Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Die Sprüche Salomos: Weisheit für die Kinder des Königs

Die gottlose Lehre der Evolution hat es so weit gebracht, dass die meisten Menschen meinen, ihr Dasein auf der Erde sei zufällig und bedeutungslos. Darum lohnt es sich gar nicht, sich um ein gutes Leben zu bemühen. Dem Menschen bleibt einzig, sich einige angenehme Tage auf der Erde zu gönnen. Die Sprüche Salomos rufen uns von dieser Bedeutungslosigkeit weg. Es sind Worte des Königs an seinen Sohn. Er wird damit auf seine grosse Aufgabe vorbereitet, die auf ihn wartet, wenn er erwachsen ist. Was der Sohn, wenn er an die Stelle des Vaters tritt, entscheiden wird, wird für ein ganzes Volk und die Völker ringsumher grossen Einfluss haben. Um diesen einmal ausführen zu können, muss der Sohn schon möglichst früh zwischen gerecht und ungerecht unterscheiden lernen. Er muss es einüben, das Gute und Gerechte zu wählen.

Die Sprichwörter Salomos wurden in die Bibel aufgenommen, damit sie Gottes Volk aus der Bedeutungslosigkeit herausrufen. Der Heilige ist sein König. Er ist es, der zu seinem Volk sagt (3. Mose 19,2): „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott.“ Hier auf der Erde lebt Gottes Volk mit seinem Herrn. Alles, was es tut, soll die Heiligkeit ihres Erlösers bezeugen. Das Wort „heilig“ könnte man auch mit „aussondern“ oder „weihen“ übersetzen. Gottes Volk wird also aufgerufen, Gott allein zu dienen. Es soll aber nicht nur den Gottesdienst für ihren Herrn reservieren, sondern das ganze Leben soll Gott geweiht sein. Wenn jeder Israelit so lebt, wird das ganze Volk ermutigt auf den Herrn zu vertrauen und alle anderen Mächte zu verlassen. Weil Gott der Herr der ganzen Welt ist, wollte er mit einem Volk, das sich nach seinen Ordnungen richtet, allen anderen Nationen ein Zeichen setzen. Es heisst (5. Mose 4-6-8), dass die Nationen, die das treue Israel beobachten, darauf schliessen werden, dass es einen sehr weisen Gott kennt. Damit wird die Art und Weise, wie Gottes Volk sein Leben gestaltet, auch für die anderen Menschen sehr wichtig.

Der Apostel Petrus erinnert seine Leser daran, dass alle, die auf Christus vertrauen, Gottes Volk sind. Es heisst im ersten Petrusbrief (1. Petrus 2,9): „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ Das Dasein von Gottes Kindern ist nicht bedeutungslos. Sie wurden nicht grundlos gerettet und vom himmlischen Vater als seine Kinder angenommen. Gott will, dass sie als seine Kinder, sein Volk, unter seiner Herrschaft auf dieser Erde leben. Die Glieder der Gemeinde sollen an deiner Art, deinen Glauben auszuleben, ebenfalls ermutigt werden dem Herrn treu zu sein. Die Menschen, die nicht an Christus glauben, sollen an deinem Leben, das du deinem Erlöser weihst, Gottes Gerechtigkeit und Gnade erkennen. Auch dein Dasein hat eine grosse Bedeutung für Gottes Volk und die Menschen, die rundherum leben. Du musst, genauso wie der Sohn des Königs, möglichst früh die Gerechtigkeit kennen und sie von Herzen tun.

Hilfe zur Weisheit

Wie können wir diese grosse Aufgabe erfüllen? Wie wurde einst Israel ausgerüstet, um Gott treu zu sein und anderen Völkern von Gottes Weisheit vorzuleben? Was hat den Königssohn auf seinen Dienst im Volk und unter den Nationen vorbereitet? Es waren die Sprichwörter Salomos. In ihm wird die Weisheit gelehrt, die ein bedeutungsvolles Leben möglich macht.

Es ist wichtig, zu wissen, dass Weisheit in der Bibel nicht bloss ein intellektueller Begriff ist. Uns scheint oft jener Mensch weise zu sein, der viel weiss. Das erste Mal, wo in der Bibel der Begriff Weisheit verwendet wird, bezeichnet er kein Wissen, sondern eine Fertigkeit. Es heisst dort, dass es im Volk Israel Leute gibt, die weise sind, die Gewänder für die Priester so herzustellen, wie sie Gott Mose beschrieben habe (2. Mose 28,3). Genauso spricht der König Salomo von der Weisheit. Durch sie gelingt es seinem Sohn, das zu tun, was Gott für ihn vorgesehen hat. In dieser Haltung las Gottes Volk das Buch der Sprüche. Wer sie beachtet, dem kann es gelingen, in dieser Welt unter Gottes Herrschaft zu leben.

In den Sprichwörtern dieses Buches wird in kurzer und prägnanter Art zusammengefasst, was Gott durch Mose und die anderen Propheten offenbarte. Der Vater und die Mutter, die beide ihren Sohn lehren, verknüpfen alltägliche Dinge mit geistlichen Wahrheiten. Sie sagten zu ihrem Zögling: Sieh doch, wenn jemand den ganzen Sommer nicht arbeitet, hat er im Winter nichts zu essen. Das kann schon jedes Kind beobachten. Es gehört zum Leben, dass der Mensch vorsorgt und sich bereits, wenn er nicht in Not ist, vorausdenkt und vorausarbeitet. Wenn man die Sprüche liest, dann erkennen wir bald, dass Vater und Mutter nicht nur über das Alltägliche, sondern auch über das Ewige sprechen. Darum belehrt dieser Rat, im Sommer für den Winter zu arbeiten, den Königssohn auch, bereits mitten im irdischen Leben dafür vorzusorgen, dem heiligen Gott zu begegnen. Übe bereits in der Jugend ein, wenn der Tod dir noch ganz weit weg scheint, nach der Gerechtigkeit zu streben.

Genau diese Anwendung des Sprichwortes ist ein Segen nicht nur für den Königssohn, sondern für alle Menschen in Gottes Volk. Warte nicht damit, mit Gott ins Reine zu kommen. Strebe heute danach, von ihm angenommen zu werden. Strebe heute nach Gerechtigkeit und Heiligkeit. Es geht um deine Seele. Sorge heute vor, dass du einmal von deinem Schöpfer herzlich empfangen wirst. Sei kein Fauler, der sich nicht um die Zukunft kümmert! Lass dich nicht von der Versuchung verführen, dir einfach ein paar schöne Stunden auf Erden zu verschaffen! Sei kein Spötter, der sich über Gottes Heiligkeit lustig macht und den Gedanken nicht ernst nimmt, einmal vom Ewigen gerichtet zu werden! Sei kein stolzer und selbstgerechter Mensch, der seinen eigenen Weg für richtig hält, auch wenn Gottes Wort dich vor der Ungerechtigkeit warnt!

Salomo gibt seinem Sohn alle diese Ratschläge nicht, damit er ein erfolgreiches Leben führen kann. Er ist ihm an mehr gelegen, als um ein behütetes Dasein. Er ringt darum, dass sein Sohn sich zu Gott hält und die Weisheit gewinnt, gerechte Entscheidungen zu treffen und Gottes Weg zu gehen. Genauso geht es heute Morgen nicht bloss darum, dass du ein möglichst glückliches Leben auf Erden führen kannst. Wie steht es um das Heil deiner Seele?

Geschenk der Weisheit

Heisst das nun, dass ein Mensch, der sich an alle diese Ratschläge hält, gerecht ist und von Gott nicht nur im Leben gesegnet, sondern auch in der Ewigkeit aufgenommen wird? Überraschenderweise kann ich diese Frage mit „Ja“ beantworten. Du wirst gerecht, wenn du wirklich alle Ratschläge aus dem Buch der Sprüche befolgst. Es heisst in den Sprüchen Salomos nämlich auch (Spr 20,9): „Wer kann sagen: Ich habe mein Herz geläutert und bin rein von meiner Sünde?“ Dieser rhetorischen Frage folgt später der klare Hinweis (Spr 28,13): „Wer seine Sünde leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Es ist falsch, zu meinen, es sei irgendwie zu schaffen, sich nichts zuschulden kommen zu lassen und darum von Gott angenommen zu werden. Nun könnte man fragen: „Was bringt es, wenn ich auf die Ratschläge dieses Buch beachte, wenn sie mich nur verurteilen und mir aufzeigen, dass ich vor dem Heiligen gar nicht bestehen kann?“ Genau mit dieser Frage sind wir beim Hauptthema des Christentums angelangt. Das führt uns, wie wir zum Beispiel in den Briefen des Neuen Testaments sehen können, zu Gottes Gnade.

Das Buch der Sprüche lässt uns Gottes Gnade suchen. Der König zeichnet seinem Sohn ein Bild vor Augen (Spr 19,12): „Die Ungnade des Königs ist wie das Brüllen eines Löwen; aber seine Gnade ist wie Tau auf dem Grase.“ Wenn nun das Erbarmen eines weltlichen Herrschers heilsam für das ganze Land sein kann, wie viel herrlicher ist dann die Gnade des höchsten Herrn? Der grösste Segen, das überragendste Glück, findest du in der Gunst des Schöpfers. Damit stehen wir vor der Frage, wie diese Gunst gewinnen können. Wenn unsere Sünde den Allmächtigen so beleidigt, dass er zornig über uns ist, wird er für uns tatsächlich wie ein brüllender Löwe. Was kann ihn besänftigen? Auch dazu äussert sich der weise König Salomo und schreibt (Spr 16,6): „Durch Güte und Treue wird Missetat gesühnt, und durch die Furcht des Herrn meidet man das Böse.“ Schade ist nur, dass jener Mensch, der an Gott schuldig geworden ist, nur eben weder gut noch treu bleibt. Wir sind verloren.

Uns fehlt die Weisheit, das Geschick, oder die Fähigkeit, unser Leben so zu führen, dass es Gott gefallen könnte. Darum muss Gott dir mit seiner Treue und seiner Güte aufhelfen. Auch davon berichtet der König seinem Sohn, indem er schreibt (Spr 2,6): „Denn der Herr gibt Weisheit und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.“ Letztlich kommt also die Fähigkeit, sein Leben nach Gottes Vorgaben zu führen, ebenfalls vom Ewigen. Er ist eben gnädig und schenkt durch seinen Geist allen, die ihn um Weisheit bitten. Deine Sünden werden durch Gottes Güte und Treue gesühnt. Wenn du ihn um seine Weisheit bittest, tust du genau das, was ihm gefällt.

Mit diesem Gedanken finden wir den Kern der ganzen Bibel. In Neuen Testament offenbart uns Gott, dass sein Sohn für uns alles Gute getan und für uns Treue gehalten hat. Er ist der Gerechte, der Gott gefällt, der ein wahrhaft weises Leben führte. Dieser vollkommene Mensch nahm die Schuld der Sünder auf sich und liess sich unter dem Spott der Gottlosen öffentlich an einem Kreuz hinrichten. Er nahm die Strafe für die Sünde auf sich. Darum schlugen sich damals die Menschen an die Brust und sagten über den Sterbenden, dass er ein von Gott Verfluchter sei. Ihn hat tatsächlich den Fluch getroffen, das Brüllen des Löwen ist über ihn gekommen, das du jeden Tag hören kannst. Es schreit dich an, wenn du Gottes Wort liesst. Es geht dir durch Mark und Bein, wenn du darüber nachdenkst, dass du einmal vor dem Heiligen stehen wirst und er dich anhand von dem, was du in deinem Leben getan hast, beurteilen wird. Das Evangelium ist die gute Nachricht, dass Christus die Strafe für alle die bereits bezahlt hat, die bei Gott Weisheit suchen. All jene, die vor ihrem Schöpfer kapitulieren und ihn um Gnade bitten, wird der Ewige aufhelfen.

Nun können wir den Kern des ganzen Buches der Sprüche verstehen, der in einem Satz folgendermassen zusammengefasst wird (Spr 9,10): „Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.“ Sünder haben Grund, sich vor dem Heiligen zu fürchten. Die Weisheit Gott zu gefallen findet, wer sich vom Gedanken des kommenden Gerichts nicht abschrecken lässt, Gott um Gnade zu bitten. Wenn du nicht empört die Bibel von dir weist, wenn du erfährst, dass dein Schöpfer über deine Sünde zornig ist, kannst du von seiner Barmherzigkeit erfahren. Er warf die Strafe, die du wegen deiner Sünde verdient hast, auf seinen gerechten Sohn.

Es ist ein unermesslicher Segen, den der Vater und die Mutter ihrem Sohn durch diese Sprichwörter weitergeben. Er soll den Herrn und das Heil finden, das er den Menschen in der ewigen Weisheit gibt. Gottes Volk soll lernen, dass es aus der Gnade ihres Herrn lebt. Auch du sollst durch diese Worte darin gestärkt werden, auf Gott und sein Heil zu vertrauen.

Schluss

Du bist nicht auf dieser Erde, um einfach über die Runden zu kommen und wenigstens einige Tage geniessen zu können. Gott hat dich zu seiner Ehre erlöst. Dein Dasein soll sowohl den Menschen, die an Christus glauben, als auch allen anderen ein Zeugnis von Gottes Gnade sein. Lies das Buch der Sprüche, um für diese Aufgabe ausgerüstet zu werden! Die folgenden Hinweise, mit denen ich meine Predigt schliesse, sollen dir beim Lesen helfen:

  1. Behalte immer im Hinterkopf, dass hier nicht bloss Tipps aufgeschrieben wurden, die zu einem erfolgreichen Leben verhelfen. Gelungen ist ein Leben vor Gott erst dann, wenn es ihm gefällt. Darum denk darüber nach, genauso wie ich es in dieser Predigt an einem Beispiel getan habe, wie die natürliche Beobachtung auf das geistliche Leben bezogen werden kann. Lass es nicht dabei, einfach einige moralische Schlüsse zu ziehen, die dein Leben verbessern, sondern suche Gottes Gnade auch in diesen Worten.
  2. Am Anfang des Buches heisst es, dass die Worte der Weisheit, die darin aufgeschrieben wurden, dazu helfen sollen, verständige Rede zu verstehen. Das heisst, dass je länger wir diese Worte bewegen, desto besser können wir sie verstehen. Lass dich nicht davon abschrecken, wenn du dir nicht auf alle Sprichwörter einen Reim machen kannst. Lies weiter und lerne Gottes Weisheit kennen. Danach komm wieder zurück zu den anderen Worten und du wirst immer mehr darin entdecken. Es ist eine gute Gewohnheit, jeden Tag eines der 31 Kapitel zu lesen. Für jeden Tag eines Monats offenbart Gott seine Güte.
  3. Wir haben gehört, dass Paulus den Korinthern schrieb, dass Christus uns zur Weisheit gemacht wurde. Wenn du das Buch der Sprüche aufmerksam liesst, wirst du eine bemerkenswerte Beschreibung des Herrn Jesus Christus finden. Du wirst den ewigen Sohn kennenlernen, durch den alle Dinge geschaffen wurden. Er ist es, der die ganze Schöpfung erhält. Und er ist es auch, in dem die Menschen Heil und Gnade finden.

Der ewige Gott schenke dir die Weisheit, das Gute zu erkennen, das er für dich in seinem Sohn bereitet hat. Er verleihe dir die Einsicht, dass ein Leben mit ihm niemals bedeutungslos ist. Gott rüste dich mit seinem Geist aus, der zum Gelingen verhilft, dass du zu seiner Ehre und zum Segen für deinen Nächsten dienen kannst.

Amen.

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