Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Sehnsucht nach Freundschaft – Teil 4

Erster Vortrag der KredoKonfernz 2010, vom 18. September 2010, zum ersten Kapitel des Hohenliedes. Teil 4 von 4.

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Die begehrenswerte Freude

Hohelied 1,12-17

Die Freude über den Geliebten

Sulamith freut sich über ihren neuen Freund. Es ist das erste Mal, dass sie ihn so zu nennen wagt. Ihre Achtung vor dem König ist so gross, dass sie erst so von ihm spricht, als er sie seiner eigenen Liebe zu ihr versicherte. Staunend, das ist der Ton, in dem der zwölfte Vers gesungen wird, erzählt sie davon, dass sie offensichtlich dem König gefiel. Er hat sie bemerkt und ihren bescheidenen Geruch wahrgenommen. Im hebräischen Text heisst es, dass der König die Salbe Sulamiths roch, während er an der Tafel sass. Offensichtlich hatten die beiden eine richtige Verabredung im königlichen Palast. Das einfache Mädchen vom Lande durfte beim König in seinem Palast essen. Erstaunlich!

Aber Sulamith erzählt nicht lange von ihrer Begegnung mit dem König und von dem was dort passierte. Sie ist fasziniert von ihrem königlichen Liebhaber. Er selbst ist ihr das Wertvollste. Ihre Hochachtung dem König gegenüber ist gewachsen. Er hat sie angenommen, aber bleibt der herrliche König und sie die einfache Frau. Das erkennen wir daran, wie sie von ihm redet. Während sie einfache Narde – eine wohlduftende Salbe – trägt, ist ihr Freund ihr wie ein Büschel Myrrhe, der viel intensiver duftet. Was immer sie dem König bieten könnte, er übertrifft mit seiner Person ihre Gabe und ihre Schönheit bei weitem. Diesen Büschel darf sie an ihrer Brust tragen, er gehört ihr und ist nah bei ihrem Herzen. Dort gehört ihr Freund hin. Ausserdem vergleicht sie ihren Freund mit einer Traube von Zypernblumen. Diese Pflanze stammt ursprünglich aus tropischen Regionen Afrikas und wurde zur Zeit Salomos wegen ihrer schönen Farbe in Gärten kultiviert und für eine Art Make-up verwendet. Bekannt waren die Gärten Salomos bei En-Gedi. Dort gab es jene wertvollen und wunderschönen Pflanzen. Wie eine dieser Pflanzen, die selbst schön ist und für Schönheit sorgt, so ist ihr Freund. Mehr kann sich keine Frau erhoffen. Der königliche Freund lässt ihre kühnsten Träume Wirklichkeit werden.

Sehnsucht nach Freundschaft – Teil 3

Erster Vortrag der KredoKonfernz 2010, vom 18. September 2010, zum ersten Kapitel des Hohenliedes. Teil 3 von 4.

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Die begehrenswerte Gemeinschaft

Hohelied 1,5-11

Einwände gegen die Gemeinschaft

Mit den Frauen schwärmt auch Sulamith vom herrlichen König. Auch sie kann sich nichts besseres wünschen, als von Salomo geliebt zu werden. Allerdings gibt es gegen diesen Wunsch einige Einwände, die nun der Reihe nach eingebracht werden.

Der innere Einwand
Der erste Einwand kommt von Sulamith selbst. Sie sieht sich an und schätzt sich ein. Sie ist von ihrer Arbeit im Weinberg braun gebrannt. Im hebräischen Text heisst sie sich sogar schwarz. Ganz im Gegenteil zu den Töchtern Jerusalems ist sie nicht weiss, was ein Zeichen von Reinheit und edler Herkunft ist. Sie vergleicht sich darum selbst mit den Zelten Kedars. Das waren die Behausungen eines wilden Volkes, die aus dunklem Ziegenfell gemacht wurden.

Sie spricht demütig von sich selbst, allerdings ohne sich zu verwerfen. Ihre Bräune hat sie sich bei der Arbeit zugezogen. Darum bittet Sulamith inständig, dass sie nicht nach ihrem Äusseren beurteilt werden soll. Eigentlich, so sagt sie, sei sie lieblich – was nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihre Art betrifft. Ihr Aussehen wird sich bestimmt rasch ändern, wenn sie nur vom König aufgenommen wird. Seine Salben werden dafür sorgen, dass sie bald wie eine richtige Königin aussehen wird.

Es sind innere Selbstzweifel, die Sulamith abhalten wollen, Salomo wirklich zu begegnen. Diese Zweifel haben durchaus ihren Grund – sie ist tatsächlich kein Mädchen aus vornehmen Hause. Genauso berechtigt sind die Selbstzweifel, wenn wir uns wünschen Christus zu begegnen. Eigentlich passen wir so gar nicht zu ihm. Der Heilige und Gerechte wird doch keine Gemeinschaft mit Sündern wünschen. Wer sich selbst im Spiegel seines eigenen Gewissens anschaut, wird entdecken, dass die Haut seiner Seele nicht rein ist, sondern von der Sünde braungebrannt wurde.

Sehnsucht nach Freundschaft – Teil 2

Erster Vortrag der KredoKonfernz 2010, vom 18. September 2010, zum ersten Kapitel des Hohenliedes. Teil 2 von 4.

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Vorgehensweise bei der Auslegung

Das Hohelied ist ein Lied, in dem mehrere Leute zu Wort kommen. Einmal singt eine Frau, die die meisten Ausleger Sulamith nennen, weil sie im siebten Kapitel so genannt wird; ein anderes Mal hören wir von einem König, der mit Salomo in Verbindung gebracht wird; schliesslich kommen Töchter Jerusalems zu Wort – vermutlich junge Mädchen aus vornehmen Hause. Diese drei Personen und Personengruppen wechseln sich ab. Man muss den Text gut beobachten, um erkennen zu können, wer wann spricht und wer was zu wem sagt. In einem ersten Teil hören wir die Frauen vom begehrenswerten König schwärmen. Das tut auch Sulamith. Aber für sie gibt es einige Hindernisse, die einer Begegnung und vor allem einer Freund- und Liebschaft mit dem König im Wege stehen. Davon ist in einem zweiten Abschnitt die Rede. Der König selbst muss die Bedenken ausmerzen. Im letzten Abschnitt wird schliesslich von der Freude der beiden Liebenden gesungen.

Der begehrenswerte König

Hohelied 1,2-4

Die Frauen schwärmen vom herrlichen König. Er ist der begehrteste Mann im ganzen Land. Wenn es schon damals, wie heute in den Medien, eine Liste mit den begehrtesten Männern gegeben hätte, so hätte er diese bestimmt mit Abstand angeführt. Das Bild, das die Frauen hier malen ist grossartig. Von ihm geliebt zu werden, ist besser als jeder andere Genuss. Zweimal wird erwähnt, dass seine Liebe besser ist als Wein, der zur Zeit Salomos ein Zeichen von wahrer Lebensfreude war. Wer den Wein geniessen kann, hat lange und hart gearbeitet und kann nun ausruhen und sich einfach freuen – es sich gut gehen lassen. Das alles ist aber nichts gegen die Liebe dieses Mannes. Salomo roch wunderbar. Die Liebe geht, und das ist ein offenes Geheimnis, nicht bloss durch den Magen, sondern auch durch die Nase. Wer frisch verliebt ist, sich noch nicht an den Geruch des Partners gewöhnt hat, der freut sich auch noch nach Stunden, nachdem der Partner längst gegangen ist, seinen Duft an den eignen Kleidern zu tragen. Jene Freude empfinden diese Frauen schon, wenn bloss der Name des herrlichen Königs genannt wird. Er ist ein Wohlgeruch, wie ausgeschüttete Salbe oder Parfüm. Erst wenn es freigesetzt wird, entfaltet es seinen herrlichen Duft. Dieser Mann, der König, das weiss jede Frau, ist der begehrenswerteste Mann der ganzen Welt.

Sehnsucht nach Freundschaft – Teil 1

Erster Vortrag der KredoKonfernz 2010, vom 18. September 2010, zum ersten Kapitel des Hohenliedes. Teil 1 von 4.

Vorbemerkungen

Hohelied 1,1

Wir haben das Hohelied Salomos vor uns. Es ist das Lied der Lieder, das schönste, das edelste Lied, das Salomo jemals schrieb. So wie in der Bibel vom König der Könige geredet wird, um damit zu sagen, dass Gott über allen Göttern und allen Mächten der Erde steht, so ist auch dieses Lied – es steht über allen anderen Lieder. Darum ist das Hohelied nicht leicht zu verstehen. Es gleicht einem hohen Berg – dem höchsten Berg. Wer ihn besteigen will, muss sich gut vorbereiten und die Aufstiegsroute gut kennen, um in der Bergwand nicht den Überblick zu verlieren. Wenn das passiert, ist der Bergsteiger verloren. Genauso kann das Hohelied nicht verstanden werden, wenn wir den Zusammenhang nicht beachten. Darum ist es also nötig, bevor ich das erste Kapitel dieses wunderbaren Liedes auslege, einige grundsätzliche Bemerkungen zu machen, die uns die Richtung weisen werden.

Das Wunder der Liebe

Trotz hoher Scheidungsraten, trotz unzähliger Berichte von Menschen, die einander untreu wurden, trotz Beziehungsdramen, die schlimmstenfalls in Mord und Todschlag enden, sind Menschen immer noch auf der Suche nach der grossen Liebe, die ihr Leben erfüllen soll. Eigentlich erstaunlich!

Jede Woche wagen es Leute, sich trauen zu lassen, und beginnen ein gemeinsames Leben. Die Aussichten für das Unternehmen Ehe, so sagen es Statistiken und unzählige Medienberichte, sind äusserst schlecht. In unserem Land lassen sich achtundvierzig von hundert Ehepaaren innerhalb von fünfzehn Jahren scheiden. Prominente Ehepaare gehen im Streit auseinander. Zum Abschluss ihrer Ehe beschimpfen und beschuldigen sie einander öffentlich in den Medien. Schliesslich bleibt nur noch der Streit, welcher Elternteil in Zukunft für die gemeinsamen Kinder das Sorgerecht erhalten wird. Auch die Kinder müssen sich die Schlammschlacht der Eltern mitansehen. Was einmal so traumhaft begann, endet in einer Tragödie.

Trotz alledem, lässt sich kaum jemand vom Wunsch abhalten, mit einem anderen Menschen glücklich zu werden. Der Wunsch nach einem Leben voller Liebe, Verständnis und Wertschätzung sitzt offenbar tief in uns. Darum erzählen die Lieder, die auf der ganzen Welt gesungen und gehört werden, von der Liebe, ohne die wir nicht leben wollen; ja, nicht leben können. Die bestverkauften und meistgehörten Geschichten sind Liebesgeschichten. Immer noch werden neue Bücher zu diesem Thema geschrieben, Filme gedreht und Fernsehserien täglich in die Stuben gesendet. Sie alle erzählen von der Sehnsucht und der Suche nach Liebe und oft von der Erfüllung dieses Traumes. Warum begleitet uns dieser Wunsch unser Leben lang, wenn wir doch sehen, dass er bei anderen Menschen unerfüllt bleibt oder Enttäuschung und Schmerzen hinterlässt? Warum können wir ihn nicht einfach beiseite lassen und ein nüchternes Leben führen im Wissen, dass zwei Menschen einfach nicht für immer miteinander leben können?

Ein offenes Wort an Pastor Cédéric J. Stoller

Lieber Pastor Stoller

Aus den Medien habe ich heute Morgen von Ihren Überzeugungen und Adullam nations erfahren. Näher kenne ich weder Sie, noch bin ich je in Kontakt mit Ihrer Gruppierung gekommen. Im Wissen, dass Medien gerade im Sommer gerne etwas hochspielen, um ihre Leser, Hörer und Zuschauer bei der Stange zu halten, machte ich mich selbst auf die Suche und konnte noch zwei Dokumente einer inzwischen gelöschten Webseite finden. Weil Ihre Dokumente ein öffentlicher Aufruf zum Widerstand sind, schreibe ich Ihnen öffentlich.

In einem Ihrer Artikel haben Sie geschrieben, «dass der christliche Glaube nur dann siegreich in die Zukunft getragen werden kann, wenn jeder einzelne Christ seinen Glauben mit aktiven Kampf und Einsatz verbindet.» Ehrlich gesagt, hat mir bereits dieser Satz, der in der Einleitung ihres Schreibens steht, die Luft geraubt. Der Gott der Bibel ist ein allmächtiger Gott, der über aller irdischen Macht steht. Ihre Worte aber zeugen von einem Gott, der auf die Kraft der Menschen angewiesen ist. Ohne Ihren Einsatz, so sind Sie ja überzeugt, wird es in Kürze keinen christlichen Glauben mehr geben. Damit vertrauen Sie aber nicht einem allmächtigen Gott, sondern Ihrer eigenen Kraft.

Dem Islam begegnen

In letzter Zeit hört man viel davon, dass unsere westliche Gesellschaft etwas gegen das Aufkommen des Islams unternehmen muss. Verbote werden diskutiert und gesellschaftliche und erzieherische Massnahmen ins Auge gefasst. Staatlich verordnete Integration, sprich obligatorischer allgemeiner Schwimmunterricht und interreligiöse Fächer in den Schulen, sind die üblichen Strategien, die ein friedliches zusammenleben der Religionen sichern sollen. Wer sich bei all diesem politischen Aktionismus mit der Meinung zurücklehnt, dass nun genug getan ist, täuscht sich. Den Islam mit politischen Massnahmen zu «einzudämmen» wird nicht funktionieren. Genauso gut könnten wir bei einem Hochwasser, das unsere Keller zu überschwemmen droht, die Heizung aufdrehen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wer um das Hochwasser weiss, muss das Wasser sein Haus abdichten. Wenn es kalt wird, macht es hingegen Sinn die Heizung aufzudrehen. Religion kann nicht mit politischen Massnahmen geregelt werden, weil sie in unserem Land ausserhalb des staatlichen Einflusses steht. Alle Forderungen und Massnahmen, von denen man heute spricht, drehen bloss die Heizung auf.

Predigtvorbereitung für Hörer

Grosser Westminster Katechismus, Frage 160: Was wird von denen gefordert, welche die Predigt des Wortes hören? Von denen, die die Predigt des Wortes hören, wird verlangt, dass sie mit Fleiss, Vorbereitung und Gebet darauf acht geben, das Gehörte nach der Heiligen Schrift zu prüfen, die Wahrheit mit Glauben, Liebe, sanftmütig und ganz willig als das Wort Gottes aufnehmen, darüber nachdenken und sich…