Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 22.1: Eide gehören zur Gottesverehrung
Artikel 22.2: Menschen dürfen nur beim Namen Gottes allein schwören
Artikel 22.3: Wahrheit und Rechtmässigkeit des Eides
Artikel 22.4: Ein Eid ist unbedingt verpflichtend
Artikel 22.5: Gelübde sind wie Eide
Artikel 22.6: Vom Sinn der Gelübde
Artikel 22.7: Man darf nur rechtmässige Dinge geloben

Artikel 22.1: Eide gehören zur Gottesverehrung

Ein dem Gesetz entsprechender Eid ist Teil der Gottesverehrung (5.Mose 10,20). Durch einen Eid ruft die schwörende Person in gerechter Sache feierlich Gott zum Zeugen für das an, was er feststellt oder verspricht, und zum Richter gemäss der Wahrheit oder Falschheit dessen, was er schwört (2.Mose 20,7; 3.Mose 19,12; 2.Kor 1,23; 2.Chr 6,22-23).

Artikel 22.2: Menschen dürfen nur beim Namen Gottes allein schwören

Menschen dürfen nur beim Namen Gottes allein schwören. Er ist dabei mit aller heiligen Furcht und Ehrerbietung zu gebrauchen (5.Mose 6,13). Deswegen ist es sündig und verabscheuungswürdig, unnütz und übereilt bei diesem herrlichen und schrecklichen Namen zu schwören oder überhaupt bei irgendeinem anderen Ding zu schwören (2.Mose 20,7; Jer 5,7; Mt 5,34; 5,37; Jak 5,12). Weil jedoch in Angelegenheiten von Gewicht und Bedeutung ein Eid durch das Wort Gottes unter dem Neuen Testament ebenso wie unter dem Alten Testament gutgeheissen wird (Hebr 6,16; 2.Kor 1,23; Jes 65,16), muss man einen rechtmässigen Eid, der in solchen Sachen von einer rechtmässigen Autorität auferlegt wird, auch leisten (1.Kön 8,31; Neh 13,25; Esra 10,5).

Artikel 22.3: Wahrheit und Rechtmässigkeit des Eides

Jeder, der einen Eid abgelegt, ist schuldig, die Wichtigkeit einer so feierlichen Handlung gebührend zu erwägen und darin nichts zu versichern, wovon er nicht völlig überzeugt ist, dass es die Wahrheit ist (2.Mose 20,7; Jer 4,2). Es darf sich auch niemand durch einen Eid zu etwas anderem verpflichten, als zu dem, was gut und gerecht ist, und wovon er glaubt, dass es so sei, und zu dessen Auszuführung er fähig und entschlossen ist (1.Mose 24,2-9). Doch ist es eine Sünde, einen Eid zu verweigern, der eine gute und gerechte Sache betrifft, wenn er von einer rechtmässigen Autorität auferlegt wird (4.Mose 5,19-21; Neh 5,12; 2.Mose 22,6-11).

Artikel 22.4: Ein Eid ist unbedingt verpflichtend

Ein Eid ist im offensichtlichen und gewöhnlichen Sinn der Worte, ohne Zweideutigkeiten oder gedankliche Vorbehalte abzulegen (Jer 4,2; Ps 24,4). Er kann nicht zur Sünde verpflichten. Wenn er aber in einer nicht sündigen Sache abgelegt worden ist, verpflichtet er zur Ausführung, auch wenn ein Mensch dadurch Nachteile hat (1.Sam 25,22; 25,32-34; Ps 15,4). Er darf selbst dann nicht gebrochen werden, wenn er Häretikern und Ungläubigen gegenüber geleistet wurde (Hes 17,16-19; vgl. Jos 9,18-19 mit 2.Sam 21,1).

Artikel 22.5: Gelübde sind wie Eide

Ein Gelübde hat den gleichen Charakter wie ein beeidetes Versprechen und muss mit der gleichen religiösen Sorgfalt abgelegt und mit der gleichen Zuverlässigkeit ausgeführt werden (Jes 19,21; Pred 5,4-6; Ps 61,9; 66,13-14).

Artikel 22.6: Vom Sinn der Gelübde

Ein Gelübde darf nicht bei irgendeinem Geschöpf, sondern nur bei Gott allein abgelegt werden (Ps 76,12; Jer 44,25-26). Wenn es wohlgefällig sein soll, muss es freiwillig geleistet werden, ausserdem aus Glauben und Gewissensverpflichtung und als Form des Dankes für empfangene Barmherzigkeit oder zur Erlangung dessen, was wir wünschen. Dadurch binden wir uns fester an notwendige Pflichten oder an andere Dinge, sofern und solange sie dazu in angemessener Weise förderlich sind (5.Mose 23,21-23; Ps 50,14; 1.Mose 28,20-22; 1.Sam 1,11; Ps 66,13-14; 132,2-5).

Artikel 22.7: Man darf nur rechtmässige Dinge geloben

Niemand darf geloben, etwas zu tun, was im Wort Gottes verboten ist oder was ihn hindern würde, einer darin gebotenen Pflicht nachzukommen oder was nicht in seiner eigenen Macht liegt und für dessen Ausführung er keine Verheissung oder Befähigung von Gott empfangen hat (Apg 23,12-14; Mk 6,26; 4.Mose 30,5-13). In diesem Sinne sind die päpstlichen Mönchsgelübde lebenslanger Ehelosigkeit, erklärter Armut und zum Ordensgehorsam so weit davon entfernt, Grade höherer Vollkommenheit zu sein, dass sie vielmehr abergläubische und sündhafte Schlingen sind, in die sich kein Christ verstricken darf (Mt 19,11-12; 1.Kor 7,2; 7,9; Eph 4,8; 1.Petr 4,2; 1.Kor 7,23).