Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 18.1: Heilsgewissheit ist möglich
Artikel 18.2: Der Grund der Heilsgewissheit
Artikel 18.3: Heilsgewissheit ist nicht heilsnotwendig
Artikel 18.4: Heilsgewissheit kann verschüttet werden

Artikel 18.1: Heilsgewissheit ist möglich

Obwohl Heuchler und andere nicht wiedergeborene Menschen sich selbst mit falschen Hoffnungen und fleischlicher Vermessenheit betrügen können, als ob sie unter Gottes Gnade und im Stand der Errettung lebten (Hiob 8,13-14; Mi 3,11; 5.Mose 29,19; Joh 8,41), – eine Hoffnung, die zuschanden werden wird (Mt 7,22-23) –, können doch diejenigen, die wahrhaft an den Herrn Jesus glauben und ihn aufrichtig lieben, indem sie sich bemühen, in allem guten Gewissen vor ihm zu leben, in diesem Leben gewiss versichert sein, dass sie im Stand der Gnade sind (1.Joh 3,14-24; 5,13), und können sich in der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit Gottes freuen, eine Hoffnung, die sie niemals beschämen wird (Röm 5,2; 5,5).

Artikel 18.2: Der Grund der Heilsgewissheit

Diese Gewissheit ist nicht eine Überzeugung von nur mutmasslichem und wahrscheinlichem Charakter, die sich auf eine trügerische Hoffnung gründet (Hebr 6,11; 6,19), sondern eine unfehlbare Gewissheit des Glaubens, die sich gründet auf die göttliche Wahrheit der Verheissung des Heils (Hebr 6,17-18), auf den inneren Erweis der Gnadengaben, auf die sich jene Verheissungen erstrecken (2.Petr 1,4-5; 1,10-11; 1.Joh 2,3; 3,14; 2.Kor 1,12), auf das Zeugnis des Geistes der Adoption, der unserem Geist Zeugnis gibt, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8,15-16). Dieser Geist ist das Unterpfand unseres Erbes, durch den wir auf den Tag der Erlösung versiegelt werden (Eph 1,13-14; 4,30; 2.Kor 1,21-22).

Artikel 18.3: Heilsgewissheit ist nicht heilsnotwendig

Diese unfehlbare Gewissheit gehört nicht so zum Wesen des Glaubens, dass ein wahrhaft Gläubiger nicht auch lange zu warten und mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben könnte, bevor er Anteil an ihr gewinnt (1.Joh 5,13; Jes 50,10; Mk 9,24; Ps 88; Ps 77,1-12). Er kann jedoch als einer, der durch den Geist die Kraft erhalten hat, die Dinge zu erkennen, die ihm umsonst von Gott geschenkt wurden, ohne eine aussergewöhnliche Offenbarung beim rechten Gebrauch der gewöhnlichen Mittel zur Heilsgewissheit gelangen (1.Kor 2,12; 1.Joh 4,13; Hebr 6,11-12; Eph 3,17-19). Darum hat jeder die Pflicht, allen Fleiss daranzusetzen, seine Berufung und Erwählung fest zu machen (2.Petr 1,10), damit dadurch sein Herz erfüllt wird mit Frieden und Freude im Heiligen Geist, mit Liebe und Dankbarkeit gegen Gott und mit Kraft und Freudigkeit in der gehorsamen Pflichterfüllung, was alles wahre Früchte dieser Gewissheit sind (Röm 5,1-5; 14,17; 15,13; Eph 1,3-4; Ps 4,6-7; Ps 119,32). So weit ist nämlich die Gewissheit davon entfernt, den Menschen eine Neigung zur Zügellosigkeit zu verschaffen (1.Joh 2,1-2; Röm 6,1-2; Tit 2,1-14; 2.Kor 7,1; Röm 8,1; 8,12; 1.Joh 3,2-3; Ps 130,4; 1.Joh 1,6-7).

Artikel 18.4: Heilsgewissheit kann verschüttet werden

Die Gewissheit des Heils kann in den wahrhaft Gläubigen auf verschiedene Weise erschüttert, geschwächt oder unterbrochen werden nämlich dadurch, dass sie nachlässig sind, diese zu bewahren, dadurch, dass sie in irgendeine Sünde fallen, die das Gewissen verwundet und den Geist betrübt, dadurch, dass sie plötzlich oder heftig versucht werden, und dadurch, dass Gott das Licht seines Angesichts verbirgt und zulässt, dass sogar die, die ihn fürchten, in Finsternis wandeln und kein Licht haben (Hld 5,2-6; Ps 51,10-16; Eph 4,30-31; Ps 77,1-10; Mt 26,69-72; Ps 31,23; Ps 88; Jes 50,10). Sie verlieren jedoch niemals ganz den Samen Gottes, das Leben des Glaubens, die Liebe zu Christus und den Geschwistern, die Aufrichtigkeit des Herzens und das Bewusstsein der Pflicht. Durch alle diese Dinge kann die Gewissheit des Heils durch die Wirksamkeit des Geistes zur rechten Zeit wieder neu belebt werden (1.Joh 3,9; Lk 22,32; Hiob 13,15; Ps 51,10; 51,14; Jes 50,10), und durch sie werden die Betreffenden zwischenzeitlich vor der völligen Verzweiflung bewahrt (Mi 7,7-9; Jer 32,40; Jes 45,7-10; Ps 22,2; Ps 88).