Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 19.1: Das Gesetz als Bund der Werke
Artikel 19.2: Die Zehn Gebot
Artikel 19.3: Moralgesetz und Zeremonialgesetz
Artikel 19.4: Judizialgesetze
Artikel 19.5: Das Moralgesetz bleibt bindend
Artikel 19.6: Das Moralgesetz ist von grossem Nutzen
Artikel 19.7: Das Halten des Moralgesetzes widerspricht nicht der Gnade

Artikel 19.1: Das Gesetz als Bund der Werke

Gott gab Adam ein Gesetz als einen Bund der Werke, wodurch er ihn und alle seine Nachkommen an einen persönlichen, umfassenden, genauen und immerwährenden Gehorsam band, für dessen Erfüllung er Leben verhiess, für die Übertretung den Tod androhte und ihn mit Kraft und Fähigkeit, es zu halten, ausstattete (vgl. 1.Mose 1,26-27 mit 1.Mose 2,17; Röm 2,14-15; 10,5; 5,12; 5,19; Gal 3,10-12; Pred 7,29; Hiob 28,28).

Artikel 19.2: Die Zehn Gebot

Dieses Gesetz blieb auch nach Adams Fall ein vollkommener Massstab der Gerechtigkeit und wurde als solcher von Gott auf dem Berg Sinai in Zehn Geboten übergeben und auf zwei Tafeln niedergeschrieben (Jak 1,25; 2,8-12; Röm 13,8-9; 5.Mose 5,32; 10,34; 2.Mose 34,1), wobei die ersten vier Gebote unsere Pflichten gegen Gott und die anderen sechs Gebote unsere Pflichten gegen die Menschen beinhalten (Mt 22,37-40).

Artikel 19.3: Moralgesetz und Zeremonialgesetz

Abgesehen von diesem Gesetz, das man gewöhnlich Moralgesetz nennt, hat es Gott gefallen, dem Volke Israel als einer minderjährigen Kirche Zeremonialgesetze zu geben, die verschiedene vorbildliche Anordnungen enthielten, die teilweise gottesdienstlicher Art waren und Christus und seine Gnadengaben, Handlungen, Leiden und Wohltaten vorbildeten (Hebr 9; 10,1; Gal 4,1-3; Kol 2,16-17), und teilweise verschiedene Unterweisungen über moralische Pflichten verdeutlichten (1.Kor 5,7; 2.Kor 6,17; Jud 1,22-23). Alle diese Zeremonialgesetze sind jetzt unter dem Neuen Testament aufgehoben (Kol 2,14-17; Dan 9,27; Eph 2,15-16).

Artikel 19.4: Judizialgesetze

Gott gab Israel als einer politischen Körperschaft auch verschiedene Judizialgesetze, die zusammen mit dem Staat dieses Volkes ausliefen und jetzt niemanden weitergehend verpflichten, als es die allgemeine Entsprechung erfordert (2.Mose 21; 2.Mose 22,1-19; vgl. 1.Mose 49,10 mit 1.Petr 2,13-14 und Mt 5,17 mit Mt 5,38-39; 1.Kor 9,8-10).

Artikel 19.5: Das Moralgesetz bleibt bindend

Das Moralgesetz bindet für immer alle, sowohl die Gerechtfertigten als auch alle anderen, ihm Gehorsam zu leisten (Röm 13,8-10; Eph 6,2; 1.Joh 2,3-8), und dies nicht allein mit Rücksicht auf die Themen, die darin enthalten sind, sondern auch mit Rücksicht auf die Autorität Gottes, des Schöpfers, der es gegeben hat (Jak 2,10-11). Christus löste diese Verpflichtung im Evangelium auf keine Art und Weise auf, sondern verstärkt sie vielmehr sehr (Mt 5,17-19; Jak 2,8; Röm 3,31).

Artikel 19.6: Das Moralgesetz ist von grossem Nutzen

Obwohl wahre Gläubige nicht unter dem [Moral-]Gesetz als einem Bund der Werke leben, so dass sie dadurch gerechtfertigt oder verdammt werden (Röm 6,14; Gal 2,16; 3,13; 4,4-5; Apg 13,39; Röm 8,1), ist das Gesetz doch für sie wie auch für andere von grossem Nutzen, weil es sie als Regel des Lebens über den Willen Gottes und ihre Pflicht unterrichtet, sie dadurch anleitet und verpflichtet, dementsprechend zu wandeln (Röm 7,12; 7,22; 7,25; Ps 119,4-6; 1.Kor 7,19, Gal 5,14; 5,15; 5,18-23), die sündigen Verunreinigungen ihrer Natur, ihres Herzens und ihres Lebens aufdeckt (Röm 7,9; 3,20), so dass sie, wenn sie sich selbst daran überprüfen, zu weiterer Überführung von der Sünde, zur Demütigung ihretwegen und zum Hass gegen sie gelangen (Jak 1,23-25; Röm 7,9; 7,14; 7,24), zugleich auch zu klarerer Einsicht darüber kommen, wie nötig sie Christus haben und wie vollkommen sein Gehorsam ist (Gal 3,24; Röm 7,24-25; Röm 8,3-4). Das Moralgesetz ist gleichermassen von Nutzen für die Wiedergeborenen, um ihre Verdorbenheiten zu zügeln, da es Sünde verbietet (Jak 2,11; Ps 119,101; 119,104; 119,128) und seine Drohungen dazu dienen, zu zeigen, was ihre Sünden eigentlich verdienen und was für Trübsale sie in diesem Leben dafür zu erwarten haben, obwohl sie von dem Fluch befreit sind, der im Gesetz dafür angedroht wird (Esra 9,13-14; Ps 89,30-34). Die Verheissungen des Gesetzes zeigen ihnen in gleicher Weise, dass Gott Wohlgefallen am Gehorsam hat und was für Segnungen sie erwarten dürfen, wenn sie dasselbe vollbringen (vgl. 3.Mose 26,1-14 mit 2.Kor 6,16; Eph 6,2-3; vgl. Ps 37,11 mit Mt 5,5; Ps 19,11), obwohl ihnen diese Segnungen nicht durch das Gesetz als einem Bund der Werke geschuldet werden (Gal 2,16; Lk 17,10). So ist auch die Tatsache, dass ein Mensch Gutes tut und sich des Bösen enthält, weil das Gesetz ihn zu dem einen ermutigt und ihn von dem anderen abschreckt, kein Beweis dafür, dass er unter dem Gesetz und nicht unter der Gnade ist (Röm 6,12-14; vgl. 1.Petr 3,8-12 mit Ps 34,12; 34,16; Hebr 12,28-29).

Artikel 19.7: Das Halten des Moralgesetzes widerspricht nicht der Gnade

Die genannten Anwendungen des Gesetzes stehen auch nicht der Gnade des Evangeliums entgegen, sondern stimmen harmonisch damit überein (Gal 3,21), weil der Geist Christi den Willen des Menschen unterwirft und befähigt, das freiwillig und freudig zu tun, was der im Gesetz offenbarte Wille Gottes zu tun fordert (Hes 36,27; vgl. Hebr 8,10 mit Jer 31,33).