Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Notizen zur Ethik: Einleitung

Der Ausdruck Ethik stammt vom griechischen Wort Ethos, das Sitte, Brauch oder Gesetz bedeutet. Die Menschen fragten sich seit jeher, was das Gute ist, das es wert ist, dass alle es beachten und in die Tat umsetzen.

Die ethische Frage

Ethik ist ein Teilbereich jeder wissenschaftlichen Disziplin. Die Mediziner denken über den korrekten Umgang mit Kranken und möglichen Therapien nach. Atomphysiker erforschen nicht nur die Kraft der Kernspaltung, sondern warnen auch vor deren militärischen Einsatz, der für alle Menschen verheerende Folgen haben wird. Im digitalen Zeitalter machen sich Programmierer Gedanken darüber, wie mit ihrer Arbeit umgegangen werden muss. Auch sie warnen vor Gefahren, die der gedankenlose Umgang mit Daten und Internet mit sich bringt. Im Zentrum der Ethik steht nicht die Erkenntnisfrage, sondern das Handeln, das einer Erkenntnis entspricht.

Die Theologie, die nach Gotteserkenntnis sucht, beschäftigt sich ebenfalls mit Ethik. In der Bibel wird offenbart, dass die Menschheit zur Frage nach dem Guten verdammt ist. Den ersten Menschen schien es erstrebenswert, selbst erkennen zu können, was gut und was böse sei. Sie wollten selbst weise sein und assen deshalb von der verbotenen Frucht (1. Mose 3,4-6). Nach diesem Ungehorsam wurden die Menschen von ihrem Schöpfer getrennt und ihrer eigenen Urteilsfähigkeit überlassen. Weil sie aber den Guten aus den Augen verloren haben, fällt es ihnen unendlich schwer, ihr eigenes Tun und Lassen richtig zu beurteilen. Tatsächlich nennen sie manchmal sogar das gut, was böse ist und ihnen schadet.

Der Glaube an Christus befreit vom unbedingten Ungehorsam Gott gegenüber, in der die Sünde die Menschen gefangen hält. Die Botschaft, dass Gottes Sohn die Strafe für die Rebellion auf sich nahm und sie beglich, gibt den Grund für ein neue Ausrichtung des Lebens. Diese Ausrichtung bedenkt die christliche Ethik. Sie beurteilt das Handeln nach dem, was der Schöpfer in seinem Wort offenbarte und will Menschen dazu anleiten, ihr Leben zu Gottes Ehre zu führen.

Verbindlichkeit der Antworten auf ethische Fragen

Einst suchten Philosophen Antworten auf ethische Fragen, die so weise sind, dass sie selbstverständlich von allen Menschen anerkannt und befolgt werden. Kann es solche allgemeingültigen und allgemeinguten Regeln geben? Jeder Mensch hat seine Ansichten und Vorlieben. Darum wird er eine Sache auf seine eigene Art beantworten. Was macht es da für einen Sinn, sich ausführlich mit ethischen Fragen zu beschäftigen? Die Annahme, dass die Persönlichkeit eines Menschen über Gut und Böse entscheidet, führt zu einer ethischen Schule: der Individualethik. Eine andere philosophische Strömung geht von der Prämisse aus, dass Menschen in unterschiedlichen Situationen leben und deswegen die Dinge verschieden beurteilen. Die Situationsethik lehnt den kategorischen Imperativ ab, der sagt, dass das Gute unter allen Umständen richtig sei und getan werden muss.

Die Bibel verneint nicht, dass die Menschen eigene Persönlichkeiten sind. Im Gegenteil wird in der Schrift die Individualität des Menschen betont und auf den Reichtum des Schöpfers bezogen. Ebenso wird die Auswirkung der Lebenssituation nicht ausser acht gelassen. Der Apostel Paulus weist die Gemeinde in Thessalonich an, die Unordentlichen zurechtzuweisen, die Kleinmütigen zu trösten und die Schwachen zu tragen (2. Thessalonicher 5,14). Und doch ist es seine grösste Freude, wenn die christliche Gemeinschaft eines Sinnes ist (Philipper 2,2). Der Massstab zum Urteil einer Sache oder eines Handelns sind weder Persönlichkeiten noch Lebenssituationen, sondern das Evangelium von Jesus Christus. Die Gesinnung von Gottes Kinder ist geprägt von der Vergebung der Sünde. Weil ihnen die Strafe für Ungerechtigkeit erlassen wurde, streben sie nach der Gerechtigkeit (Römer 6).

Es gehört zu den grossen Schwächen des heutigen Christentums, dass es gedankenlos handelt. Während einst die eigenen Taten an dem ausgerichtet wurde, was in der Bibel als gerecht erkannt wurde, verzichtet man heute vollständig auf diese Frage. Stattdessen lassen sich Christen von ihren Eindrücken leiten und vertrauen darauf, irgendwie das Richtige zu tun. Vermeintlich sei das Leben in unserer heutigen Zeit so hektisch, dass gar keine Zeit bleibt, jede Sache gründlich abzuwägen. In der Ethikschulung der Gemeinde wollen wir uns Zeit nehmen, Aspekte unseres Lebens in Ruhe zu bedenken.

Gliederung der Ethik

Die Frage nach dem gerechten Handeln führt uns zu den Zehn Geboten (2. Mose 20,1-17; 5. Mose 5,6-21). Es sind geistliche Worte (Römer 7,14), die Gottes Gerechtigkeit zeigen. Der Schöpfer spricht in ihnen nicht nur von einem Aspekt des menschlichen Lebens, sondern hat das ganze Sein und die ganze Wirklichkeit seiner Geschöpfe im Blick. Darum wird die Ethikschulung wie folgt gegliedert:

  1. Religionsethik (1. Gebot)
  2. Ethik der Gotteserkenntnis (2. Gebot)
  3. Bundesethik (3. Gebot)
  4. Ethik der Frömmigkeit (4. Gebot)
  5. Sozialethik (5. Gebot)
  6. Lebensethik (6. Gebot)
  7. Sexualethik (7. Gebot)
  8. Wirtschaftsethik (8. Gebot)
  9. Kommunikationsethik (9. Gebot)
  10. Gesinnungsethik (10. Gebot)

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