Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 3.1: Gottes Ratschluss
Artikel 3.2: Gottes Vorherwissen und sein Ratschluss
Artikel 3.3: Erwählung und Verwerfung
Artikel 3.4: Die Zahl der Erwählten steht fest
Artikel 3.5: Erwählung aus freier Liebe
Artikel 3.6: Folgen der Erwählung – Gottes Handeln am Erwählten
Artikel 3.7: Die Übergangenen
Artikel 3.8: Mit dieser Lehre muss man sorgfältig umgehen

Artikel 3.1: Gottes Ratschluss

Gott hat von aller Ewigkeit her nach dem höchst weisen und heiligen Ratschluss seines eigenen Willens frei und unabänderlich alles angeordnet, was auch immer sich ereignet (Eph 1,11Röm 11,33Hebr 6,17Röm 9,159,18), jedoch so, dass dadurch weder Gott der Urheber der Sünde ist (Jak 1,131,171.Joh 1,5), noch dem Willen der Geschöpfe Gewalt angetan wird, noch die Freiheit oder Zufälligkeit der zweiten Ursachen aufgehoben, sondern diese vielmehr in Kraft gesetzt werden (Apg 2,23Mt 17,12Apg 4,27-28Joh 19,11Spr 16,33).

Artikel 3.2: Gottes Vorherwissen und sein Ratschluss

Obwohl Gott alles weiss, was unter allen vorauszusetzenden Bedingungen geschehen kann und mag (Apg 15,17-181.Sam 23,11-12Mt 11,21-23), so hat er doch nichts deshalb beschlossen, [nur] weil er es als zukünftig oder als etwas, das sich unter solchen Bedingungen ereignen würde, vorausgesehen hat (Röm 9,11-18).

Artikel 3.3: Erwählung und Verwerfung

Durch den Ratschluss Gottes sind zur Offenbarung seiner Ehre einige Menschen und Engel (1.Tim 5,21Mt 25,41) zum ewigen Leben vorherbestimmt und andere zum ewigen Tod verordnet (Röm 9,22-23Eph 1,5-6Spr 16,4).

Artikel 3.4: Die Zahl der Erwählten steht fest

Diese so vorherbestimmten und vorausverordneten Engel und Menschen sind speziell und unabänderlich bezeichnet, und ihre Zahl ist so sicher und begrenzt, dass sie weder vermehrt noch vermindert werden kann (2.Tim 2,19Joh 13,18).

Artikel 3.5: Erwählung aus freier Liebe

Diejenigen, die aus der Menschheit zum Leben vorherbestimmt sind, hat Gott vor Grundlegung der Welt nach seinem ewigen und unabänderlichen Vorsatz und dem verborgenen Rat und guten Wohlgefallen seines Willens in Christus zur ewigen Herrlichkeit erwählt (Eph 1,41,91,11Röm 8,302.Tim 1,91.Thess 5,9), und zwar aus völlig freier Gnade und Liebe nicht aus irgendeiner Voraussicht des Glaubens oder guter Werke oder des Beharrens in einem von beiden und ohne dass ihn sonst irgend etwas in dem Geschöpf als Vorbedingungen oder Ursachen dazu bewogen hätten (Röm 9,11-16Eph 1), und das alles zum Preis seiner herrlichen Gnade (Eph 1,61,12).

Artikel 3.6: Folgen der Erwählung – Gottes Handeln am Erwählten

Wie Gott die Erwählten zur Herrlichkeit bestimmt hat, so hat er auch alle Mittel dazu durch den ewigen und völlig freien Vorsatz seines Willens vorherbestimmt (1.Petr 1,2Eph 1,4-52,102.Thess 2,13). Deswegen sind die, die erwählt sind, nachdem sie in Adam gefallen sind, durch Christus erlöst worden (1.Thess 5,9-10Tit 2,14). Sie werden zum Glauben an Christus wirksam berufen durch seinen Geist, der zur rechten Zeit wirkt. Sie werden gerechtfertigt, als Kinder angenommen, geheiligt (Röm 8,30Eph 1,52.Thess 2,13) und durch seine Macht durch den Glauben zum Heil bewahrt (1.Petr 1,5). Keine anderen werden von Christus erlöst, wirksam berufen, gerechtfertigt, als Kinder angenommen, geheiligt und gerettet, als allein die Erwählten (Joh 17,9Röm 8,28Joh 6,64-6510,268,471.Joh 2,19).

Artikel 3.7: Die Übergangenen

Es hat Gott gefallen, nach dem unerforschlichen Ratschluss seines eigenen Willens, aufgrund dessen er Barmherzigkeit erweist oder vorenthält, wie es ihm gefällt, zur Ehre seiner unumschränkten Macht über seine Geschöpfe, den Rest der Menschheit zu übergehen und sie zur Unehre und zum Zorn über ihre Sünde vorherzubestimmen, zum Preise seiner herrlichen Gerechtigkeit (Mt 11,25-26Röm 9,17-222.Tim 2,19-20Jud 41.Petr 2,8).

Artikel 3.8: Mit dieser Lehre muss man sorgfältig umgehen

Die Lehre von diesem hohen Geheimnis der Vorherbestimmung muss mit besonderer Weisheit und Sorgfalt behandelt werden (Röm 9,2011,335.Mose 29,28), damit die Menschen, die auf den in seinem Wort geoffenbarten Willen Gottes achten und ihm Gehorsam leisten, aufgrund der Gewissheit ihrer wirksamen Berufung (2.Petr 1,10) ihrer ewigen Erwählung versichert sind. So soll diese Lehre zum Preis, zur Ehrfurcht und zur Bewunderung Gottes (Eph 1,6Röm 11,33) und zur Demut, zum Fleiss und zum reichlichen Trost für alle, die ernsthaft dem Evangelium gehorchen, förderlich sein (Röm 11,5-611,202.Petr 1,10Röm 8,33Lk 10,20).