Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Der Blick auf das Heil

Predigt zu 4. Mose 21,4-9.

In einer Woche feiern wir Ostern. Als Reformierte hängen wir nicht unbedingt sklavisch dem kirchlichen Feiertagskalender an. Es geht uns grundsätzlich nicht um die Feiertage als solche, sondern um die Heilstatsachen, die mit diesen Tagen verknüpft sind. Die Heilstatsachen, die uns eigentlich ständig vor Augen stehen, sollen an diesen Tagen besonders in den Mittelpunkt rücken.

Ist uns eigentlich klar, dass Karfreitag und Ostersonntag die wichtigsten christlichen Feste sind? Nicht nur in der Gesellschaft, sondern wahrscheinlich auch in der Kirche nimmt im allgemeinen Weihnachten einen höheren Stellenwert ein. An Weihnachten geht es bekanntlich um die Menschwerdung Christi, um sein erstes Kommen in diese Welt. Aber dieses Kommen wäre ohne seinen Kreuzestod und seine Auferstehung recht bedeutungslos gewesen. Denn erst sein Heilswerk am Kreuz macht Jesus zu dem, was sein Name wörtlich bedeutet: «Der Herr rettet».

Es ist darum nicht erstaunlich, dass das Wort Gottes schon von Anfang an dieses Ereignis im Blick hat. Christus als der Gekreuzigte und Auferstandene ist die Botschaft praktisch jedes Buches der Bibel, auch im Alten Testament. Darum wollen wir uns heute mit Blick auf die kommenden Feiertage unter einen solchen Text stellen, nämlich 4. Mose 21,4–9.

Israels Sünde

Das 4. Buch Mose befasst sich mit Ereignissen, die sich während des Zuges Israels von Ägypten nach Kanaan zutrugen. Genauer gesagt beginnt das Buch am Berg Sinai, dem Berg Gottes, zu dem der Herr das Volk durch Mose geführt hatte, wo er sich offenbart und sein Gesetz verkündet hatte. Vom Sinai war das Volk in Richtung Kanaan aufgebrochen. Aber es war ihm nicht vergönnt, das Land zu betreten. Wir erinnern uns an die zwölf Kundschafter und ihre Berichte über das verheissene Land und die Reaktion des Volkes auf diese Berichte.

Es ist immer wieder aufs neue unbegreiflich, wie dieses Volk nach all dem, was es gesehen und erlebt hatte, nach all den Wundern, die der Herr vor ihren Augen und für sie getan hatte, angesichts von zehn schlechten Berichten so verzagen und in den Unglauben fallen konnte, was dann schliesslich auch Anlass für eine vierzig Jahre währende Irrfahrt durch die Wüste einschliesslich des Todes einer ganzen Generation sein sollte.

Während dieser Wüstenwanderung spielte sich das Ereignis ab, von dem unser Predigttext berichtet. Gott führte Israel auf einem Umweg dem verheissenen Land entgegen. Und wie so oft findet Israel einen Grund zum Jammern. Wir lesen: «Das Volk wurde verdrossen auf dem Weg» (Vers 4). Die Wanderschaft dauerte zu lange. Sie war zu beschwerlich. Ach, wie gut ging es uns dagegen in Ägypten! «Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise» (Vers 5)!

Es ist sicher wahr, dass ein langer Aufenthalt in der Wüste sehr beschwerlich ist. Aber das war nicht das Problem. Das Problem der Israeliten war nicht, dass Brot und Wasser fehlten oder dass ihnen das Manna zu Halse heraushing. Das eigentliche Problem war, dass der Herr ihnen hierin ihre völlige Abhängigkeit von ihm aufzeigte. Die Tatsache, dass es keine Häuser gab, keine Gärten, keine Felder, keine Werkstätten, so dass man nicht für sich selbst sorgen konnte, sich nicht auf sich selbst und seine Fähigkeiten und seinen Besitz verlassen konnte, war Israel zuwider. Das Leben in der Gemeinschaft mit Gott, in der Hingabe zu Gott und unter der Obhut Gottes und somit in völliger Abhängigkeit von ihm, wurde ihnen je länger, desto mehr unerträglich.

Jeder von uns kennt das Sprichwort «Früher war alles besser». Manch einer von uns hat diesen Satz sicher auch schon in der einen oder anderen Form gesagt oder gedacht. Wir haben einen Hang zum Jammern, wodurch uns die Gegenwart immer schlechter erscheint als die Vergangenheit. Und je länger vergangene Ereignisse zurückliegen, desto mehr sind wir geneigt, sie nostalgisch zu verklären. So ging es auch den Israeliten. Hier in der Wüste erinnerten sie sich mit Tränen in den Augen an die schöne Zeit in Ägypten: Wisst ihr noch, wie schön wir uns damals kleideten, welch gutes Essen wir hatten, und dass wir vor allem nicht auf Almosen von oben angewiesen waren, sondern alle Arbeit hatten? So ungefähr muss ihr Blick zurück ausgesehen haben. Was für eine wunderbare Zeit hatten wir in Ägypten! Was war da schon das bisschen Sklaverei! Das war doch nichts im Vergleich zu unserem heutigen Elend hier in der Wüste! So klagte das Volk – nicht zum erstenmal.

Und Gott züchtigte daraufhin das Volk – auch nicht zum erstenmal. «Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben» (Vers 6).

Wenn wir hier von «feurigen Schlangen» lesen, haben wir nicht nur an das Aussehen dieser Schlangen zu denken, sondern vor allem an die Wirkung ihres Bisses. Denn offensichtlich handelte es sich um Giftschlangen. Das Gift dieser Schlange brannte im Körper des Gebissenen, es frass sich wie ein Feuer hindurch und führte unweigerlich zum Tod.

Was für ein bemerkenswertes Bild! Die Giftschlangen, die unter dem Volk wüteten, kehrten nämlich etwas nach aussen, sie machten ein anderes Gift sichtbar, das sich wie Feuer durch das Volk frass: das Gift der Sünde. Das war es, was das Volk wirklich tötete. Ihr Verlangen nach Ägypten, dem Land der Knechtschaft, ihre Undankbarkeit gegenüber Gottes Versorgung mit Manna in der Wüste, ihr fehlendes Vertrauen, sicher ins Land Kanaan einzuziehen – das waren keine isolierten Symptome, sondern sie wiesen auf ein grundlegendes Übel hin: die Sünde, die sich in der Abkehr von Gott und seinem Wort und der Hinwendung zu sich selbst und den Dingen dieser Welt äussert. Ausserhalb von Gottes Gemeinschaft aber ist nur der Tod. Das war die Botschaft der feurigen Schlangen.

Viele aus Israel starben durch das Schlangengift. Hier erfüllte sich zum Teil Gottes Gericht, demzufolge diese ganze Generation in der Wüste umkommen sollte. Wir sehen hier also nicht nur eine sichtbare, zeitliche Strafe für ihre Sünde, ihren Unglauben und Ungehorsam, sondern auch ein Abbild für ihren Ausschluss aus dem himmlischen Kanaan.

Israels Busse

Doch nicht das ganze Volk kam ums Leben. Einige (viele?) sollten durch diesen verheerenden Schlangenangriff zur Busse gerufen werden. Denn Gott lässt nicht sein ganzes Volk umkommen. In seiner Treue wendet er vielmehr solch harte Züchtigungen an, um sein Volk zu bewahren! Das Volk, das er sich erwählt hat, die Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Israels, soll das Land Kanaan erben und wird es auch erben! «Wen der Herr liebt, den weist er zurecht», lesen wir in Sprüche 3,12. Die Zucht des Herrn ist nicht als Strafe gedacht, sondern als Mittel, um auf den rechten Weg zurückzufinden.

Die bissigen, giftigen Schlangen verkündigten dem Volk: Eure Sünde bringt euch um! Wer sich von Gott abwendet, wendet sich vom Leben ab! Wer in der Welt verharrt, den erwartet der Tod! Durch diese Verkündigung gelangten einige zur Busse: «Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme» (Vers 7).

Sündenerkenntnis und Bekehrung sind immer ein Geschenk Gottes. Unter dem Alten Bund geschah dies in vielerlei Gestalt, vor allem auch anhand sichtbarer Ereignisse und Zeichen. Heute ist das anders. Gott braucht keine Giftschlangen mehr unter uns zu senden, um uns zu unterweisen. Heute haben wir sein heiliges Wort in Schriftform, vollständig und abgeschlossen. Heute hält uns Gott den Spiegel vor, indem er uns sein Gesetz verkündigt und es uns im Licht seines ganzen Wortes umfassend auslegt, so dass wirklich keine unserer Sünden unerkannt bleibt.

Wenn Gott uns den Spiegel vorhält, erkennen wir bei uns die gleichen Sünden, mit denen damals schon Israel beladen war: den gleichen Drang nach den Fleischtöpfen Ägyptens, die gleiche Halsstarrigkeit gegenüber Gottes Wegen, dieselbe Gleichgültigkeit gegenüber seinen Verheissungen, die gleiche Neigung, Gott und unseren Nächsten zu hassen, und den gleichen Tod, dem auch wir von Natur aus verfallen sind. Danken wir dem Herrn, dass er uns immer wieder aufzeigt, wie es um uns steht, so wie er es gegenüber den glaubenden Israeliten in unserem Text durch das Wüten der Giftschlangen getan hat!

Achten wir nun darauf, wie das Volk mit dieser Sündenerkenntnis umging, denn auch das ist eine Lehre für uns. Sie blieben nicht in ihrem Elend liegen oder suchten ziellos nach Hilfe und Heilung. Nein, sie kamen zu Mose, zu dem Mann, den Gott selbst zwischen sich und das Volk gestellt hatte. Sie wussten, dass sie nicht selbst vor Gott treten durften, denn sie wären aufgrund ihrer Sünde von seiner Heiligkeit verzehrt worden. Sie brauchten einen Mittler: Mose.

Natürlich war dieser Mose in jeder Beziehung ein Mensch wie sie. Und natürlich war in Wahrheit nicht Mose der Mittler. Mose war ein Typ, ein Vorbild, ein Schatten des Mittlers, der erst noch kommen sollte – Christus. Aber gerade weil Mose ein Vorschatten des einen, wahren Mittlers Christus war, akzeptierte Gott ihn in dieser Funktion. Wenn Mose an der Spitze des Volkes stand, um für das Volk vor Gott einzutreten, dann sah und hörte Gott in Wirklichkeit nicht Mose, sondern Christus als das Haupt seines Volkes.

Darum war es für das Volk notwendig und einzig richtig, sich in seiner Not an Mose zu wenden, denn er allein konnte vor Gott bestehen. Bitte du für uns! Bitte den Herrn, dass er die feurigen Schlangen wegnimmt! Das heisst, bitte, dass der Herr unsere Sünde wegnimmt, die uns beherrscht und von ihm wegzieht! Das war die wahre Bitte: Herr, brich die Macht der Sünde!

Das muss auch unser Weg im Gebet sein. Wenn wir vor Gott treten, dann allein durch den Mittler, der sich selbst als «Weg» und «Tür» bezeichnet hat: Jesus Christus. Durch Christus haben wir immer und überall Zugang zum Vater. Christus ist durch seinen Geist unser Fürsprecher beim Vater.

Israels Erlösung

«Und Mose bat für das Volk», so lesen wir weiter. Mose trat für das Volk, mithin auch für sich selbst, vor Gott ein. Und Gott erhörte das Gebet. Aber wie so oft sind seine Wege nicht unsere Wege. Darum sah die Erhörung anders aus, als die Menschen sie sich vorgestellt und erwartet hatten. Schauen wir noch einmal in den Text: Das Volk hatte gebeten, dass der Herr die Schlangen «von [ihnen] nehmen» solle.

Das hätte Gott zweifellos tun können. Er hätte problemlos die Schlangen verschwinden lassen können. Aber überlegen wir, was das für die Verkündigung bedeutet hätte! Was hätte Gott dem Volk verkündigt, hätte er die Giftschlangen, das Symbol für die innewohnende Sünde, auf ihr Gebet hin einfach verschwinden lassen?

Die Wahrheit ist eben nicht, dass die Sünde des Volkes Gottes auf ein Gebet hin einfach verschwindet, dass sie unseren Leib, unsere Natur, unsere Kirche, unser ganzes Umfeld verlässt und wir anschliessend als sündlose Menschen in einer sündlosen Welt dastehen, um unseren Pilgerweg ins himmlische Kanaan fortzusetzen. Genau das wäre die Botschaft gewesen, hätte Gott einfach ihrem Gebet entsprochen und die Schlangen weggejagt. Aber so wie die Sünde Teil unserer Natur ist und bleibt, so mussten auch die Giftschlangen bis auf weiteres Teil des Alltags in der Wüste bleiben.

Mit unseren Gebeten ist es so eine Sache. Oftmals tragen wir Gott recht konkrete «Empfehlungen» vor, was er doch bitteschön tun möge. Uns geht es oft wie den Israeliten in unserem Text: Aus einer richtigen Erkenntnis leiten wir die in unseren Augen naheliegende Massnahme ab und wundern uns dann, wenn Gott uns vermeintlich nicht hört und nichts tut. Dieser Eindruck ist falsch. Gott hört sehr wohl. Wir können uns felsenfest darauf verlassen, dass Gott das Gebet seiner Kinder hört. Wenn schon irdische Väter, die doch sündig und voller Mängel sind, sich um ihre Kinder kümmern, wieviel mehr und besser dann nicht unser Vater im Himmel, der uns liebt (vgl. Lukas 11,13)? Unser Problem ist vielmehr, dass wir beschränkt und kurzsichtig sind und uns die Einsicht in den Ratschluss und die Weisheit Gottes fehlt, der viel besser als wir weiss, was wir uns seine ganze Kirche brauchen, und unsere Gebete somit meist auf andere und viel bessere Weise erhört.

So hat der Herr auch das Gebet des Volkes in der Wüste auf andere Weise erhört. Er befahl Mose, eine «eherne Schlange» zu machen (Vers 8). Interessant ist, dass im Urtext das gleiche Wort steht, das vorher mit «feurig» übersetzt wurde. Mose sollte also wörtlich eine «feurige» Schlange anfertigen, ein genaues Abbild der Kreatur, die so viel Verwüstung unter dem Volk gesät hatte. Gemeint ist wahrscheinlich ein Abbild aus Bronze, dem rötlichen, feurigen Material. Diese Schlange sollte er an einer Stange befestigen, so wie man es früher mit Regimentsfahnen tat, um Soldaten in der Schlacht Orientierung zu geben. In gleicher Weise sollte Mose dieses Bildnis benutzen und es inmitten des Lagergetümmels, vielleicht auf einer Anhöhe, aufpflanzen, so dass es im ganzen Lager sichtbar war.

Und was sollte das ganze bewirken? «Wer gebissen ist und sieht [die Schlange] an, der soll leben». Mit anderen Worten: Wer die eherne Schlange anblickte, und nur der, in dessen Körper entfaltet das Gift nicht seine tödliche Wirkung. Achten wir genau auf den Unterschied, der hier gemacht wurde: Gebissen wurden alle, das Gift gelangte in jeden einzelnen, aber diejenigen, die auf die eherne Schlange blickten, kamen durch das Gift nicht um, sondern blieben trotz des Giftes in ihrem Körper am Leben.

Wie konnte das geschehen? Was hatte diese eherne Schlange an dem langen Stock an sich? Was hatte es mit dem Anblicken dieser Schlange auf sich? Diese beiden Elemente müssen wir betrachten, um zu verstehen, was dem Volk wirklich Heilung verschaffte.

Sagen wir zunächst etwas zu diesem Schlangenbild. Beachten wir: Das gleiche Wesen, das Tod und Verderben in sich trug, wurde hier bildhaft emporgehoben. Die Ursache des Verderbens wurde aus der Mitte des Volkes emporgehoben – weggenommen. Die Schlange konnte ihr tödliches Werk nicht mehr vollenden, sie war befestigt und gefangen an der langen Stange, wie an einem Feldzeichen. Ja, sie war noch unter dem Volk, inmitten des Lagers, aber ihre Macht war gebrochen. Genau das verkündete dieses Zeichen weithin und für jeden sichtbar, denn es war aus Bronze und leuchtete und blitzte vor aller Augen in der gleissenden Wüstensonne.

Und damit kommen wir zu dem Element des Hinschauens. Jeder Israelit im Lager konnte das Zeichen sehen, und gerettet wurde jeder, der es anblickte. Der Blick auf die Schlange muss im engen Zusammenhang mit allem zuvor Gesagten gesehen werden. Erinnern wir uns: Der Herr hatte dem Volk seine Sünden vor Augen gestellt, er hatte es zur Busse geführt, das Gebet auf seine Lippen gelegt, das dann durch Mose vorgetragen wurde, und er hatte die Bronzeschlange als Zeichen gegeben, dass er, der Herr, Heilung bringt. Der Blick auf die Schlange war also ein Blick auf das vom Herrn bewirkte Heil, es war ein Blick im Glauben an das Wort Gottes. Wer auf die erhöhte Schlange blickte, der glaubte dem Herrn, dass er Heilung schenkt und dass man nur durch ebendiesen Glauben daran Anteil haben kann.

Und damit haben wir den Bogen zur Kreuzigung des Herrn Jesus Christus geschlagen. Denn Christus hat dieses Ereignis in der Wüste auf sich bezogen (Johannes 3,14–15):

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Das Ereignis in der Wüste verkündigte die Kreuzigung Christi, ja es verkündigte das ganze Heilswerk Gottes, dessen Drehund Angelpunkt das Kreuz ist. Was dem Volk in der Wüste vor Augen gestellt wurde und was uns hier und jetzt durch das Wort Gottes vor Augen gestellt wird, ist Jesus Christus, der Gekreuzigte (vgl. 1. Korinther 2,2). Wer an Christus glaubt, kommt nicht in seiner Sünde um, sondern hat das ewige Leben.

Es geht um den Glauben an Christus. Es genügt nicht, auf irgendein Bild von Christus zu blicken, auf ein Kruzifix oder irgendeinen anderen Gegenstand. Machen wir nicht den Fehler, den einige Israeliten damals machten, indem sie der ehernen Schlange an dem Pfahl selbst die Heilung zuschrieben und schliesslich diesen Gegenstand sogar kultisch verehrten (vgl. 2. Könige 18,4). Nein, nicht das Bild rettet, kein Bild von Christus und auch kein Bild vom Kreuz. Unser Heil liegt vielmehr in dem, was vor zweitausend Jahren an einem solchen Holz geschehen ist: in dem Opfer Christi. Das Wort aus Hebräer 12,2, dass wir zu Jesus «aufsehen» sollen, bedeutet, dass wir ihn im Glauben erfassen sollen, so wie einst das Volk Israel im Glauben auf die Schlange blickte, weil es dem Wort Gottes vertraute und von ihm allein Erlösung erwartete. Und so wird uns die Erlösung zugeeignet: Wir blicken im Glauben auf Christus, der aus unserer Mitte erhöht wurde. Er hat unsere Sündenlast von uns genommen und auf sich geladen, hat Gottes Zorn bis hinab in Tod und Hölle getragen und am dritten Tag den Tod überwunden und besiegt.

Wohin also müssen wir unseren Blick richten? Wo finden wir den erhöhten Christus, wo erkennen wir sein Werk? In der Heiligen Schrift, im Evangelium. Das ist heute unser Feldzeichen, an dem wir uns orientieren können und müssen. Wenn wir woanders suchen, werden wir nichts finden. Die Israeliten, die nicht auf die Schlange blickten, sondern auf eine Wolke oder einen Baum oder auf sich selbst, fanden keine Heilung und kamen um. So würde es auch uns ergehen, wenn wir dem Evangelium nicht glaubten, sondern anderswo nach dem Heiland suchten.

Errettung aus dem Tod und ewiges Leben finden wir nur in Jesus Christus, wie er uns im Evangelium vor Augen gestellt wird. Glaubt an Jesus Christus! Gerade dann, wenn wir angefochten sind und es uns so ergeht wie den Israeliten, die sich nach Ägypten zurückwünschten, wollen wir uns umwenden und im Glauben auf Christus blicken. Deshalb wollen wir Gott bitten, dass er uns ausrüstet und stärkt, seinem Wort zu glauben, damit wir unseren Retter Jesus Christus immer mehr und besser kennen und lieben lernen und wir ihm treu nachfolgen.

Amen.

0 Kommentare

Kommentar einfügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.