Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Samuel, der geweihte Prophet

Das Leben Samuels war von seinen Ämtern geprägt. Er diente Gott und den Menschen als Geweihter, Prophet und Richter.

Der Geweihte

Samuel war der Sohn von Elkana und Hanna, die auf dem Bergland Ephraim lebten (1Sam 1,1). Lange Zeit blieb Hanna ohne Kind, während die zweite Frau Elkanas Kinder bekam. Die Kinderlose tat es allerdings nicht ihren Vorfahren gleich und verschaffte sich Nachwuchs, sondern bat Gott um Gnade (1Sam 1,12). Dabei versprach sie, ihren Sohn dem Herrn zu weihen (1Sam 1,10-11). Dieses Gelübde hielt Hanna umgehend ein. Sobald Samuel entwöhnt war, brachte sie ihn zu Eli in das Heiligtum des Herrn in Silo (1Sam 1,24-28). Dort wurde er erzogen und lebte als Geweihter.

Der Prophet

Bereits in jungen Jahren begann Gott, mit Samuel zu sprechen (1Sam 3). Er erhielt Offenbarungen, während Gottes Wort in Israel rar geworden war (1Sam 3,1). Seine Worte gingen alle in Erfüllung, so dass das ganze Volk erkannte, dass Samuel Gottes Prophet war (1Sam 3,19-21). Auf diese Weise stand er in der Tradition Mose, der ebenfalls der Mittler zwischen Gott und seinem Volk war (Ps 99,6; Jer 15,1).

Bereits der junge Prophet konnte keine gute Nachrichten überbringen. Er musste Eli, dem Priester dem er diente, ausrichten, dass sein angekündigtes Ende bevorstand (1Sam 3,11-14). Das Volk musste er zur Abkehr vom Götzendienst aufrufen (1Sam 7,3) und warnte es von den Konsequenzen eines Königtums (1Sam 8,11-18). Am Ende seines öffentlichen Dienstes stellte er dem Volk noch einmal ihre Sünde vor Augen, dass sie Gott verworfen und an seiner Stelle einen König wünschten (1Sam 12,16-18). Nachdem er Saul auf Gottes Anweisung als König eingesetzt hatte (1Sam 8,22; 9,15-17; 10,1.17-25; 11,14-15), musste er ihm mitteilen, dass Gott ihn verworfen habe und das Königtum von ihm genommen werde (1Sam 15,10-11.28-29). Obwohl sein Herz an Saul hing (1Sam 15,35; 16,1), führte er diesen Auftrag treu aus. Als Gottes Prophet erhielt er den Auftrag, schon während der Regierung Sauls den Nachfolger des verworfenen Königs zu salben (1Sam 16,1-2).

Trotz seiner unangenehmen Dienste wurde Samuel und sein Dienst vom Volk geschätzt. Niemand bezweifelte, dass Gott durch den Propheten sprach. Darum suchten die Menschen seinen Rat. Der verworfene Saul liess den Propheten sogar noch nach seinem Tod befragen, um zu erfahren, wie er die Feinde überwinden könne (1Sam 28,4-20).

Der Richter

In seinem Dienst beendete er auch die Reihe der Richter. Er übernahm das Amt des Priesters Eli (1Sam 4,18) und richtete Israel so lange er lebte (1Sam 7,6.15-17). Wie die Männer vor ihm, ermahnte er das Volk, sich von ganzem Herzen von den Götzen abzuwenden und allein dem Herrn zu dienen (1Sam 7,3; 12,13-15). Wenn die Schuld bekannt wurde, ermutigte er zur Umkehr und sprach den Bussfertigen zu, dass Gott sein Volk um seines grossen Namens willen nicht verstossen werde (1Sam 12,20-25). Er verstand seinen Dienst als Vorangehen und diente seinen Brüdern zum Vorbild in der Gottesfurcht (1Sam 12,2).

Unter seinem Dienst konnten die Philister überwunden werden (1Sam 7,10-13). Israel wurde noch einmal bezeugt, dass es seine Stärke durch den Gehorsam zu seinem Gott gewann. Der Dienst Samuels hatte zuerst positive geistliche Auswirkungen. Das Volk trennte sich von seinen Baalen und Astarten (1Sam 7,4) und Saul vertrieb die Geisterbeschwörer und Zeichendeuter (1Sam 28,3). Wie bei den Richtern vor ihm, war sein Dienst nicht nachhaltig (Ri 2,19). Nach seinem Tod gewann die Gottlosigkeit des Königs Oberhand. Das führte dazu, dass ausgerechnet die Feinde, die am Anfang des Buches überwunden wurden, den ersten König Israels bezwangen.

Samuel war der einzige Richter, der sein Amt offiziell niederlegte (1Sam 12,1-2). Er forderte Israel auf, nun dem König zu folgen, den es erbeten hatte. Am Schluss seines Dienstes lässt er sich vom Volk seine Unbestechlichkeit bezeugen (1Sam 12,3-5). Noch einmal erinnerte er an die herrliche Erlösung beim Auszug aus Ägypten und von den Feinden, die Israel in Kanaan bedrängten (1Sam 12,6-12). Obwohl das Volk seinen Rat, auf einen König zu verzichten, nicht befolgte, wandte sich Samuel nicht von seinen Brüdern ab. Vielmehr erachtete er es als seine Pflicht vor Gott, auch nach seinem öffentlichen Dienst für sein Volk zu beten und es Gottes Wege zu lehren (1Sam 12,23).

Samuels Tod

Ganz nüchtern wird in einem einzigen Vers vom Tod des Geweihten, Propheten und Richters berichtet (1Sam 25,1; Wiederholung in 1Sam 28,3). Die Bemerkung, dass ganz Israel um den Verstorbenen klagte, zeigt noch einmal die aussergewöhnliche Stellung die Samuel einnahm.

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