Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Vierzig Fehler beim Beten

Ein Gebetsspiegel aus alter Zeit. Die vierzig Fehler beim Beten schaden einem lebendigen Gebet und sollten unbedingt vermieden werden.

  1. Man betet unvorbereitet. Das tägliche und gewöhnliche Gebet bleibt eine alltägliche Angelegenheit.
  2. Man bedenkt nicht ausreichend, vor was für einen Majestät man im Gebet kommt. Vor Gott bedecken sogar die Seraphim ihre Angesichter.
  3. Man schätzt nicht die unendliche Ehre, die uns Gott dadurch erweist, dass wir mit ihm reden dürfen.
  4. Man denkt nicht genug an seine eigene Niedrigkeit, Elend und Dürftigkeit.
  5. Man hat keine rechte Lust am Gebet. Statt von der Sehnsucht nach seligen Gespräch mit Gott erfüllt zu sein, die ein Liebhaber hat, mit der geliebten Person zu sprechen, oder ein Geldgieriger, seinen Schatz zu zählen, hält das Gebet vielmehr für eine Last. Man ist froh, wenn man es bald erledigt hat.
  6. Man bittet Gott nicht fleissig um den Geist des Gebets, um die Gnade recht beten zu können.
  7. Man gewöhnt die Kinder nicht von Jugend auf, mit angemessener Ehrfurcht zu beten, sondern gibt ein schlechtes Vorbild ab.
  8. Man überlegt sich nicht, dass man in diesem Leben stets als Sünder vor Gott steht.
  9. Man betet ohne gebührende Aufmerksamkeit, oberflächlich und halbherzig.
  10. Man betet mit hundert Ausschweifungen des Gemüts, die man nicht haben würde, wenn man sein Leben vor einem Fürsten verteidigen, oder dergleichen wichtige Dinge anbringen sollte.
  11. Man spricht oft ein Gebet und denkt nicht, was man betet.
  12. Man betet teilnahmslos. Welcher Kranke, welcher Bettler, welcher Verdammte würde auf diese Weise um Hilfe bitten?
  13. Man eilt zum Gebet, wenn das Gemüt durch eine gegenwärtige Not erhitzt ist und desto distanzierter, wenn die Krise ausgestanden ist.
  14. Man spricht einen Patron, Freund, oder gutherzigen Menschen mit viel grösserem Vertrauen um eine Wohltat an als Gott.
  15. Man betet mit unbeständigem Herzen. Schon bald sinnt man darauf, die Sünde, um derer Vergebung man bittet, wieder auszuüben.
  16. Man betet nicht recht im Namen Christi. Darum ist man nicht bereit, seine eigene Würdigkeit preiszugeben und allein auf das zu vertrauen, was Christus tut.
  17. Man wird überdrüssig, wenn man lange um etwas bitten soll.
  18. Man betet gerade im Gegensatz zu dem, was man eigentlich beten sollte.
  19. Man bittet so wunderliches Zeugs vor Gott, dass man sich schämen würde, es vor Menschen zu äussern.
  20. Ja, man bittet sogar ganz schädliche Dinge.
  21. Man bittet nicht, was seinem Stand und Beruf gemäss ist, wie einst die Söhne des Zebedäus (Mt 20,20-22).
  22. Man bittet um zeitliche Dinge und vergisst die Verantwortung, die sie mit sich bringen.
  23. Man bittet eher um zeitliche Güter als um die geistlichen.
  24. Man bittet viel eifriger um Erlösung von der Strafe, als um die Befreiung von der Sünde.
  25. Man bittet um dieses und jenes nicht in rechtschaffener und lauterer, sondern in böser Absicht.
  26. Man bittet vielmehr um das, was einen selbst, als was die Ehre Gottes angeht.
  27. Man fleht viel eher, vom Übel loszukommen, das den Leib angreift, als von jenem bewahrt zu werden, das der Seele schadet.
  28. Man bittet fast gar nicht für die Kirche und ihre Not; als ob man kein Glied derselben wäre und keinen Anteil an ihr hätte.
  29. Bittet man dennoch für die Kirche, so tut man es in irdischer Absicht.
  30. Man bittet nicht für seinen Nächsten, sondern nur für sich.
  31. Man bittet nicht für die Sünder und für ihr geistliches Elend.
  32. Genauso wenig für die Völker und Menschen, die in der Ungewissheit und Blindheit stecken.
  33. Am wenigsten für unsere Feinde.
  34. Man bittet auch für seine Freunde unbillige und schädliche Dinge.
  35. In leiblichen Anliegen bittet man um unnötige und überflüssige Dinge.
  36. Man vergisst, für empfangene Gnade zu danken, und betet darum nicht mit Danksagung (1.Tim 2,1).
  37. Gott muss uns fast mit Gewalt zum Gebet nötigen.
  38. Man bittet um gute Dinge zu einem bösen Zweck (z.B. um Gesundheit, um der Welt Lüste geniessen können).
  39. Man betet mit Verzweiflung und erkennt die Allmacht Gottes nicht, wie man soll.
  40. Man betet bei vieler Arbeit nur nebenher.

Übertragen aus: M. Joh. Friedrich Lenz, Geheiligter Kinder Betkämmerlein.

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