Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 8.1: Die Ämter Christi
Artikel 8.2: Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch
Artikel 8.3: Christi Befähigung zum Mittler
Artikel 8.4: Christi Leiden und Verherrlichung
Artikel 8.5: Christi Opfer
Artikel 8.6: Christi Werk gilt auch für die Gläubigen des Alten Bundes
Artikel 8.7: Christi Mittleramt nach beiden Naturen
Artikel 8.8: Christus und die Gläubigen

Artikel 8.1: Die Ämter Christi

Es hat Gott in seinem ewigen Vorsatz gefallen, den Herrn Jesus, seinen eingeborenen Sohn, zum Mittler zwischen Gott und Menschen (Jes 42,1; 1.Petr 1,19-20; Joh 3,16; 1.Tim 2,5), zum Propheten (Apg 3,22), Priester (Hebr 5,5-6) und König (Ps 2,6; Lk 1,33), zum Haupt und Heiland seiner Kirche (Eph 5,23), zum Erben aller Dinge (Hebr 1,2) und zum Richter der Welt (Apg 17,31) zu erwählen und einzusetzen. Er hat ihm von aller Ewigkeit her ein Volk gegeben, um seine Nachkommenschaft zu sein (Joh 17,6; Ps 22,31; Jes 52,10) und um von ihm zu seiner Zeit erlöst, berufen, gerechtfertigt, geheiligt und verherrlicht zu werden (1.Tim 2,6; Jes 55,4-5; 1.Kor 1,30).

Artikel 8.2: Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch

Der Sohn Gottes, die zweite Person in der Dreieinigkeit, der wahrer und ewiger Gott ist, eines Wesen mit dem Vater und ihm gleich, hat, als die Fülle der Zeit gekommen war, die menschliche Natur (Joh 1,1; 1,14; 1.Joh 5,20; Phil 2,6; Gal 4,4) mit allen ihren wesentlichen Eigenschaften und allgemeinen Schwachheiten auf sich genommen, jedoch ohne Sünde (Hebr 2,14; 2,16-17; 4,15). Er wurde durch die Kraft des Heiligen Geistes im Leib der Jungfrau Maria und aus ihrem Wesen (Lk 1,27; 1,31; 1,35; Gal 4,4) empfangen, so dass zwei ganz vollkommene und unterschiedene Naturen, die Gottheit und die Menschheit, in der Einheit einer Person unzertrennlich miteinander verbunden wurden, ohne Verwandlung, Zusammensetzung oder Vermischung (Lk 1,35; Kol 2,9; Röm 9,5; 1.Petr 3,18; 1.Tim 3,16). Diese Person ist wahrer Gott und wahrer Mensch, jedoch ein einziger Christus, der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (Röm 1,3-4; 1.Tim 2,5).

Artikel 8.3: Christi Befähigung zum Mittler

Der Herr Jesus ist in seiner menschlichen Natur, die auf diese Weise mit der göttlichen Natur vereinigt ist, geheiligt und über alle Massen mit dem Heiligen Geist gesalbt worden (Ps 45,7; Joh 3,34) und hat alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis in sich (Kol 2,3). Es gefiel Gott, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen (Kol 1,19), mit dem Ziel, dass er, heilig, unschuldig, unbefleckt und voller Gnade und Wahrheit (Hebr 7,26; Joh 1,14), wie er war, gründlich befähigt war, das Amt eines Mittlers und Bürgen auszuüben (Apg 10,38; Hebr 12,24; 7,22). Dieses Amt übernahm er nicht von sich aus, sondern er wurde dazu vielmehr von seinem Vater berufen (Hebr 5,4-5), der alle Macht und alles Gericht in seine Hand gelegt hat und ihm den Befehl gab, dies [Amt] auszuüben (Joh 5,22; 5,27; Mt 28,18).

Artikel 8.4: Christi Leiden und Verherrlichung

Dieses Amt [des Mittlers und Bürgen] hat der Herr Jesus völlig freiwillig auf sich genommen (vgl. Ps 40,8-9 mit Hebr 10,5-10; Joh 10,18; Phil 2,8), und damit er es ausüben konnte, wurde er unter das Gesetz getan (Gal 4,4) und erfüllte dieses vollkommen (Mt 3,15; 5,17), erduldete unmittelbar die allerbittersten Qualen in seiner Seele (Mt 26,37-38; Lk 22,44; Mt 27,46) und die allerschmerzhaftesten Leiden an seinem Körper (Mt 26-27), wurde gekreuzigt und ist gestorben (Phil 2,8) und begraben, und blieb unter der Gewalt des Todes, obwohl er die Verwesung nicht gesehen hat (Apg 2,23-24. 27; 13,37; Röm 6,9). Am dritten Tag ist er wieder von den Toten auferstanden (1.Kor 15,3-5), mit demselben Körper, in dem er gelitten hatte (Joh 20,25; 20,27), mit dem er auch zum Himmel gefahren ist und dort zur rechten Hand seines Vaters sitzt (Mk 16,19) und uns vertritt (Röm 8,34; Hebr 9,24; 7,25). Und er wird am Ende der Welt wiederkommen, um Menschen und Engel zu richten (Röm 14,9-10).

Artikel 8.5: Christi Opfer

Der Herr Jesus hat durch seinen vollkommenen Gehorsam und durch das Opfer seiner selbst, das er durch den ewigen Geist ein für alle Mal Gott dargebracht hat, der Gerechtigkeit seines Vaters volle Genugtuung geleistet (Röm 5,19; Hebr 9,14; 9,16; 10,14; Eph 5,2; Röm 3,25-26) und hat für alle, die ihm der Vater gegeben hat, nicht allein die Versöhnung, sondern auch ein ewiges Erbe im Himmelreich erworben (Dan 9,24-26; Kol 1,19-20; Eph 1,11; 1,14; Joh 17,2; Hebr 9,12; 9,15).

Artikel 8.6: Christi Werk gilt auch für die Gläubigen des Alten Bundes

Obwohl das Werk der Erlösung von Christus erst nach seiner Menschwerdung wirklich vollbracht worden ist, so ist doch dessen Kraft, Wirksamkeit und Wohltat den Erwählten zu allen Zeiten von Anfang der Welt an mitgeteilt worden, und zwar in und durch jene Verheissungen, Vorbilder und Opfer, durch die Christus geoffenbart und ausgezeichnet wurde als der Nachkomme der Frau, der der Schlange den Kopf zertreten sollte, und als das Lamm, das von Grundlegung der Welt an geschlachtet ist, als der, der gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist (Gal 4,4-5; 1.Mose 3,15; Offb 13,8; Hebr 13,8).

Artikel 8.7: Christi Mittleramt nach beiden Naturen

Christus wirkt in seinem Mittleramt nach beiden Naturen, indem er durch jede Natur das tut, was ihr selbst entspricht (Hebr 9,14; 1.Petr 3,18). Aber aufgrund der Einheit der Person wird das, was einer Natur entspricht, in der Schrift manchmal der Person zugeschrieben, die nach der anderen Natur benannt wird (Apg 20,28; Joh 3,13; 1.Joh 3,16).

Artikel 8.8: Christus und die Gläubigen

Allen denen, für die Christus die Erlösung vollbracht hat, eignet er die Erlösung gewiss und wirksam zu und teilt sie ihnen mit (Joh 6,37-39; Joh 10,15-16), indem er für sie eintritt (1.Joh 2,1-2; Röm 8,34) und ihnen in und durch das Wort die Geheimnisse der Erlösung offenbart (Joh 15,13-15; Eph 1,7-9; Joh 17,6), sie durch seinen Geist so wirksam überzeugt, dass sie glauben und gehorchen, durch sein Wort und seinen Geist ihre Herzen regiert (Joh 14,16; Hebr 12,2; 2.Kor 4,13; Röm 8,9; 8,14; 15,18-19; Joh 17,17) und alle ihre Feinde durch seine allmächtige Macht und Weisheit in solcher Art und Weise überwindet, wie es mit seinem wunderbaren und unerforschlichen Walten am besten im Einklang steht (Ps 110,1; 1.Kor 15,25-26; Mal 3,20-21; Kol 2,15).