Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Text: Thomas Schirrmacher, Der evangelische Glaube kompakt, Hamburg und Bonn, 2004.

Inhalt

Artikel 1.1: Die göttliche Offenbarung
Artikel 1.2: Die Bücher der Heiligen Schrift
Artikel 1.3: Apokryphen sind menschliche Schriften
Artikel 1.4: Die Heilige Schrift beruht auf dem Zeugnis Gottes
Artikel 1.5: Das Zeugnis des Geistes und die Hilfe der Kirche
Artikel 1.6: Wie gewinnen wir Erkenntnis aus der Schrift?
Artikel 1.7: Die Klarheit der Schrift in Bezug auf das Heil
Artikel 1.8: Die Schrift muss in die Umgangssprachen übersetzt werden
Artikel 1.9: Die Schrift legt die Schrift aus
Artikel 1.10: Alles ist an der Schrift zu prüfen

Artikel 1.1: Die göttliche Offenbarung

Obwohl das Licht der Natur und die Werke der Schöpfung und Fürsorge die Güte, Weisheit und Macht Gottes so weit offenbaren, dass sie die Menschen ohne Entschuldigung lassen (Röm 2,14-15Röm 1,19-20Ps 19,2-4Röm 1,32-2,1) reichen sie doch nicht aus, um jene Erkenntnis Gottes und seines Willens zu geben, die zum Heil notwendig ist (1.Kor 1,211.Kor 2,13-14). Darum hat es dem Herrn gefallen, sich selbst zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Arten und Weisen seiner Kirche zu offenbaren und ihr diesen seinen Willen zu erklären (Hebr 1,1) und danach diesen zur besseren Bewahrung und Verbreitung der Wahrheit und zur sichereren Gründung und Stärkung der Kirche gegen die Verdorbenheit des Fleisches und die Bosheit Satans und der Welt ganz und gar der Schrift anzuvertrauen (Spr 22,19-21; Lk 1,3-4Röm 15,4Mt 4,4-10Jes 8,19-20). Dies macht die Heilige Schrift höchst notwendig (2.Tim 3,152.Petr 1,19), nachdem jene früheren Wege, auf denen Gott seinem Volk seinen Willen offenbarte, nunmehr aufgehört haben (Hebr 1,1-2).

Artikel 1.2: Die Bücher der Heiligen Schrift

Unter dem Namen «Heilige Schrift» oder «das geschriebene Wort Gottes» werden jetzt alle Bücher des Alten und Neuen Testamentes zusammengefasst, nämlich folgende: Altes Testament: Genesis. Exodus. Leviticus. Numeri. Deuteronomium. Josua. Richter. Ruth 1. Samuel. 2. Samuel. 1. Könige. 2. Könige. 1. Chronik. 2. Chronik. Esra. Nehemia. Esther. Hiob. Psalmen. Sprüche. Prediger. Hohelied. Jesaja. Jeremia. Klagelieder. Hesekiel. Daniel. Hosea. Joel. Amos. Obadja. Jona. Micha. Nahum. Habakuk. Zefanja. Haggai. Sacharja. Maleachi. Neues Testament: Die Evangelien nach Matthäus. Markus. Lukas. Johannes. Die Apostelgeschichte. Die Briefe des Paulus an die Römer. 1. Korinther. 2. Korinther. Galater. Epheser. Philipper. Kolosser. 1. Thessalonicher. 2. Thessalonicher. 1. Timotheus. 2. Timotheus. Titus. Philemon. Der Brief an die Hebräer. Der Brief des Jakobus. 1. und 2. Brief des Petrus. 1., 2. und 3. Brief des Johannes. Der Brief des Judas. Die Offenbarung. Diese wurden alle durch Inspiration Gottes gegeben, um die Richtschnur des Glaubens und Lebens zu sein (Lk 16,29-31Eph 2,20Offb 22,18-19).

Artikel 1.3: Die Apokryphen sind menschliche Schriften

Die Bücher, die gewöhnlich Apokryphen genannt werden, sind kein Bestandteil des Kanons der Schrift, da sie nicht von Gott inspiriert sind, und haben deswegen keine Autorität in der Kirche Gottes und sollten in keiner anderen Weise anerkannt und gebraucht werden als andere menschliche Schriften (Lk 24,2724,44Röm 3,22.Petr 1,21).

Artikel 1.4: Die Heilige Schrift beruht auf dem Zeugnis Gottes

Die Autorität der Heiligen Schrift, um deretwillen man ihr glauben und gehorsam sein muss, beruht nicht auf dem Zeugnis irgendeines Menschen oder einer Kirche, sondern völlig auf Gott, der die Wahrheit selbst ist, als ihrem Autor, und darum ist sie anzunehmen, weil sie das Wort Gottes ist (2.Petr 1,19-212.Tim 3,161.Joh 5,91.Thess 2,13).

Artikel 1.5: Das Zeugnis des Geistes und die Hilfe der Kirche

Wir können zwar durch das Zeugnis der Kirche dazu bewogen und angeleitet werden, die Heilige Schrift hochzuschätzen und ehrerbietig zu betrachten (1.Tim 3,14-15); auch das himmlische Wesen des Inhalts, die Wirksamkeit der Lehre, die Erhabenheit der Redeweise, die Übereinstimmung aller ihrer Teile, der Gesamtzweck des Ganzen, (der darin besteht, alle Ehre Gott zu geben), die von ihr gewährte völlige Enthüllung des einzigen Weges zum Heil für den Menschen, die vielen anderen unvergleichlichen Vorzüge, und ihre gänzliche Vollkommenheit darin, sind Gründe, durch die sie zum Überfluss beweist, dass sie das Wort Gottes ist. Aber trotzdem kommt unsere volle Überzeugung und Gewissheit von ihrer unfehlbaren Wahrheit und ihrer göttlichen Autorität aus dem inneren Wirken des Heiligen Geistes, der durch und mit dem Wort in unseren Herzen Zeugnis gibt (1.Joh 2,202,27Joh 16,13-141.Kor 2,10-12Jes 59,21).

Artikel 1.6: Wie gewinnen wir Erkenntnis aus der Schrift?

Der ganze Ratschluss Gottes in Bezug auf alles, was zu seiner eigenen Ehre und zum Heil, zum Glauben und zum Leben des Menschen nötig ist, ist entweder in der Schrift ausdrücklich niedergelegt oder kann durch gute und notwendige Schlussfolgerungen aus der Schrift hergeleitet werden. Zu ihr darf zu keiner Zeit etwas hinzugefügt werden, sei es durch neue Offenbarungen des Geistes oder durch menschliche Traditionen (2.Tim 3,14-17Gal 1,8-92.Thess 2,2). Trotzdem anerkennen wir, dass die innere Erleuchtung des Geistes Gottes zum heilschaffenden Verständnis solcher Dinge, die im Wort geoffenbart sind, notwendig ist (Joh 6,451.Kor 2,9-12), und dass es einige Umstände bezüglich des Gottesdienstes und der Kirchenleitung gibt, die allen menschlichen Handlungen und Gesellschaften gemeinsam sind, die durch das Licht der Natur und christliche Klugheit nach den allgemeinen Regeln des Wortes, die stets beachtet werden müssen, geordnet werden müssen (1.Kor 11,13-1414,2614,40).

Artikel 1.7: Die Klarheit der Schrift in Bezug auf das Heil

In der Schrift sind nicht alle Dinge gleichermassen in sich selbst klar und auch nicht gleichermassen klar für alle (2.Petr 3,16); aber diejenigen Dinge, die zu erkennen, zu glauben und zu beobachten zum Heil notwendig sind, sind an der einen oder der anderen Stelle der Schrift so klar dargelegt und aufgedeckt, dass nicht nur die Gelehrten, sondern auch die Ungelehrten bei rechtem Gebrauch der gewöhnlichen Hilfsmittel zu einem hinreichenden Verständnis derselben gelangen können (Ps 119,105119,130).

Artikel 1.8: Die Schrift muss in die Umgangssprachen übersetzt werden

Das Alte Testament auf Hebräisch (das von alters her die Muttersprache des Volkes Gottes war) und das Neue Testament auf Griechisch (das zur Zeit der Niederschrift den Völkern am allgemeinsten bekannt war) sind unmittelbar von Gott inspiriert und durch seine besondere Fürsorge und Vorsehung zu allen Zeiten rein bewahrt worden, und sind deshalb authentisch (Mt 5,18), so dass sich die Kirche in allen Religionsstreitigkeiten letztlich auf sie zu berufen hat (Jes 8,20Apg 15,15Joh 5,395,46). Aber weil diese Ursprachen nicht dem ganzen Volk Gottes bekannt sind, das Anrecht und Interesse an der Schrift hat und das Befehl empfangen hat, sie in der Furcht des Herrn zu lesen und zu erforschen (Joh 5,39), so ist sie deshalb in die Umgangssprache jedes Volkes, zu dem sie gelangt (1.Kor 14,6-28), zu übersetzen, damit das Wort Gottes in allen reichlich wohnt und sie ihm in wohlgefälliger Weise dienen (Kol 3,16) und durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben (Röm 15,4).

Artikel 1.9: Die Schrift legt die Schrift aus

Die unfehlbare Regel der Auslegung der Schrift ist die Schrift selbst. Wenn deshalb eine Frage über den wahren und vollen Sinn einer Schriftstelle besteht, der nicht vielfältig, sondern nur einer ist, so muss er aus anderen Stellen, die klarer reden, erforscht und verstanden werden (2.Petr 1,20-21).

Artikel 1.10: Alles ist an der Schrift zu prüfen

Der oberste Richter, vor dem alle Religionsstreitigkeiten zu entscheiden sind und alle Konzilsbeschlüsse, Meinungen der alten Schriftsteller, Lehren der Menschen und Meinungen einzelner zu prüfen sind und in dessen Urteil wir zur Ruhe kommen müssen, kann niemand anderes sein als der Heilige Geist, der in der Schrift redet (Mt 22,29-31 vgl. Eph 2,20 mit Apg 28,25).