Eine Sünderin begegnet dem Evangelium

Januar 29, 2012
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Inhalt

Predigt zu Lukas 7,36-50.

Selbstgerechte Menschen erhalten Recht, aber reumütige Sünder finden Gnade.

Zum Nachdenken

  • Was tust du, um Gott zu gefallen?
  • Welche Sünden scheinen dir besonders schlimm zu sein und über welche Nachlässigkeiten siehst du bei anderen und dir selbst gerne hinweg?
  • Wie kann es dazu kommen, dass du den ewigen Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und all deinen Kräften liebst?

 

Predigt

Dinge, die schwer zu fassen sind, lassen sich leichter erklären, wenn man zwei gegensätzliche Dinge einander gegenüber stellt. Durch den direkten Vergleich zweier Dinge wird uns klar, was gut und gerecht ist. Darum reden wir oft von gut und von böse, oder von Gerechtigkeit und Unrecht. Genau das tut auch Lukas in diesem Abschnitt. Er stellt zwei Menschen einander gegenüber, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: einen Pharisäer und eine Sünderin. Anhand dieser zwei Personen erklärt er, wie man mit dem heiligen Gott ins Reine kommen kann.

 

Der selbstgerechte Pharisäer

Die Pharisäer hatten schon mehrere Auseinandersetzungen mit Jesus. Sie gipfelten jeweils in der Frage, wie Jesus es wagen kann, zu sagen, er könne Sünden vergeben. Die Gelehrten in den biblischen Schriften wussten sehr genau, dass nur Gott Sünden vergeben kann. Trotz dieser Auseinandersetzungen wollte der Pharisäer, der hier Simon genannt wird, mehr von Jesus erfahren, ihm selbst begegnen und wissen, was es mit diesem sonderbaren Lehrer auf sich hat. Darum lud er Jesus zu sich nach Hause ein. Bei einem ungezwungenen Essen hoffte Simon, Jesus für seine Sicht der Dinge zu gewinnen. Innerlich stellt er sich von Anfang an über seinen Gast. Er will nicht belehrt werden, eine neue Sicht gewinnen, sondern Jesus beurteilen. Im Haus des frommen Pharisäers soll auskommen, ob Jesus sich wirklich an Gottes Wort hielt und ebenso fromm handelte, wie sich der Simon bemühte.

Genau in dieser Situation kam eine Frau ins Haus des Pharisäers. Sie war in der ganzen Stadt und wohl noch darüber hinaus als grosse Sünderin bekannt. Die Frommen jener Zeit gaben sich nicht mit solchen Person ab. Trotzdem kam sie ins Haus. Es war damals üblich, dass der Besuch einer öffentlichen Person – Jesus war durch seine öffentliches Wirken inzwischen zu einer solchen geworden – eine öffentliche Veranstaltung war, zu der man sich dazugesellen konnte. Man konnte zwar nicht mit an den Tisch und weder mitessen noch mitsprechen, aber am Rand des Raumes sitzen und zuhören. So kam die stadtbekannte Sünderin ins Haus des frommen Pharisäers. Der Einzige, der sie aus dem Haus hätte schicken können war Jesus, die öffentliche Person. Genau das erwartete Simon von seinem Gast. Aber es kam ganz anders. Statt die Sünderin von sich zu weisen, liess Jesus es zu, dass die Frau ihm sehr nahe kam, ihn gar berührte und die Füsse küsste.

Aus dieser Szene schloss Simon, dass Jesus auf keinen Fall sein konnte, wofür ihn so viele Menschen hielten, nämlich ein grossen Prophet. Wenn er ein solcher gewesen wäre, hätte er die Frau durchschaut und sie wegen ihrer Sünden weggeschickt. Simon erwartete von Jesus, dass er genau wie er selbst der Heiligkeit nachstrebte. Jesus sollte ein gottgefälliges Leben führen, ohne von den niedrigen Sündern dabei gestört und verführt zu werden. Simon hat schon Vieles von Jesus gehört. Er hat wohl erfahren, dass er besonders vollmächtig predigte und grosse Wunder tat. Ihm wurde wohl auch davon berichtet, dass Jesus Menschen zusagte, dass ihnen ihre Sünden vergeben werden. Das ist das Evangelium, das Jesus das ganze Volk Israel wissen liess. Aber Simon wollte nichts davon hören. Er hatte seinen eigenen Weg und Zugang zu Gott. Er bemühte sich, selbst gerecht zu werden. Dabei verpasste er die Gerechtigkeit, die Christus ihm schenken wollte. Der Pharisäer blieb mit seiner Selbstgerechtigkeit allein. So hörte er zwar vom Evangelium, aber es hatte keinen Nutzen für ihn.

Die Begegnung des Pharisäers mit Jesus lehrt uns, dass es sehr wichtig ist, selbst zu erkennen, womit wir Gott gefallen wollen. Ganz automatisch wenden wir diesen Massstab auf jeden an, der ebenfalls von Gott spricht. In unserer Kirche legen wir Wert auf biblische Theologie. Wir haben unser Bekenntnis, das uns sehr wichtig ist. Wir sollten auf der Hut sein, andere Menschen und Gottes Wort bloss durch die Brille jener Lehrpunkte zu betrachten. Wir sollten uns davor vorsehen, nicht wie der Pharisäer Jesus nur als Gast einzuladen, von dem wir hoffen, dass er sich öffentlich auf unsere Seite stellen wird. Wenn wir nicht bereit sind, auf Christus zu hören, werden wir womöglich das Evangelium verpassen. Selbstgerechte Menschen erhalten Recht. Sie erhalten Recht darin, dass Gott den Sünder bestrafen wird. Leider fehlt den selbstgerechten Menschen allerdings die Einsicht, dass ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott nichts ist. Wenn sie sich mit dem Heiligen messen wollen, dann müssten sie durch und durch gerecht sein, ohne je einen bösen Gedanken bewegt zu haben, ohne jemals an Gottes Existenz gezweifelt zu haben, ihn immer geliebt zu haben und in jedem Augenblick zum Wohl der anderen Menschen gelebt zu haben. Eine solche Gerechtigkeit kann kein Mensch vorweisen. Darum erhalten selbstgerechte Menschen am Ende Recht. Gott wird die Sünder von sich weisen.

 

Die reumütige Sünderin

Ganz anders ergeht es der stadtbekannten Sünderin. Im Gegensatz zum Pharisäer findet sie Frieden. Frieden für ihre von der Sünde geplagten Seele. Jesus sagt ihr zu, dass alle ihre Sünden vergeben sind. Ihr wurde geschenkt, worum der Pharisäer sich selbst bemühen wollte und es doch nie erreichen konnte. Es scheint so, dass die Sünderin sich dieses Geschenk mit ihrer Zuneigung und Liebe „verdient“ hätte. Wenn wir allerdings genau hinhören, was Jesus sagte, werden wir verstehen, was im Haus des Pharisäers vor sich ging. Das Gleichnis, das Christus erzählte, berichtet von zwei Schuldnern. Beide konnten ihre Schuld niemals zurückzahlen. Der Gläubiger sah das und erliess ihnen die Schuld. Darauf stellt nun Jesus dem Pharisäer die Frage, wer der Beiden den früheren Gläubiger wohl mehr liebte. Weil die Schuld des einen Mannes zehnmal grösser war, war es für Simon ganz selbstverständlich, dass jener mehr lieben würde, sich mehr darüber freuen würde, dass ihm die ganze Schuld erlassen wurde. Jesus erklärte mit diesem Gleichnis nicht, warum die Schuld vergeben wurde, sondern zeigte, dass ein Mensch, dem die Schuld vergeben wird, jenen liebt, der ihm so grosszügig entgegengekommen ist. Simon sollte wissen, dass diese Frau ihre Sünden bereut und darum weint. Sie weint gleichzeitig aus Freude, weil sie den gefunden hat, der ihre Sünden vergeben kann. Aus Liebe zu Jesus benetzt sie seine Füsse mit ihren Tränen und trocknet ihm die Füsse. Aus Liebe zu ihm küsste sie ihm die Füsse und salbte sie mit einer wohlriechenden Salbe. Das Beste war ihr gerade gut genug. Der Duft erfüllte den ganzen Raum. Jeder soll wissen, wie kostbar und liebenswert dieser Jesus ist.

Was aus Liebe getan wird, kann oft nicht nachvollzogen werden. Das gilt auch hier. Jesus erklärt, dass diese Frau sich so erniedrigt und ihn so reich beschenkt, weil ihre Liebe zu ihm so gross ist. Die Liebe hat ihren Grund wiederum darin, dass er ihr alle ihre Sünden vergeben habe. Somit hat die Frau die Vergebung nicht durch ihre Liebe verdient, sondern die Liebe war eine natürliche Folge der Vergebung. Die Sünderin war dem wahrhaftig Evangelium begegnet. Sie hat die gute Nachricht gehört: Mensch, dir sind alle deine Sünden vollkommen vergeben. Das ist das Evangelium, das auch noch heute in der ganzen Welt verkündigt wird. Noch heute freuen sich Menschen über diese Botschaft, die erkannt haben, dass ihre Schuld ihrem Schöpfer gegenüber so gross ist, dass sie sie niemals mehr begleichen können. Ich kann vielleicht besser sein als andere Menschen und mich wirklich bemühen, nichts Schlechtes zu tun. Vor dem heiligen Gott, kann ich nie im Leben bestehen. Bereits meine kleinste Sünde, ein böser Gedanke, ein neidischer Blick, ein selbstsüchtiger Wunsch, oder ein kurzer Zweifel daran, ob Gott wirklich gut ist, stellt mich unter das volle Gericht des gerechten Gottes. Weil all jene Dinge gegen den ewigen Gott getan sind, verdiene ich eine ewige Strafe, die mich für immer von meinem Schöpfer trennt.

Wie grossartig ist es zu hören, dass alle meine Sünden vergeben sind! Der heilige Gott leitet mich durch seinen Geist und gibt mir die Kraft dazu, dass ich Mut finde, meine Sünden zu bekennen. Es ist nicht leicht, Sünden loszulassen. Sie machen unser Leben aus und wir meinen, ohne sie nicht leben zu können. Es braucht Mut, zu bekennen, dass das, woran ich mich freute, falsch ist und Gott beleidigt. Kein Mensch kann das tun, ohne zu wissen, dass eine viel grössere Freude auf ihn wartet: die vollkommene Vergebung der Sünden. Durch Gottes Geist kann ich erkenne ich, dass ich mich an meinem Erlöser, Jesus Christus, der die Strafe für meine Sünden auf sich nahm, freuen kann. Durch den Glauben, den er mir gibt, erkenne ich, dass Christus für mich handelte. Ich kann damit aufhören, mich über ihn zu ärgern, weil er so gerecht ist und kann mich daran freuen, dass er diese Gerechtigkeit mir zu gut gelebt hat. Er fordert sie nicht einfach von mir, sondern erfüllte sie für mich. Weil er das für mich getan hat, mich so reich beschenkt, will ich ihm alles geben, was ich kann. Von nun an sollen alle Menschen es wissen, wie grossartig mein Erlöser ist. Von nun an will ich ihn lieben, weil ich erkannt habe, dass seine Liebe so viel grösser ist als alles, was ich je tun könnte.

Wenn du dich an den Gedanken gewöhnt hast, dass Christus für dich gestorben ist und die Strafe für deine Schuld am Kreuz getragen hat, wenn deine Liebe zu Christus kalt geworden ist und du nicht mehr so begeistert glauben kannst, wie es einst der Fall war, kann dir nur eine Therapie helfen, damit dein Glaube wieder frisch und stark wird. Bedenke, wie heilig, gerecht und gut Christus ist. Er ist der ewige Sohn des Vaters, der von Ewigkeit her in vollkommener Gemeinschaft mit dem Vater lebte. Diese Gemeinschaft wurde nicht unterbrochen, als er hier auf der Erde lebte. Christus sagt es selbst, dass er davon lebt, alles zu tun, was sein Vater ihm sagt. Jede Augenblick auf dieser Erde hat er getan, was sein Vater von ihm wollte. So war er jeden Augenblick vollkommen gerecht – jeden Augenblick mit seinem Vater verbunden. Aus dieser Gemeinschaft konnte er alles Böse, das durch die Sünde auf diese Erde gekommen ist, überwinden. Darum konnte er Kranke heilen und sogar Menschen aus dem Tod zurück ins Leben rufen. So gerecht war ich nie, so nahe am Willen des himmlischen Vaters habe ich noch nie gelebt. Das Beste, was ich auf dieser Erde tun könnte, muss vor der Gerechtigkeit des ewigen Sohnes, verblassen. Dabei steht es mit mir nicht so, dass ich einfach nicht so gut sein kann wie Christus. Ganz im Gegenteil kann ich Versuchungen nicht widerstehen. Ganz im Gegenteil lasse ich mich zum Bösen hinreissen. Ganz im Gegenteil, kann ich den Willen meines himmlischen Vaters nicht tun. Ja länger ich über diese beiden Dinge nachdenke – die Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi und meine eigene Sündhaftigkeit –, desto grösser wird das Geschenk der Vergebung. Je grösser das Geschenk der Vergebung ist, desto liebenswerter erscheint mir Christus und desto wertvoller wird die Botschaft des Evangeliums. Menschen, die durch Gottes Gnade den Mut zur Reue finden, werden ganz bestimmt ihren Erlöser lieben und von ihm jeden Tag neu begeistert sein.

Der Evangelist zeigt durch diesen Gegensatz, wer wirklich zu Gott gehört. Es sind nicht die Menschen, die Gott selbst zufrieden stellen wollen, mit all dem Guten und Gerechten, das sie selbst tun, sondern jene, die sich von Gott in den Frieden stellen lassen, durch das Gute und Gerechte, das er durch seinen Sohn für sie getan hat. Dieses Evangelium widerspricht unserer natürlichen Neigung und menschlichen Wünschen. Üblicherweise reden wir nicht so gerne über unsere Fehler und Schwächen. Wenn doch etwas davon sichtbar werden sollte, lenken wir gerne die Aufmerksamkeit auf andere, die es noch viel übler treiben als wir. Oder wir betonen unsere guten Seiten, unsere Stärken und reden von dem, was uns auszeichnet. Die Geschichte des Pharisäers und der Sünderin lehrt uns, dass es sehr gefährlich ist, zu klein von seinen eigenen Sünden zu denken und zu reden. Wenn wir unsere Sünden klein machen und vor den Menschen und Gott verbergen wollen, dann wird das Geschenk der Vergebung immer kleiner und unbedeutender. Am Ende bilden wir uns ein, dass wir jenes Geschenk verdient hätten. Das ist aber nicht der Glaube, von dem Lukas in seinem Evangelium berichtet und auch nicht der Glaube, durch den Gott Menschen retten wird. Das Geschenk der Vergebung kann sich kein Mensch verdienen. Wer es versucht, wird Gottes Gnade verlieren und an ihr vorbeigehen wie der Pharisäer. Widersteh der Versuchung, Gott und den Menschen gefallen zu können und komm als Sünder zu Christus. An den Füssen des heiligen Erlösers findest du, was du selbst niemals erreichen kannst: vollkommene Gerechtigkeit, weil alle deine Sünden vergeben sind.

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Bibelstelle

  • Luke 7:36 - 50

Thema

    


2 Responses to Eine Sünderin begegnet dem Evangelium

  1. Wolfgang Mayer says:

    Ich wollte Dir nur mal sagen, dass ich deine Kurzbotschaften auf youtube und auch deine Predigten mir sehr viel geben – vielen Dank für die Einstellung deiner Predigten (auch im Internet) … echt gut !
    Natürlich in dem Wissen dass wir alles von unserem Herrn Jesus empfangen

    Gruß aus Deutschland – Wolfgang Mayer – Siegen

    PS: Kennst du vielleicht Michel Großenbacher?

    • Thomas Reiner says:

      Hallo Wolfgang

      Danke für deine Antwort. Es ist gut zu hören, dass jemand die Beiträge liest und davon ermutigt wird.

      Grüsse zurück, aus der Schweiz.

      PS: Den Namen Michel Grossenbacher kann ich im Moment nicht einordnen.

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