Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Die Psalmen: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Der Psalter ist das Liederbuch von Gottes Volk. All jene, die aus der Sklaverei befreit wurden und mit Gott im Bund stehen, singen gemeinsam die Lieder, die in diesem Buch zusammengestellt sind. Bereits diese Bestimmung stellt uns vor eine grosse Frage: Wer darf überhaupt beten?

Manche Evangelisten ermutigen ihre Zuhörer zum Gebet mit dem Satz, in dem sie sagen: Gott ist nur ein Gebet von dir entfernt! Es stimmt schon, dass jeder Mensch seinen Schöpfer anrufen und ihn um Glauben und Vergebung der Sünden bitten darf. Ein solcher Hilferuf könnte man mit dem ersten Schrei eines Säuglings vergleichen. Es ist das erste Luftschnappen, das erste Lebenszeichen. Ein Gespräch ist dieser erste Ruf noch nicht.

Durch die Psalmen lernen Gottes Kinder beten. Wenn wir heranwachsen, lernen wir sprechen. Je mehr wir die Welt verstehen, desto klarer können wir uns ausdrücken. Das trifft auch auf Gottes Kinder zu. Je mehr sie von Gott erkennen, desto klarer können sie beten. Mit den Liedern, die in den Psalmen gesammelt sind, geben Gottes Kinder auf Gottes Reden Antwort. Er hat sich ihnen als Erlöser erwiesen. Sie haben den kennengelernt, der sich selbst einsetzt, damit sein Volk aus dem Tod befreit wird. Wenden wir uns also noch einmal der Frage zu: Wer darf beten, wie es im Buch der Psalmen beschrieben wird? Das können nur jene Menschen, die Gottes Heiland kennen. Sie lernen, mit dem heiligen Gott zu sprechen, der sich ihnen als der barmherzige Erlöser erwiesen hat.

Am Anfang des ersten Psalmes werden zwei Wege beschrieben: Jenen der Gottlosigkeit und jenen der Gottesfurcht. Die Gottlosen können vor Gott nicht bestehen. Sie sind wie Spreu im Wind. Jene hingegen, die sich an ihren Erlöser halten, werden leben. Wenn Gottes Volk mit seinem Herrn zusammenleben will, muss es kurz gesagt, zwei Dinge tun: Sich vom Rat der Gottlosen trennen und Gottes Rat zu Herzen nehmen. Genau diese zwei Dinge lehren die Psalmen.

Gottes Volk verlässt den Rat der Gottlosen

In dieser Welt wird unsere Seele durch vielerlei Melodien in Schwingung gebracht. Sie wird beschäftigt von den alltäglichen Geschäften und Sorgen. Wir freuen uns, wenn uns eine Arbeit gelingt, und sind niedergeschlagen, wenn wir eine Aufgabe nicht bewältigen können. Durch Werbungen auf Plakaten, in Anzeigen, im Radio, Fernsehen und im Internet wird uns vorgespielt, was unsere Welt uns zu bieten hat. Es gibt so Vieles, was unser Leben schöner, leichter und erfüllender machen könnte. Die Welt singt ihr Lied und rät dir in jeder Strophe, was erstrebenswert ist. Der Gleichberechtigung aller Menschen, der Toleranz und dem Selbstwertgefühl werden heutzutage die kunstvollsten Zeilen gewidmet. Die Lieder der Welt versprechen dir ein glückliches und erfolgreiches Leben, das ganz ohne einen Gedanken an einen Gott auskommt.

Gott lässt sein Volk singen: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen.“ Die Menschen, die mit Gott im Bund stehen, besingen ein völlig unterschiedliches Glück.

  • Es singen hier jene, die erlebt haben, dass sie ohne ihren Schöpfer weder Friede, Freude noch Liebe finden können.

Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.
(Ps 16,11)

  • Sie lernen in den Lobgesängen Israels, dass die Gemeinschaft mit ihrem Herrn alle irdischen Freuden übertrifft.

Gott ist dennoch Israels Trost, für alle, die reines Herzens sind. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
(Ps 73,1.25-26)

  • Dieses Lob lässt Gottes Volk die Dinge, die auf Erden bedeutend erscheinen, ganz anders beurteilen.

Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, gemacht von Menschenhänden. Sie haben Mäuler und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, auch ist kein Odem in ihrem Munde. Die solche Götzen machen, sind ihnen gleich, alle, die auf sie hoffen.
(Ps 135,15-18)

  • Wer sein Herz mit Psalmen füllt, lernt eine Herrlichkeit kennen, die die Welt mit ihren blinden Augen nicht erkennen kann.

Herr, ich will dir danken unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten. Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Herrlichkeit über alle Welt!
(Ps 57,10-12)

Unter dieser veränderten Perspektive ist es möglich, den Rat der Gottlosen abzulehnen, den Weg der Sünder zu verlassen und die Gemeinschaft der Spötter zu meiden. Eine neue Melodie erfüllt und prägt das Leben von Gottes Volk.

Unter dieser Perspektive sind auch jene Stellen zu verstehen, in denen die Psalmisten Gott bittet, ihren Feinden den Garaus zu machen. Die Liederdichter haben ein geistliches Anliegen. Zuerst soll Gott die Schande beenden, die die Gottlosen durch ihre Auflehnung dem Heiligen bereiten. Erst danach haben diese Stellen auch einen pädagogischen Aspekt. Gottes Volk soll erkennen, dass Gott die Bösen richten wird und niemand von der gerechten Strafe entkommen wird. Das ermutigt, die Gerechtigkeit, die Gott in seinem Wort offenbart, nicht preiszugeben, sondern unter aller bösen Herrschaft nach ihr zu streben: Zur Ehre des Erlösers und zum Heil der eigenen Seele.

Wenn Gottes Volk die Lieder singt, die im Psalter zusammengestellt sind, lernt es, nicht im Rat der Gottlosen zu wandeln, den Weg der Sünder zu verlassen und sich von den Spöttern fernzuhalten.

Gottes Volk nimmt sich die Worte des Erlösers zu Herzen

Gott schenkt seinem Volk Worte, die es singen kann. Was du singst, wird dich in Zukunft begleiten. Wir kennen das, wenn uns eine Melodie nicht mehr aus dem Kopf geht, ein Ohrwurm uns verfolgt. Genau auf diese Weise sollen die Gedanken in den Psalmen bei uns bleiben. Wenn du dir diese Lieder zu Herzen nimmst, wird dir Gottes Gesetz gefallen. Du wirst dich daran freuen, in allen Lebensumständen über die Worte deines Herrn nachzudenken. Hier einige Gedanken aus den Psalmen, die im Leben von Gottes Kinder auf keinen Fall fehlen dürfen.

  • An erster Stelle steht Gottes Ehre.

    Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
    (Psalm 19,2)

  • In vielen Psalmen wird Gottes Volk erinnert, dass ihr Herr heilig ist.

    Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen?
    (Ps 130,3)

  • Die Erkenntnis der eigenen Schuld gibt den Betern keinen Anlass, sich vor dem Heililgen zu verstecken. Er offenbart sich in seinem Wort und in der Geschichte seines Volkes als herrlicher Erlöser. Darum bitten Gottes Kinder ihren himmlischen Vater darum, dass er ihnen ihre Sünden vergebe.

    Hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen! Errette uns und vergib uns unsre Sünden um deines Namens willen!
    (Ps 79,9)

  • Die Psalmen erinnern an die herrliche Erlösung, an das Heil, das Gott seinem Volk schenkt.

    Er sendet eine Erlösung seinem Volk; er verheisst, dass sein Bund ewig bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name.
    (Ps 111,9)

    Es ist ein wichtiger Gedanke, dass Gott es als Ehrensache ansieht, sein Volk von den Sünden zu retten. Du kannst dich auf sein Wort verlassen. Es ist unmöglich, deinen Schöpfer davon zu überzeugen, dass du seine Gnade verdient hast. Zähle auf sein Wort und seine Zusagen. Selbst wenn du zweifelst, sündigst und in Versuchung fällst, muss er dich nicht aufgeben. Er ist der Gott, der seinen Sohn aus dem Tod zurück ins Leben rief. Darum vermag er auch dich von jeder todbringenden Sünde zu retten. Als allmächtiger Gott kann er das und als barmherziger Vater wird er das für seine Kinder tun (siehe Heidelberger Katechismus, Antwort 26).

  • Aus der Erinnerung daran, dass Gott der mächtige Erlöser ist, schöpfen Gottes Kinder Zuversicht für die Zukunft. Bei ihrem Heiland können sie zur Ruhe kommen. Darum werden sie gelehrt zu beten:

    In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
    (Ps 31,6)

Wenn du die Psalmen liest und mitbetest, wirst du diesen Gedanken immer wieder begegnen. Es sind Worte, die Christus, der Gesalbte des Herrn, als Gebete zu seinem himmlischen Vater sprach. Wenn du an ihn glaubst, zu ihm gehörst und ihm nachfolgst, darfst du seine Bitten mitsprechen. Es reicht nicht, sich selbst von jeder Art von Gottlosigkeit fernzuhalten und die Dinge der Welt aus der Perspektive des Erlösers zu beurteilen. Gottes Kinder hören auf die Worte, die ihr Herr sagt. Sie sind ihnen so wertvoll, dass sie sie niemals vergessen wollen. Genau das tun die Autoren der Psalmen. Die Lieder, die Gottes Geist ihnen schenkte, helfen Gottes Volk, sich an die Worte ihres Herrn zu erinnern. Mit diesen Texten kannst du in allen Lebensumständen darüber nachdenken, was du von Gott vernommen hast. Du gewinnst damit Freude oder Lust am Gesetz des Herrn und lernst es, Tag und Nacht über Gottes Worte nachzudenken.

Schluss

Wenn du den Rat der Gottlosen verlässt und dir Gottes Worte zu Herzen nimmst, hast du die Quelle des Lebens gefunden. Du gehörst zu Gottes Volk, zu Gottes Kindern. Kinder imitieren mit Freude Worte und Ausdrücke, die sie von den Erwachsenen zu hören bekommen. Durch Nachplappern lernen sie, sich selbst auszudrücken. Genauso gehört es zu Gottes Kindern, dass sie die Worte nachsagen und nachbeten, die Gott den verschiedenen Verfassern der Psalmen gab. Du wirst es immer besser lernen, Gott für sein Heil zu danken und in das herrliche Lob einzustimmen, zu dem das ganze Buch aufruft.

Jede Predigt zu einem ganzen Buch der Bibel habe ich mit Hinweisen zum Lesen abgeschlossen. Das will ich auch heute tun.

  1. Im Gegensatz zu den anderen Büchern rate ich davon ab, dass du dir vornimmst, diesen Monat alle Psalmen zu lesen. Wir haben hier Gebete vor uns. Wer betet tritt vor seinen Gott, pflegt mit ihm Gemeinschaft. Darum mein Rat: Lies jeden Tag einen Psalm und denke über ihn nach. Du kannst dabei am Anfang des Buches beginnen oder dir einen speziellen Abschnitt vornehmen. Es gibt die Königspsalmen (Ps 93-101), die Wallfahrtspsalmen (Ps 120-134) oder zum Schluss des Buches ein grosser Aufruf zum Lob (Ps 146-150). Oder du könntest den längsten Psalm (Ps 119), in dem lange über Gottes Gesetz nachgedacht wird, an mehreren Tagen lesen. Lass dich von den Gedanken beschäftigen, die in den Psalmen entdeckst.
  2. Die Worte des Psalters sollen dir gehören. Gottes Kinder sollen sorgfältig über sie nachdenken und sie sich zu eigen machen. Das geschieht vor allem dann, wenn wir einige von diesen Liedern auswendig lernen. Der 23. Psalm, in dem der König David über die Fürsorge und Güte des Herrn nachdenkt, kann dir in vielen Lebensumständen zur Hilfe werden. Mit dem Psalm 131 lernst du Gott kindlich zu vertrauen. Oder stimmt mit Psalm 103 in die Erinnerung an Gottes Güte ein. Ich rate dir, diesen Monat wenigstens einen Psalm auswendig zu lernen.
  3. Mach die Lieder in diesem Buch zu deinem Gebet. Beziehe die Gedanken, die darin beschrieben werden, auf dein Leben. Formuliere eigene Bitten, eigenes Lob und danke deinem Heiland für seine Erlösung und für die Güte, die er dir erwiesen hat. Wenn du das tust, wird das Ziel des Buches erreicht: Gottes Volk soll seinen Herrn loben.
  4. Schliesslich achte auch in diesem Buch auf Christus. Unser Herr hat es gesagt, dass in den Psalmen von ihm geschrieben steht (Lk 24,44). Entdecke in den Liedern den, der es dir möglich macht, mit dem heiligen Gott zu sprechen. Er hat die Gerechtigkeit erfüllt, die du deinem Schöpfer schuldig bleibst. Die Psalmisten lernen singen, dass der Gesalbte die Schuld seines Volkes auf sich nahm und dafür behalte. An vielen Stellen wird vom herrlichen Sieg gesungen, den der König aller Könige errungen hat. Christus ist der eigentliche Grund des Lobs, von dem im Psalter die Rede ist.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!
(Ps 106,48)

Amen.

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