Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 11.1: Rechtfertigung durch Christi Gerechtigkeit
Artikel 11.2: Rechtfertigung und lebendiger Glaube
Artikel 11.3: Rechtfertigung allein aus Gnaden
Artikel 11.4: Erwählung und Zueignung
Artikel 11.5: Sünde im Leben der Erwählten
Artikel 11.6: Rechtfertigung im Alten Testament

Artikel 11.1: Rechtfertigung durch Christi Gerechtigkeit

Diejenigen, die Gott wirksam beruft, rechtfertigt er auch geschenkweise (Röm 8,30; 3,24), und zwar nicht dadurch, dass er Gerechtigkeit in sie eingiesst, sondern dadurch, dass er ihre Sünden vergibt und ihre Person als Gerechte erachtet und annimmt Dies tut er nicht aufgrund von irgend etwas, das in ihnen hervorgebracht worden wäre, sondern allein um Christi willen; also nicht, indem er ihnen den Glauben selbst oder das Werk des Glaubens oder sonst irgendeinen evangelischen Gehorsam als ihre Gerechtigkeit anrechnet, sondern indem er ihnen den Gehorsam und die Genugtuung Christi anrechnet (Röm 4,5-8; 2.Kor 5,19; 5,21; Röm 3,22; 3,24-25; 3,27-28; Tit 3,5-7; Eph 1,7; Jer 23,6; 1.Kor 1,30-31; Röm 5,17-19), wobei sie ihn durch den Glauben empfangen und sich auf Christus und seine Gerechtigkeit stützen. Diesen Glauben haben sie nicht aus sich selbst heraus, sondern er ist Gottes Geschenk (Apg 10,44; Gal 2,16; Phil 3,9; Apg 13,38-39; Eph 2,7).

Artikel 11.2: Rechtfertigung und lebendiger Glaube

Der Glaube, der Christus und seine Gerechtigkeit so empfängt und sich darauf verla?sst (Joh 1,12; Röm 3,28; 5,1), ist das alleinige Mittel der Rechtfertigung. Der Glaube ist jedoch nicht das einzige, was sich in dem Gerechtfertigten findet, sondern wird immer von allen anderen seligmachenden Gnadengaben begleitet und ist kein toter Glaube, sondern ein durch die Liebe tätiger Glaube (Jak 2,17; 2,22; 2,26; Gal 5,6).

Artikel 11.3: Rechtfertigung allein aus Gnaden

Christus hat durch seinen Gehorsam und seinen Tod die Schulden aller, die so gerechtfertigt werden, völlig getilgt und hat der Gerechtigkeit seines Vater an ihrer Stelle eine angemessene, wirkliche und völlige Genugtuung geleistet (Röm 5,8-10; 5,19; 1.Tim 2,5-6; Hebr 10,10; 10,14; Dan 9,24; 9,26; Jes 53,4-6; 53,10-12). Da er jedoch vom Vater für sie dahingegeben (Röm 8,32) und sein Gehorsam und seine Genugtuung an ihrer Stelle angenommen wurde (2.Kor 5,21; Mt 3,17; Eph 5,2), und zwar beides umsonst und nicht als Gegenleistung für etwas, das in ihnen war, so geschieht ihre Rechtfertigung allein aus freier Gnade (Röm 3,24; Eph 1,7), damit sowohl die strenge Gerechtigkeit als auch die reiche Gnade Gottes in der Rechtfertigung der Sünder verherrlicht werden (Röm 3,26; Eph 2,7).

Artikel 11.4: Erwählung und Zueignung

Gott hat von aller Ewigkeit her beschlossen, alle Erwählten zu rechtfertigen (Gal 3,8; 1.Petr 1,2; 1,19-20; Röm 8,30), und Christus ist in der Fülle der Zeit wegen ihrer Sünde gestorben und wegen ihrer Rechtfertigung auferstanden (Gal 4,4; 1.Tim 2,6; Röm 4,25). Trotzdem werden sie nicht gerechtfertigt, bevor der Heilige Geist ihnen nicht zur rechten Zeit Christus wirklich zueignet (Kol 1,21-22; Gal 2,16; Tit 3,4-7).

Artikel 11.5: Sünde im Leben der Erwählten

Gott fährt fort, denen, die gerechtfertigt sind, die Sünden zu vergeben (Mt 6,12; 1.Joh 1,7; 1,9; 2,1-2), und obwohl sie niemals aus dem Stand der Rechtfertigung fallen können (Lk 22,32; Joh 10,28; Hebr 10,14), kann es doch geschehen, dass sie durch ihre Sünden unter Gottes väterliches Missfallen geraten und dass ihnen das Licht seines Angesichtes nicht wieder aufgeht, bis sie sich selbst demütigen, ihre Sünden bekennen, um Vergebung bitten und ihren Glauben und ihre Busse erneuern (Ps 89,31-33; 51,9-14; 32,5; Mt 26,75; 1.Kor 11,30; 11,32; Lk 1,20).

Artikel 11.6: Rechtfertigung im Alten Testament

Die Rechtfertigung der Gläubigen im Alten Testament war hinsichtlich aller dieser Dinge ein und dieselbe wie die Rechtfertigung der Glaüubigen im Neuen Testament (Gal 3,9; 3,13-14; Röm 4,22-24; Hebr 13,8).