Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 21.1: Gott legt fest, wie er verehrt werden will
Artikel 21.2: Nur Gott allein darf verehrt werden und Jesus ist der einzige Mittler
Artikel 21.3: Gott will Gebet
Artikel 21.4: Für wen darf man beten?
Artikel 21.5: Bestandteile der Verehrung Gottes
Artikel 21.6: Ort und Zeit des Gebetes
Artikel 21.7: Der christliche Sabbat
Artikel 21.8: Wie soll der Sabbat begangen werden?

Artikel 21.1: Gott legt fest, wie er verehrt werden will

Das Licht der Natur zeigt, dass es einen Gott gibt, der Gewalt und Herrschaft über alles hat, der gut ist und allen Gutes tut, der deshalb zu fürchten, zu lieben, zu preisen und anzurufen ist, und dem man vertrauen und von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft dienen muss (Röm 1,20; Apg 17,24; Ps 119,68; Hebr 10,7; Ps 31,24; 18,4; Röm 10,12; Ps 62,9; Jos 24,14; Mk 12,33). Aber die wohlgefällige Art der Verehrung des wahren Gottes ist von ihm selbst festgesetzt und durch seinen eigenen geoffenbarten Willen so eingegrenzt worden, dass er nicht nach den Einbildungen und Betrügereien der Menschen oder nach den Eingebungen Satans oder unter irgendeiner sichtbaren Darstellung oder auf irgendeine andere Art und Weise verehrt werden darf, die nicht in der Heiligen Schrift vorgeschrieben ist (5.Mose 13,1; Mt 15,9; Apg 17,25; Mt 4,9-10; 5.Mose 16-20; 2.Mose 20,4-6; Kol 2,23).

Artikel 21.2: Nur Gott allein darf verehrt werden und Jesus ist der einzige Mittler

Religiöse Verehrung darf Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist, und nur ihm allein, entgegengebracht werden (vgl. Mt 4,10 mit Joh 5,23 und 2.Kor 13,24), und nicht Engeln, Heiligen oder irgendwelchen anderen Geschöpfen (Kol 2,18; Offb 19,10; Röm 1,25). Sie darf seit dem Fall nicht ohne Mittler geschehen und auch nicht durch Vermittlung irgendeines anderen als durch Christus allein (Joh 14,6; 1.Tim 2,5; Eph 2,18; Kol 3,17).

Artikel 21.3: Gott will Gebet

Gott fordert von allen Menschen (Ps 65,2; Phil 4,6). Damit es angenommen wird, muss es im Namen des Sohnes (Joh 14,13-14; 1.Petr 2,5) durch die Hilfe seines Geistes (Röm 8,26), in Übereinstimmung mit seinem Willen (1.Joh 5,14), mit Verstand, Ehrerbietung, Demut, Inbrunst, Glauben, Liebe und Beharrlichkeit (Ps 47,8; Pred 5,1-2; Hebr 12,28; 1.Mose 18,27; Jak 5,16; 1,6-7; Mk 11,24; Mt 6,12-15; Kol 4,2; Eph 6,18) und, wenn laut gesprochen, in einer bekannten Sprache (1.Kor 14,14) geschehen.

Artikel 21.4: Für wen darf man beten?

Beten soll man für alle vom Gesetz erlaubten Dinge (1.Joh 5,14) und für alle Arten von Menschen, die jetzt leben und die künftig leben werden (1.Tim 2,1-2; Joh 17,20; 2.Sam 7,29; Ruth 4,12), aber weder für die Toten (vgl. 2.Sam 12,21-23 mit Lk 16,25-26; Offb 14,13), noch für die, von denen etwa bekannt ist, dass sie die Sünde zum Tode begangen haben (1.Joh 5,16).

Artikel 21.5: Bestandteile der Verehrung Gottes

Das Lesen der Schrift mit Gottesfurcht (Apg 15,21; Offb 1,3), die gesunde Predigt (2.Tim 4,2), das gewissenhafte Hören des Wortes im Gehorsam gegen Gott mit Verstand, Glauben und Ehrerbietung (Jak 1,22; Apg 10,33; Mt 13,19; Hebr 4,2; Jes 66,2), das Singen von Psalmen mit Gnade im Herzen (Kol 3,16; Eph 5,19; Jak 5,13), und ausserdem die richtige Verwaltung und der würdige Empfang der von Christus eingesetzten Sakramente, sind alle Bestandteile der ordentlichen religiösen Verehrung Gottes (Mt 28,19; 1.Kor 11,23-29; Apg 2,42). Daneben sind zu nennen, religiöse Eide (vgl. 5.Mose 6,13 mit Neh 10,30) und Gelübde (Jes 19,21; Pred 5,4-5), feierliches Fasten (Joel 2,12; Est 4,16; Mt 9,15; 1.Kor 7,5) und Dankesfeiern bei verschiedenen Gelegenheiten (Ps 107; Est 9,22), die zu besonderen Anlässen und verschiedenen Zeiten in heiliger und religiöser Weise anzuwenden sind (Hebr 12,28).

Artikel 21.6: Ort und Zeit des Gebetes

Weder das Gebet noch irgendein anderer Teil der Gottesverehrung ist heute unter dem Evangelium an einen bestimmten Ort gebunden noch wird es dadurch wohlgefälliger, dass es an einem bestimmten Ort oder auf einen bestimmten Ort hin ausgerichtet vollbracht wird (Joh 4,21-23). Stattdessen soll Gott überall (Mal 1,11; 1.Tim 2,8) im Geist und in der Wahrheit angebetet werden (Joh 4,23-24), zu Hause in den Familien (Jer 10,25; 5.Mose 6,6-7; Hiob 1,5; 2.Sam 6,18-20; 1.Petr 3,7; Apg 10,2) täglich (Mt 6,11) und insgeheim im Verborgenen von jedem einzelnen bei sich selbst (Mt 6,6; Eph 6,18), genauso wie noch feierlicher in öffentlichen Versammlungen, die man nicht durch Nachlässigkeit oder absichtlich missachten oder verlassen darf, wenn uns Gott durch sein Wort oder seine Vorsehung dazu ruft (Jes 56,6-7; Hebr 10,25; Spr 1,20-24; 8,34; Apg 13,42; Lk 4,16; Apg 2,42).

Artikel 21.7: Der christliche Sabbat

Wie es zum Gesetz der Natur gehört, dass im allgemeinen eine angemessene Zeit für die Verehrung Gottes ausgesondert wird, so hat Gott in seinem Wort durch ein positives, moralisches und bleibendes Gebot, das alle Menschen in allen Zeitaltern bindet, im einzelnen einen Tag unter sieben zu einem Sabbat bestimmt, der ihm heilig gehalten werden soll (2.Mose 20,8-11; Jes 56,2-7). Dies war von Anfang der Welt bis zur Auferstehung Christi der letzte Tag der Woche, und wurde seit der Auferstehung Christi in den ersten Tag der Woche umgeändert (1.Mose 12,2-3; 1.Kor 16,1-2; Apg 20,7), der in der Schrift der Tag des Herrn (Offb 1,10) genannt wird und als der christliche Sabbat bis zum Ende der Welt fortbestehen soll (vgl. 2.Mose 20,8-10 mit Mt 5,17-18).

Artikel 21.8: Wie soll der Sabbat begangen werden?

Dieser Sabbat wird dann dem Herrn heilig gehalten, wenn die Menschen ihre Herzen gebührend vorbereitet und vorher ihre alltäglichen Angelegenheiten geordnet haben, und sie nicht nur den ganzen Tag eine heilige Ruhe von ihren eigenen Werken, Worten und Gedanken, die sich auf ihre weltlichen Beschäftigungen und Vergnügungen richten (2.Mose 20,8; 16,23-30; 31,15-17; Jes 58,13-14; Neh 13,15-22), einhalten, sondern auch die ganze Zeit von der öffentlichen und privaten Ausübung der Gottesverehrung und von den Pflichten der Not und der Barmherzigkeit in Anspruch genommen werden (Jes 58,13-14; Mt 12,1-13).