Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 20.1: Die Freiheit der Christen
Artikel 20.2: Gott ist der alleinige Herr des Gewissens
Artikel 20.3: Die christliche Freiheit rechtfertigt keine Sünde
Artikel 20.4: Unterordnung unter staatliche und kirchliche Obrigkeiten

Artikel 20.1: Die Freiheit der Christen

Die Freiheit, die Christus für die Gläubigen unter dem Evangelium erworben hat, besteht in ihrer Freiheit von der Schuld der Sünde, von dem verdammenden Zorn Gottes, von dem Fluch des Moralgesetzes (Tit 2,14; 1.Thess 1,10; Gal 3,13) und in ihrem Befreitsein von dieser gegenwärtigen bösen Welt, von der Knechtschaft Satans und der Herrschaft der Sünde (Gal 1,4; Kol 1,13; Apg 26,18; Röm 6,14), von dem Übel der Trübsale, von dem Stachel des Todes, von dem Sieg des Grabes und von der ewigen Verdammnis (Röm 8,28; Ps 119,71; 1.Kor 15,54-57; Röm 8,1), wie auch in ihrem freien Zugang zu Gott (Röm 5,1-2) und ihrem Leisten des Gehorsams gegen ihn, nicht aus knechtischer Furcht, sondern aus kindlicher Liebe und willigem Geist (Röm 8,14-15; 1.Joh 4,18). Das alles hatten auch die Gläubigen unter dem Gesetz (Gal 3,9; 3,14), aber unter dem Neuen Testament ist die Freiheit der Christen weiter ausgedehnt worden, indem sie auch von dem Joch des Zeremonialgesetzes befreit sind, dem die jüdische Kirche unterworfen war (Gal 4,1-7; 5,1; Apg 15,10-11), und indem sie mit grösserer Zuversicht Zugang zum Gnadenthron haben (Hebr 4,14-16; 10,19-22) und eine grössere Mitteilung des freien Geistes Gottes empfangen, als sie den Gläubigen unter dem Gesetz normalerweise zuteil wurde (Joh 7,38-39; 2.Kor 3,13-18).

Artikel 20.2: Gott ist der alleinige Herr des Gewissens

Gott allein ist Herr des Gewissens (Jak 4,12; Röm 14,4) und hat es von den menschlichen Lehren und Geboten frei gemacht, die in Sachen des Glaubens und Gottesdienstes in irgend etwas seinem Wort entgegenstehen oder darüber hinausgehen (Apg 4,19; 5,29; 1.Kor 7,23; Mt 23,7-10; 2.Kor 1,24; Mt 15,9). Unter Berufung auf das Gewissen solche Lehren zu glauben und solchen Geboten zu gehorchen, ist ein Verrat an der wahren Freiheit des Gewissens (Kol 2,20-23; Gal 1,10; 2,4-5; 5,1), und die Forderung eines unbedingten Glaubens und eines absoluten und blinden Gehorsams bedeutet soviel, wie die Zerstörung der Freiheit des Gewissens und zugleich auch der Freiheit der Vernunft (Röm 10,17; 14,23; Jes 8,20; Apg 17,11; Joh 4,22; Hos 5,11; Offb 13,12; 13,16-17).

Artikel 20.3: Die christliche Freiheit rechtfertigt keine Sünde

Diejenigen, die unter dem Vorwand christlicher Freiheit irgendeine Sünde begehen oder sich irgendeiner Lust hingeben, zerstören dadurch den Sinn und Zweck der christlichen Freiheit, der darin besteht, dass wir als aus der Hand unserer Feinde Befreite dem Herrn ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm dienen (Gal 5,13; 1.Petr 2,16; 2.Petr 2,19; Joh 8,34; Lk 1,74-75).

Artikel 20.4: Unterordnung unter staatliche und kirchliche Obrigkeiten

Weil die Gewalten, die Gott verordnet hat, und die Freiheit, die Christus erworben hat, sich nach Gottes Absicht nicht gegenseitig zerstören, sondern sich gegenseitig erhalten und bewahren sollen, widerstreben diejenigen der Ordnung Gottes (Mt 12,25; 1.Petr 2,13-16; Röm 13,1-8; Hebr 13,17), die sich unter dem Vorwand christlicher Freiheit irgendeiner rechtmässigen Ausübung dieser Gewalt widersetzen, sei es die staatliche oder die kirchliche. Dafür, dass sie solche Meinungen öffentlich vertreten oder solche Handlungen aufrechterhalten, die dem Licht der Natur, den bekannten Grundsätzen des Christentums (gleich ob bezüglich des Glaubens, des Gottesdienstes oder des Wandels) oder der Kraft der Gottseligkeit entgegenstehen, oder auch für solche irrigen Meinungen oder Handlungsweisen, die entweder ihrer eigenen Natur nach oder in der Art und Weise, wie sie öffentlich vertreten oder aufrecht erhalten werden, den äusseren Frieden und die Ordnung zerstören, die Christus in der Kirche festgesetzt hat, dürfen sie rechtmässig zur Rechenschaft gezogen werden. Man darf mit Kirchenzucht (vgl. Röm 1,32 mit 1.Kor 5,1; 5,5; 5,11; 5,13; vgl. 2.Joh 1,10-11 mit 2.Thess 3,14 und 1.Tim 6,3-5 und Tit 1,10-13; vgl. Tit 3,10 mit Mt 18,15-17; 1.Tim 1,19-20; Offb 2,2; 2,14-15; 2,20; 3,9) und mit der Gewalt der bürgerlichen Obrigkeit gegen diese Dinge vorgehen (5.Mose 13,6-12; Röm 13,3-4; Esra 7,23-28; Offb 17,12; 17,16-17; Neh 13,15-30; 2.Kön 23,5-21; 2.Chr 34,33; 15,12-16; Dan 3,29; 1.Tim 2,2; Jes 49,23; Sach 13,2-3).