Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 23.1: Wozu Gott die Obrigkeit gegeben hat
Artikel 23.2: Christen dürfen ein Amt der Obrigkeit übernehmen
Artikel 23.3: Kirche und Staat
Artikel 23.4: Die Pflicht des Volkes – auch bei Verschiedenheit der Religion

Artikel 23.1: Wozu Gott die Obrigkeit gegeben hat

Gott, der höchste Herr und König der ganzen Welt, hat die weltlichen Obrigkeiten eingesetzt, damit sie zu seiner eigenen Ehre und zum Besten der Öffentlichkeit unter ihm [aber] über dem Volk stehen sollen. Zu diesem Zweck hat er sie mit der Gewalt des Schwertes ausgerüstet, um die Guten zu verteidigen und zu ermutigen und die, die Böses tun, zu bestrafen (Röm 13,1-4; 1.Petr 2,13-14).

Artikel 23.2: Christen dürfen ein Amt der Obrigkeit übernehmen

Das Gesetz lässt zu, dass Christen ein obrigkeitliches Amt annehmen und ausüben, wenn sie dazu berufen werden (Spr 8,15-16; Röm 13,1-4). Wenn sie es ausüben und dabei vor allem verpflichtet sind, Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Frieden gemäss den heilsamen Gesetzen eines jeden Gemeinwesens aufrechtzuerhalten (Ps 2,10-12; 1.Tim 2,2; Ps 82,3-4; 2.Sam 23,3; 1.Petr 2,13), sind sie zu diesem Zweck auch jetzt unter dem Neuen Testament berechtigt, aus gerechten und notwendigen Anlässen heraus rechtmässig Kriege zu führen (Lk 3,14; Röm 13,4; Mt 8,9-10; Apg 10,1-2; Offb 17,14-16).

Artikel 23.3: Kirche und Staat

Die weltliche Obrigkeit darf sich die Verwaltung des Wortes und der Sakramente oder die Gewalt der Schlüssel des Himmelreichs nicht aneignen (vgl. 2.Chr 26,18 mit Mt 18,17 und Mt 16,19; 1.Kor 12,28-29; Eph 4,11-12; 1.Kor 4,1-2; Röm 10,15; Hebr 5,4). Sie hat jedoch die Autorität und es ist ihre Pflicht, darauf zu achten, dass in der Kirche Einigkeit und Friede bewahrt werden, dass die Wahrheit Gottes rein und ganz erhalten bleibt, dass alle Gotteslästerungen und Häresien unterdrückt und aller Missbrauch in Gottesdienst und Kirchenzucht verhindert oder reformiert und alle göttlichen Ordnungen recht geregelt, verwaltet und beobachtet werden (Jes 49,23; Ps 122,9; Esra 7,23-28; 3.Mose 24,16; 5.Mose 13,5-6; 13,12; 2.Kön 18,4; 1.Chr 13,1-9; 2.Kön 23,1-26; 2.Chr 34,33; 15,12-13). Und um dies besser ausrichten zu können, hat sie die Macht, Synoden einzuberufen, bei ihnen anwesend zu sein und dafür zu sorgen, dass alles, was auf ihnen verhandelt wird, nach Gottes Sinn geschieht (2.Chr 19,8-11; 29-30; Mt 2,4-5).

Artikel 23.4: Die Pflicht des Volkes – auch bei Verschiedenheit der Religion

Es ist die Pflicht des Volkes, für die Obrigkeiten zu beten (1.Tim 2,1-2), ihre Personen zu ehren (1.Petr 2,17), ihr Steuern und andere Abgaben zu zahlen (Röm 13,6-7), ihren mit dem Gesetz in Einklang stehenden Befehlen zu gehorchen und sich ihrer Autorität um des Gewissens willen unterzuordnen (Röm 13,5; Tit 3,1). Unglaube und Verschiedenheit der Religion machen die gerechte und gesetzliche Autorität der Obrigkeiten nicht ungültig, noch befreien sie das Volk von seinem schuldigen Gehorsam gegen sie (1.Petr 2,13-16), wovon auch kirchliche Personen nicht ausgenommen sind (Röm 13,1; 1.Kön 2,35; Apg 25,9-11; 2.Petr 2,1; 2,10-11; Jud 1,8-11). Noch viel weniger hat der Papst irgendwelche Gewalt oder Jurisdiktion über die Obrigkeiten in ihren jeweiligen Herrschaftsgebieten oder über irgend jemanden aus ihrem Volk, und am allerwenigsten, sie ihrer Herrschaftsgebiete zu berauben, wenn er sie für Häretiker erklärt oder unter welchem Vorwand auch immer es geschehen mag (2.Thess 2,4; Offb 13,15-17).