Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 16.1: Gott allein bestimmt, was gute Werke sind
Artikel 16.2: Die Bedeutung der guten Werke der Christen
Artikel 16.3: Der Heilige Geist und die guten Werke
Artikel 16.4: Die Unvollkommenheit der guten Werke
Artikel 16.5: Gute Werke sind kein Verdienst
Artikel 16.6: Gott nimmt die Werke in Christus an
Artikel 16.7: Werke nicht wiedergeborener Menschen

Artikel 16.1: Gott allein bestimmt, was gute Werke sind

Gute Werke sind nur solche Werke, die Gott in seinem heiligen Wort befohlen hat (Mi 6,8; Röm 12,2; Hebr 13,21), und nicht solche Werke, die ohne diese Vollmacht aus blindem Eifer oder unter irgendeinem Vorwand einer guter Absicht ersonnen worden sind (Mt 15,9; Jes 29,13; 1.Petr 1,18; Röm 10,2; Joh 16,2; 1.Sam 15,21-23).

Artikel 16.2: Die Bedeutung der guten Werke der Christen

Diese guten Werke, die im Gehorsam gegen Gottes Gebote getan werden, sind die Früchte und Beweise eines wahren und lebendigen Glaubens (Jak 2,18-20; 2,22). Durch sie zeigen die Gläubigen ihre Dankbarkeit (Ps 116,12-13; 1.Petr 2,9), stärken ihre Gewissheit (1.Joh 2,3; 2,5; 2.Petr 1,1-5), erbauen ihre Geschwister (2.Kor 9,2; Mt 5,16), schmücken das Bekenntnis des Evangeliums (Tit 2,5; 2,9-12; 1.Tim 6,1), stopfen den Mund der Gegner (1.Petr 2,15) und verherrlichen Gott (1.Petr 2,12; Phil 1,11; Joh 15,8), dessen Werk sie sind, wozu sie in Christus Jesus geschaffen wurden (Eph 2,10), damit sie, indem sie ihre Frucht in Heiligkeit bringen, am Ende schliesslich das ewige Leben haben (Röm 6,22).

Artikel 16.3: Der Heilige Geist und die guten Werke

Ihre Fähigkeit, gute Werke zu tun, kommt ganz und gar nicht aus ihnen selbst, sondern vollständig aus dem Geist Christi (Joh 15,4-6; Hes 36,26-27). Damit sie dazu befähigt werden, ist abgesehen von der Gnade, die sie bereits empfangen haben, ein ständiger direkter Einfluss desselben Heiligen Geistes erforderlich, um in ihnen das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen zu wirken (Phil 2,13; Phil 4,3; 2.Kor 3,5). Sie dürfen jedoch aufgrund dieser Tatsache nicht in Nachlässigkeit verfallen, als ob sie nicht verpflichtet wären, irgendeine Pflicht zu erfüllen, ausser, wenn sie eine besondere Anregung des Geistes erhielten, sondern sie müssen fleissig sein, die Gnadengabe Gottes, die in ihnen ist, anzufachen (Phil 2,12; Hebr 6,11-12; 2.Petr 1,3; 1,5; 1,10-11; Jes 64,6; 2.Tim 1,16; Apg 26,6-7; Jud 20-21).

Artikel 16.4: Die Unvollkommenheit der guten Werke

Diejenigen, die in ihrem Gehorsam die höchste Stufe erreichen, die in diesem Leben möglich ist, sind doch soweit von der Fähigkeit entfernt, etwas über die Pflicht Hinausgehendes zu leisten und mehr zu tun, als Gott fordert, dass sie vielmehr in vielem hinter dem zurückbleiben, was sie zu tun schuldig wären (Lk 17,10; Neh 13,22; Hiob 9,23; Gal 5,1).

Artikel 16.5: Gute Werke sind kein Verdienst

Wir können durch unsere besten Werke nicht die Vergebung der Sünde oder das ewige Leben aus der Hand Gottes verdienen, was an dem grossen Missverhältnis liegt, das zwischen ihnen und der künftigen Herrlichkeit besteht, und an dem unendlichen Abstand zwischen uns und Gott, dem wir durch die Werke weder nützen noch für die Schuld unserer früheren Sünden Genugtuung leisten können (Röm 3,20; 4,2; 4,4; 4,6). Wenn wir alles getan haben, was wir können, so haben wir doch nur das getan, was wir schuldig waren und sind unnütze Knechte (Lk 17,10). Soweit die Werke gut sind, gehen sie aus seinem Geist hervor (Gal 5,22-23). Soweit sie aus uns hervorgebracht wurden, sind sie befleckt und mit so viel Schwachheit und Unvollkommenheit vermischt, dass sie vor der Strenge des Gerichtes Gottes nicht bestehen können (Jes 64,6; Gal 5,17; Röm 7,15; 7,18; Ps 143,2; 130,3).

Artikel 16.6: Gott nimmt die Werke in Christus an

Weil die Person der Gläubigen durch Christus angenommen wird, werden trotz allem auch ihre Werke in ihm angenommen (Eph 1,6; 1.Petr 2,5; 2.Mose 28,38; vgl. 1.Mose 4,4 mit Hebr 11,4), nicht, als ob sie in diesem Leben völlig untadelig und unsträflich vor Gottes Angesicht wären (Hiob 9,20; Ps 143,2), sondern weil es ihm gefällt, in seinem Sohn auf sie herabzublicken und das anzunehmen und zu belohnen, was aufrichtig ist, auch wenn es von vielen Schwachheiten und Unvollkommenheiten begleitet wird (Hebr 13,20-21; 2.Kor 8,12; Hebr 6,10; Mt 25,21; 25,23).

Artikel 16.7: Werke nicht wiedergeborener Menschen

Werke, die von nicht wiedergeborenen Menschen getan werden – auch wenn sie der Sache nach etwas sind, was Gott befiehlt und was sowohl für sie selbst als auch für andere gut und nützlich ist (2.Kön 10,30-31; 1.Kön 21,27; 21,29; Phil 1,15-16; 1,18) –, sind dennoch sündig, weil sie nicht aus einem durch den Glauben gereinigten Herzen hervorgehen (vgl. 1.Mose 4,5 mit Hebr 11,4; 11,6) und weder in rechter Art und Weise (1.Kor 13,3; Jes 1,12), nämlich dem Wort gemäss, noch zu einem rechten Zweck, nämlich zur Ehre Gottes (Mt 6,2; 6,5; 6,16), getan werden. Sie können Gott nicht angenehm sein und machen einen Menschen auch nicht föhig, Gnade von Gott zu empfangen (Hag 2,14; Tit 1,15; Am 5,21-22; Hos 1,4; Röm 9,16; Tit 3,5). Und doch ist die Unterlassung solcher Werke noch sündiger und missfällt Gott noch mehr (Ps 14,4; 36,3; Hiob 21,14-15; Mt 25,41-43; 25,45; 23,23).