Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 29.1: Die Bedeutung des Abendmahls
Artikel 29.2: Das Abendmahl ist kein wirkliches Opfer
Artikel 29.3: Die Durchführung des Abendmahls
Artikel 29.4: Falsche Formen des Abendmahls
Artikel 29.5: Das Verhältnis der Elemente zu Christus
Artikel 29.6: Brot und Wein verwandeln sich nicht in Jesus
Artikel 29.7: Der geistliche Empfang des Abendmahls
Artikel 29.8: Der unberechtigte Empfang durch Gottlose und Unwürdige

Artikel 29.1: Die Bedeutung des Abendmahls

Unser Herr Jesus setzte in der Nacht, in der er verraten wurde, das Sakrament seines Leibes und Blutes ein, das das Abendmahl des Herrn genannt wird, damit es in seiner Kirche bis an das Ende der Welt gehalten würde, zur bleibenden Erinnerung (oder Verwaltung) an sein eigenes Opfers in seinem Tod, zur Besiegelung aller daraus entstammender Wohltaten für die wahrhaft Gläubigen, zu ihrer geistlichen Nahrung zu ihrem Wachstum in ihm, zu ihrem weiteren Einsatz für alle Pflichten, die sie ihm schuldig sind, und damit es ein Bund und Unterpfand ihrer Gemeinsamkeit mit ihm und untereinander als Glieder seines verborgenen Leibes sei (1.Kor 11,23-26; 10,16-17; 10,21).

Artikel 29.2: Das Abendmahl ist kein wirkliches Opfer

In diesem Sakrament wird Christus nicht seinem Vater geopfert, noch wird überhaupt irgendein wirkliches Opfer zur Vergebung der Sünden für Lebende oder Tote dargebracht (Hebr 9,22; 9,25-26; 9,28). Es ist vielmehr nur eine Erinnerung an das eine Opfer seiner selbst, das er durch sich selbst ein für alle Mal am Kreuz dargebracht hat, sowie eine geistliche Opfergabe in Form jedes nur möglichen Lobpreises an Gott für dasselbe (1.Kor 11,24-26; Mt 26,26-27). Deswegen ist das päpstliche Messopfer, wie sie es nennen, eine abscheuliche Beleidigung des einen und einzigen Opfers Christi, das die alleinige Versöhnung für alle Sünden der Erwählten ist (Hebr 7,23-24; 7,27; 10,11-12; 10,14; 10,18).

Artikel 29.3: Die Durchführung des Abendmahls

Der Herr Jesus hat in dieser Ordnung seine Diener angewiesen, dem Volk seine Einsetzungsworte zu verkünden, zu beten, die Elemente, Brot und Wein, zu segnen und sie dadurch vom gewöhnlichen zum heiligen Gebrauch abzusondern, das Brot zu nehmen und zu brechen, den Kelch zu nehmen und beides (indem sie es auch selbst zu sich nehmen) den Kommunikanten zu geben (vgl. Mt 26,26-28 mit Mk 10,22-24 und Lk 22,19-20 und 1.Kor 11,23-26), dabei aber niemandem, der dabei in der Gemeinde gar nicht anwesend ist (Apg 20,7; 1.Kor 11,20).

Artikel 29.4: Falsche Formen des Abendmahls

Privatmessen oder der Empfang dieses Sakramentes als Einzelperson durch den Priester oder irgendeinen anderen (1.Kor 10,6) oder gleichermassen dem Volk den Kelch vorzuenthalten (Mk 14,23; 1.Kor 11,25-26; 11,28-29), die Elemente anzubeten, sie zur Anbetung in die Höhe zu heben oder herumzutragen und sie für irgendeinen angeblich religiösen Gebrauch aufzubewahren stehen alle der Natur dieses Sakraments und der Einsetzung durch Christus entgegen (Mt 15,9).

Artikel 29.5: Das Verhältnis der Elemente zu Christus

Die äusserlichen Elemente in diesem Sakrament haben, wenn sie rechtmässig zu dem von Christus verordneten Gebrauch abgesondert worden sind, eine solche Beziehung zu ihm, dem Gekreuzigten, dass sie manchmal wahrhaftig, jedoch nur sakramental, mit dem Namen der Dinge, die sie repräsentieren, das heisst als Leib und Blut Christi, bezeichnet werden (Mt 26,26-28), obwohl sie ihrem Wesen und ihrer Natur nach wahrhaftig und ausschliesslich Brot und Wein bleiben, wie sie es vorher auch waren (1.Kor 11,26-28; Mt 26,29).

Artikel 29.6: Brot und Wein verwandeln sich nicht in Jesus

Jene Lehre, die eine Verwandlung der Substanz von Brot und Wein in die Substanz des Leibes und Blutes Christi durch die Konsekration eines Priesters oder auf irgendeine andere Weise behauptet, die man gewöhnlich Transsubstantiationslehre nennt, liegt nicht nur im Widerstreit mit der Schrift, sondern auch mit dem allgemeinen Empfinden und mit der Vernunft. Sie stellt die Natur des Sakraments auf den Kopf und war und ist die Ursache für vielfachen Aberglauben, ja für groben Götzendienst (vgl. Apg 3,21 mit 1.Kor 11,24-26; Lk 24,6; 24,39).

Artikel 29.7: Der geistliche Empfang des Abendmahls

Würdige Empfänger, die der sichtbaren Elemente dieses Sakraments teilhaftig werden (1.Kor 11,28), empfangen dann auch innerlich durch den Glauben wirklich und tatsächlich, jedoch nicht fleischlich oder materiell, sondern geistlich, den gekreuzigten Christus und alle Wohltaten seines Todes und nähren sich davon. Der Leib und das Blut Christi ist demnach nicht materiell oder fleischlich in, mit oder unter dem Brot und dem Wein, aber wirklich, nur eben geistlich, für den Glauben der Gläubigen in dieser Ordnung (gemeint ist das Sakrament) gegenwärtig, wie es die Elemente selbst für ihre äusserlichen Sinne sind (1.Kor 10,16).

Artikel 29.8: Der unberechtigte Empfang durch Gottlose und Unwürdige

Obwohl unwissende und gottlose Menschen die äusserlichen Elemente dieses Sakramentes empfangen, empfangen sie doch nicht die Sache, die dadurch bezeichnet wird, sondern sind dadurch, dass sie unwürdig hinzugekommen sind, an dem Leib und dem Blut des Herrn schuldig, ihnen selbst zur Verdammnis. Darum sind alle unwissenden und gottlosen Personen, weil sie unfähig sind, die Gemeinschaft mit ihm zu geniessen, auch des Tisches des Herrn unwürdig und können, solange sie solche bleiben, nicht ohne eine grosse Sünde gegen Christus zu begehen an diesen heiligen Geheimnissen teilnehmen (1.Kor 11,27-29; 2.Kor 6,14-16) oder zu ihnen zugelassen werden (1.Kor 5,6-7; 5,13; 2.Thess 3,6; 3,14-15; Mt 7,6).