Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Die Weisheit des Hohenlieds Salomos

Das Buch gehört zur Weisheitsliteratur. In ihr werden nicht Weisheiten und Ansichten von Menschen zusammengetragen, sondern der weise Gott kommt Wort. Im Buch der Sprüche heisst es, dass die Weisheit mit der Gottesfurcht beginnt (Sprüche 1,7). Die eheliche Gemeinschaft wurde gestiftet, um der Welt den Willen des Schöpfers zu zeigen. Mann und Frau wurden als Gottes Ebenbild geschaffen (1. Mose 1,27). Im ersten Buch Mose steht, dass der Herr dem Mann eine Hilfe zur Seite gab, die ihm entsprach (1. Mose 2,18). Gemeinsam mit ihr vermochte Adam sein Lebensziel zu erreichen, das darin bestand, seinen Schöpfer zu lieben und diese Liebe im alltäglichen Umgang miteinander auszuleben.

Die Sünde ist bestrebt, Gottes heilsame Ordnungen zu zerstören, um die Geschöpfe seinem Schöpfer zu entreissen. Darum spornt sie uns an, Liebe und Zuneigung selbstbezogen auszuleben. Die Sexualität wird so zum Götzen. Einst vergnügte man sich vor Götzenbilder miteinander und heute verzichtet man ganz auf ein Gegenüber. Wichtiger als Treue, Verlässlichkeit und Fürsorge ist die eigene Befriedigung und Erfüllung seiner Lust. Wenn das Sexualleben in einer Partnerschaft nicht erfüllend ist, findet man kaum einen Grund, weiter zusammenzubleiben. Man gibt sich jeder Verführung hin, oder lässt sich von der Pornografie bedenkenlos berauschen.

Gottes Weisheit steht diesem entarteten Denken entgegen. Sie verneint die körperliche Zuneigung nicht. Im Gegenteil wird ganz offen von Küssen, Umarmungen und der Sehnsucht nach Nähe gesungen. Der Schöpfer hat Mann und Frau mit all diesen Ausdrucksweisen der Liebe beschenkt. Sie sollen sich wirklich aneinander freuen. Allerdings ist das nur ein Teil der ehelichen Gemeinschaft. Im Hohelied wird viel miteinander gesprochen, übereinander nachgedacht und einander kleine und grosse Liebesbeweise geschenkt. Die Ehe besteht nicht nur aus Sex, sondern zuerst in liebevoller Zuwendung, die durch unser ganzes Wesen ausgedrückt werden kann.

Der Mensch muss es Tag für Tag lernen, ein Liebender zu sein. Das ist das Ziel des Lebens, das Sünder immer wieder aus den Augen verlieren. Darum ist es notwendig, die weisen Worte unsers Schöpfers zu hören, sorgfältig zu bedenken und zu Herzen zu nehmen. Sie offenbaren uns ein grosses Geheimnis. Der heilige Gott liebt seine Geschöpfe so, dass er seinen Sohn für sie hingab, damit sie von der Strafe der Sünde befreit werden (Johannes 3,16). Dieser Liebesbeweis weckt in Gottes Kinder den Wunsch, aller Welt – und dazu gehört besonders der Ehepartner – mit dem eigenen Tun und Lassen die herrliche Liebe des himmlischen Vaters zu bezeugen.

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
(1. Johannes 4,19)

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