Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 5.1: Gott erhält und lenkt alles Geschaffene
Artikel 5.2: Erstursache und Zeitursache
Artikel 5.3: Vorsehung und die normalen Mittel
Artikel 5.4: Vorsehung und Sünde
Artikel 5.5: Vorsehung und Züchtigung
Artikel 5.6: Vorsehung und die Gottlosen
Artikel 5.7: Vorsehung und die Gemeinde

Artikel 5.1: Gott erhält und lenkt alles Geschaffene

Gott, der grosse Schöpfer aller Dinge, erhält (Hebr 1,3), lenkt, ordnet und regiert alle Geschöpfe, Handlungen und Dinge (Dan 4,31-32Ps 135,6Apg 17,25-28Hiob 38-41) vom Grössten bis zum Kleinsten (Mt 10,29-31) durch seine höchst weise und heilige Vorsehung (Spr 15,3Ps 104,24Ps 145,17), nach seinem unfehlbaren Vorherwissen (Apg 15,18Ps 94,8-11) und dem freien und unabänderlichen Ratschluss seines eigenen Willens (Eph 1,11Ps 33,10-11) zum Preis der Herrlichkeit seiner Weisheit, Macht, Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit (Jes 63,14Eph 3,10Röm 9,171.Mose 45,7Ps 145,7).

Artikel 5.2: Erstursache und Zweitursache

Obwohl in Bezug auf das Vorherwissen und den Ratschluss Gottes als der ersten Ursache alle Dinge unfehlbar und unabänderlich geschehen (Apg 2,23), so ordnet er sie doch durch dieselbe Vorsehung so, dass sie sich nach der Natur der zweiten Ursachen entweder notwendig oder frei oder zufällig ereignen (1.Mose 8,22Jer 31,35; vgl. 2.Mose 21,13 mit 5.Mose 19,51.Kön 22,281.Kön 22,34Jes 10,6-7).

Artikel 5.3: Vorsehung und die normalen Mittel

Gott macht in seiner Vorsehung normalerweise Gebrauch von Mitteln (mit Mitteln sind etwa die Naturgesetze gemeint Apg 27,3127,44Jes 55,10-11Hos 22,23-24), hat jedoch die Freiheit, nach seinem Wohlgefallen ohne (Hos 1,7Mt 4,4Hiob 34,10) sie oder über (Röm 4,19-21) sie hinweg oder gegen (1.Kön 6,6Dan 3,27) sie zu wirken.

Artikel 5.4: Vorsehung und Sünde

Die allmächtige Macht, unerforschliche Weisheit und unendliche Güte Gottes offenbaren sich selbst so weit in seiner Vorsehung, dass sie sich sogar auf den ersten Fall und alle anderen Sünden der Engel und Menschen erstreckt (Röm 11,32-34; vgl. 2.Sam 24,1 mit 1.Chr 21,11.Kön 22,22-231.Chr 10,410,13-142.Sam 16,10Apg 2,234,27-28), und zwar nicht durch blosse Zulassung (Apg 14,16), sondern durch eine solche Vorsehung, die mit einer höchst weisen und machtvollen Einschränkung (Ps 76,102.Kön 19,28) und anderweitigen Ordnung und Lenkung derselben verbunden ist, – in mancherlei Fügung, zu seinen eigenen heiligen Zwecken (1.Mose 50,20Jes 10,6-710,12) – so jedoch, dass das, was daran sündhaft ist, allein vom Geschöpf ausgeht und nicht von Gott, der, da er ganz heilig und gerecht ist, nicht der Urheber oder Anerkenner der Sünde ist noch sein kann (Jak 1,13-171.Joh 2,16Ps 50,21).

Artikel 5.5: Vorsehung und Züchtigung

Der höchst weise, gerechte und gnädige Gott überlässt oftmals seine eigenen Kinder eine Zeitlang mannigfachen Versuchungen und der Verdorbenheit ihres eigenen Herzens, um sie wegen ihrer früheren Sünden zu züchtigen oder um ihnen die verborgene Stärke der Verdorbenheit und Arglist ihres Herzens aufzudecken, damit sie gedemütigt werden (2.Chr 32,25-312.Sam 24,1), und um in ihnen eine engere und beständigere Abhängigkeit von ihm selbst zu ihrem Besten zu erwecken, und um sie noch wachsamer gegenüber allen zukünftigen Gelegenheiten zur Sünde zu machen, wie auch aus einer Reihe anderer gerechter und heiliger Gründe (2.Kor 12,7-9Ps 73Ps 77; vgl. Mk 14,66-72 mit Joh 21,15-17).

Artikel 5.6: Die Vorsehung und die Gottlosen

Was diejenigen bösen und gottlosen Menschen betrifft, die Gott als ein gerechter Richter um früherer Sünden willen verblendet und verhärtet (Röm 1,24-2811,7-8), so enthält er ihnen nicht nur seine Gnade vor, durch die sie in ihrem Verstand hätten erleuchtet und in ihrem Herzen bewegt werden können (5.Mose 29,3), sondern entzieht ihnen auch manchmal die Gaben, die sie hatten (Mt 13,1225,29), und setzt sie solchen Umständen aus, aus denen ihre Verdorbenheit einen Anlass zur Sünde macht (5.Mose 2,302.Kön 8,12-13). Darüber hinaus übergibt er sie an ihre eigenen Lüste, an die Versuchungen der Welt und an die Gewalt des Satans (Ps 81,12-132.Thess 2,10-12). Dadurch kommt es, dass sie sich selbst verhärten und zwar sogar durch solche Mittel, die Gott anwendet, um andere zu erweichen (vgl. 2.Mose 7,3 mit 2.Mose 8,15-282.Kor 2,15-16Jes 8,141.Petr 2,7-8; vgl. Jes 6,9-10 mit Apg 28,26-27).

Artikel 5.7: Die Vorsehung und die Gemeinde

Wie die Vorsehung Gottes sich im allgemeinen auf alle Geschöpfe erstreckt, so sorgt sie in einer ganz besonderen Art und Weise für seine Kirche und wendet alle Dinge zu deren Besten (1.Tim 4,10Am 9,8-9Röm 8,28Jes 43,3-543,14).