meinst, das Christentum sei ein psychologischer Trick, der durch Selbsteinrede funktioniere. Wer an den Auferstandenen glaubt, gehört zu dem, der den Tod überwunden hat. Hör auf Gottes Worte: Sein Ratschluss wird sich bei allen seinen Kindern erfüllen. Sie werden leben, weil ihr Herr lebt.

Jesus ist Herr und Christus

Schliesslich kam Petrus auf die ursprüngliche Frage zu sprechen, die seiner Predigt den Anlass gab: Was ist der Grund, dass mitten in Jerusalem in unterschiedlichen Sprachen von Gottes grossen Taten gesprochen wird? Ohne Jesus würde das Ereignis keinen Sinn machen. An ihm entscheidet sich der Lauf der Geschichte. Wer ihn ablehnt, kann nicht verstehen, warum Gott in allen Sprachen gepriesen wird. Jenen, den die Menschen verachteten und töten liessen, hat Gott in den Himmel aufgenommen. Er war ohne Schuld und hat Gottes ewigen Ratschluss erfüllt. Deshalb wurde er als Herr aller Herren in den Himmel aufgenommen. Als solcher hat er Befehlsgewalt über die ganze Erde. Seinen Geist sendet er, damit sein Evangelium in allen Sprachen verkündigt wird und alle Welt ihn als Herrn und Christus erkennen kann. Er ist der Herr, der mit dem Tod alle seine Feinde überwunden hat. Und er ist der Christus, der Gesalbte des Herrn, der Gottes Ratschluss zum Heil der Menschen ausführte.

Lass diese Worte heute in dein Ohr! Jede natürliche und menschliche Erklärung des Glaubens streitet zuletzt ab, dass Jesus Herr und Christus ist. Leider ist heutzutage selbst Christen wichtiger, anständig zu bleiben und weder mit sich noch mit anderen zu hart ins Gericht zu gehen. Wir sorgen uns oft so sehr darum, uns mit unserem Glauben nicht lächerlich zu machen und geben uns Mühe, dass die Mitmenschen unsere Lebensweise anerkennen. Darum können wir es heutzutage kaum nachvollziehen, was der Apostel Paulus meinte, wenn er schrieb, dass das Evangelium eine Torheit sei (1. Korinther 1,18). Wir betonen so sehr, welchen Gewinn wir von der Frömmigkeit im alltäglichen Leben haben, dass jemand, der uns davon reden hört, sich kaum vorstellen kann, dass es eine Ewigkeit gibt, vor dem unser irdisches Dasein verblasst. Es ist Zeit, dass Gottes Kinder wieder auf die Macht ihres Herrn hoffen. Nicht indem sie besondere Zeichen und Wunder erwarten, sondern indem sie mitten in der Anständigkeit der Welt nicht darauf verzichten, ihre Schuld einzugestehen und nicht davon abrücken, Sünde als Ungerechtigkeit zu bezeichnen. Es ist Zeit, dass Gottes Kinder mitten im Spott der Welt vertrauensvoll an ihrem Herrn festhalten und ihren Glauben ganz offen leben, selbst wenn es ihnen nicht gelingt, zu erklären, was sie erfüllt. Es ist an der Zeit, dass Gottes Kinder nicht so sehr auf ihren Glauben setzen, sondern sich als solche erkennen, die vom allmächtigen Herrn und Erlöser gehalten werden. Der Auferstandene, der vom Vater in den Himmel aufgenommen wurde, gebe uns durch seinen Geist den Mut, unseren Glauben so zu seiner Ehre zu leben.

Amen.

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