Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Die Himmelfahrt: Die zurückgelassenen Zeugen erwarten den Herrn

Predigt zu Apostelgeschichte 1,9-11, über die Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus.

Es scheint, als ob sich der Glaube im Alltag selbst bewähren müsse. Gott offenbart in seinem Wort seine Gerechtigkeit. Oberflächlich betrachtet, werden dort allerdings bloss allgemeine Prinzipien festgehalten. Was im Einzelnen getan oder gelassen werden soll, muss jeder Christ letzten Endes selbstständig entscheiden. Christus ist im Himmel und wir hier auf der Erde. Deshalb meinen wir, unseren Alltag eigenständig meistern zu müssen.

Am Anfang der Apostelgeschichte wird eine ganz andere Situation beschrieben. Die Jünger waren vierzig Tage mit dem Auferstandenen zusammen. Er erklärte ihnen aus den Schriften, was sein Leben und Sterben bedeutete. Sie lebten gemeinsam, assen gemeinsam, verbrachten gemeinsam ihre Tage. Der Alltag war von der Gemeinschaft mit Christus erfüllt.

Bereits vor seinem Tod sagte Jesus zu den Jüngern, dass er zu seinem Vater gehen werde. Er erklärte ihnen, dass es gut für sie sein werde, wenn er nicht mehr bei ihnen sei. Wenn er weggegangen sei, werde er ihnen zum Trost seinen Geist senden. Am Ende der irdischen Gemeinschaft sprach er wieder davon, dass er sie mit dem Geist taufen werde. Damit dieses Versprechen erfüllt werden konnte, musste er nun von den Seinen Abschied nehmen. Das geschah auf eine eindrücklichen Art und Weise.

Die Himmelfahrt begründete den Dienst der Apostel, den Lukas in der Apostelgeschichte beschreibt. Es ist dieses Ereignis, das noch heute die Gestalt der Kirche und den Glauben jedes einzelnen Christen prägt. Darum ist es wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, sorgfältig über das nachzudenken, was damals geschah. Zwei Aspekte der Himmelfahrt werden in heutigen Abschnitt betont: der Abschied und die Wiederkunft. Beides wollen wir separat betrachten.

Der Abschied der Himmelfahrt: ein reicher Trost

Christus liess seine Nachfolger zurück. Die Zeit der unmittelbaren Gemeinschaft war vorbei. Der Hauptton liegt in diesem Bericht nicht auf der Trennung. Lukas betont, dass die Apostel beobachteten, wie ihr Herr in den Himmel aufgenommen wurde. Sie waren Augenzeugen dieses unglaublichen Vorgangs. Ihr Meister ist nicht einfach verschwunden, wie damals, als er zwei Jünger in Emmaus begegnete (Lukas 24,31). Seine Nachfolger müssen genau Bescheid wissen, wo Christus hingegangen ist.

Eine Wolke nahm Jesus auf. Sie ist das Zeichen von Gottes Herrlichkeit. Es ist die gleiche Wolke, die zum Beispiel die frisch aufgestellte Stiftshütte erfüllte (2. Mose 40,34). Beim Lesen der Schriften des Alten Testaments wird deutlich, dass diese Wolke Gottes Gegenwart darstellt. Christus wurde in die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater aufgenommen. Er lebt jetzt in der ewigen Herrlichkeit. Genau das bezeugten die Apostel. Sie sahen es mit eigenen Augen.

Christus ist bei seiner Himmelfahrt nicht von seinen Ämtern zurückgetreten. Er überliess die Sache mit Gottes Reich nicht seinen Nachfolgern. Ganz im Gegenteil: Er hat sein himmlisches Amt angetreten. Es heisst, dass er sich zur Rechten des Vaters setzte. An der rechten Seite des Monarchen sass der Fürst, der die Regierungsgeschäfte führte. An ihm und seinem Urteil kam niemand vorbei. Genau diese Stellung hat Jesus in Gottes Reich eingenommen. Er ist es, der zum Wohl seines Volkes regiert. Er vertritt seine Freunde (Johannes 15,15) beim höchsten Herrscher. Von dieser erhabenen Position aus sorgt er für die Seinen und lässt ihnen alles zukommen, was sie für ihr Leben unter seiner Herrschaft brauchen.

Es ist ein Segen für Gottes Kinder, dass Christus dieses Amt einnahm. Für alle, die an Jesus glauben, ist es das Beste, wenn ihr Herr zur Rechten des himmlischen Vaters sitzt. Was für eine Gnade, dass er beim heiligen Gott für uns eintritt! Welch ein Geschenk, dass uns Gottes Sohn vom ewigen Thron her seinen Geist sendet, damit wir auf sein Heil vertrauen können. Der Aufblick der Apostel zum Himmel soll dir die Herzensaugen öffnen. Christus hat dich nicht in deinem Leben zurückgelassen. Du bist Bürger des Himmelreichs, weil dein Heiland für dich regiert. In diesem Moment erfüllt sich das letzte Versprechen, das Jesus an seinen Jünger gab (Matthäus 28,20): „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Die Wiederkunft der Himmelfahrt: eine ernste Ermahnung

Bevor Christus die Apostel zurückliess, gab er ihnen einen Auftrag. All das, was sie in den vierzig Tagen nach seiner Auferstehung von ihm gelernt hatten, sollten sie in der ganzen Welt weitersagen. Jesus erklärte den Seinen, dass er der verheissene Messias sei. Er erfüllte, was in den Schriften des Alten Testaments von ihm geschrieben steht. Gottes Sohn wurde Mensch und nahm die Strafe für die Sünde auf sich. Er starb als Verachteter an einem Kreuz. Wer jetzt daran glaubt, dass Gottes Sohn dort das Opfer brachte, das die Sünde sühnen kann, wird mit dem heiligen Gott versöhnt und mit ewigem Leben beschenkt. Wer auf Christus vertraut, wird genauso wie er in die Herrlichkeit aufgenommen und wird einst für immer die Gemeinschaft mit seinem Schöpfer geniessen dürfen. Das ist die Botschaft, die in der ganzen Welt bekannt gemacht wird.

Die Apostel sahen auf zum Himmel und begriffen, dass ihr Meister nun im Reich seines Vaters über alles herrscht. Dieser Vorgang fesselte sie so, dass sie ihre Augen nicht davon abwenden konnten. Die Offenbarung von Gottes Herrlichkeit überfordert die Menschen immer. Zuletzt vor der Himmelfahrt konnten die ersten Zeugen der Auferstehung nicht fassen, was sie sahen – oder vielmehr, was sie nicht sahen: Das Grab war leer. Auch damals sandte Gott Boten, zwei Engel, die den Staunenden erklärten, was geschehen war. Genauso war es bei der Himmelfahrt: Gott sandte den Augenzeugen eine Hilfe. Himmlischen Boten erklärten den Aposteln, was die Himmelfahrt bedeutet. Christus ist der Herr aller Herren, der als siegreicher Herrscher zurückkommen wird. Die Erklärung der Engel erinnern an Worte, die Jesus selbst zu seinen Jüngern sagte (Lukas 12,47): „Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden müssen.“ Dass die Augenzeugen der Himmelfahrt den Willen ihres Herrn nicht vergassen, davon zeugt der Bericht, den Lukas in der Apostelgeschichte gibt.

„Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“, so heisst es im Hebräerbrief (Hebräer 13,8). Darum herrscht er auch noch heute und sitzt immer noch zur Rechten seines Vaters im Himmel. Noch heute gilt das Wort, dass er siegreich als Herr aller Herren zurückkommen wird. Genauso gilt sein Auftrag, den er der Kirche durch die Apostel gab. Überall auf der Welt sind Menschen aufgerufen unter der Herrschaft des Evangeliums zu leben. Ob du fröhlich bist oder eine schwierige Zeit erlebst, Christus ist der Herr. Wenn du dich fragst, wie deine Zukunft aussieht, oder ob dein nächster Lebensabschnitt bereits geplant ist, Jesus bleibt auch Morgen dein Heiland. Selbst wenn du vor lauter Sorgen weder ein noch aus weisst, dein Herr wird dich an sein Ziel bringen. Wenn du zu ihm gehörst, wird er dafür sorgen, dass du nicht verloren gehst.

Die Worte der Engel sind auch eine ernste Ermahnung. Wenn er zurückkommen und seine Herrschaft öffentlich antreten wird, wird er sich über alle freuen, die das tun, was er ihnen aufgetragen hat. Er wird sie mit der ewigen Seligkeit belohnen. Alle anderen müssen sich vor Strafe fürchten. Diese Erinnerung kann mit dem Ruf „Achtung der Chef kommt“ verglichen werden. Stellt euch vor, dass in einem Büro niemand seiner Arbeit nachgeht. Einige haben ihr Smartphone gezückt und unterhalten sich mit den Füssen auf dem Tisch mit ihren Freunden. Andere suchen im Internet nach Rezepten, um zu wissen, was sie nach der Arbeit einkaufen und kochen sollen. Wieder andere sind beim Kaffee in ein Gespräch mit ihren Kollegen vertieft. In diese Situation ruft jemand: „Achtung, der Chef kommt!“ Die Füsse verschwinden sofort vom Tisch, die Kaffeebecher werden abgestellt und die Smartphones werden in die Taschen abgelegt. Stattdessen sind alle bemüht, dass ihr Vorgesetzter mit einem Blick erkennen kann, dass sie treu ihre Arbeit erledigen. Denk daran: Christus kommt wieder. Du bist nicht auf dich selbst gestellt. Lebe überall mit seinem Wort. Sei mit Wort und Tat ein Bote von seiner herrlichen Gnade. Stell all jene Dinge zur Seite, die die Menschen geniessen, die nicht zu Gottes Reich gehören. Erinnere dich an den Auftrag, den er dir gegeben hat!

Schluss

Christus ist im Himmel und wir hier auf der Erde. Wenn wir an die Himmelfahrt denken, merken wir, dass unsere Vorstellung von unserem Dasein auf der Erde viel zu gering ist. Wir sind Gottes Kinder. Als solche gehören wir zu ihm, in sein Reich. Wir leben eben nicht unser eigenes Leben, sondern wurden mit einem neuen Leben beschenkt, das bis in Ewigkeit bestehen wird. Lebe darum jeden Tag mit den Worten deines Herrn! Er ist der Ewige, der siegreich kommen wird, wie er es selbst gesagt hat (Lukas 21,25-28): „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit grosser Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

Amen.

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