Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Gebet zur Vorbereitung auf das Abendmahl

Ich armer, elender, sündiger Mensch erkenne und bekenne, o gerechter und barmherziger Gott, dass ich nicht allein von Natur ein grosser Sünder bin, in Sünden empfangen und geboren, sondern auch die Zeit meines Lebens von Jugend auf, bis auf diese Stunde, mit vielen schweren Sünden dich oft und sehr beleidigt, und wider dich schwer gesündigt habe. Erstlich habe ich dich nicht über alles geliebt, wie ich sollte, noch dich genügend gefürchtet und geehrt. Ich habe mich mehr auf menschliche Hilfe, als auf deine gnädige Vorsehung verlassen.

  1. Ich habe Abgötterei getrieben mit den Menschen und mit den Gaben, die du mir gegeben hast.
  2. Danach habe ich dir nicht im Geist und in der Wahrheit gedient, wie du es forderst. Ich war nachlässig und schläfrig in deinem Dienst, im Gebet, im Hören des Wortes und im Gebrauch der Sakramente.
  3. Ach wie oft habe ich deinen heiligen Namen missbraucht, mit leichtfertigem Fluchen und Schwören. Ich habe nicht genügend leidenschaftlich anderen widerstanden, die denselben missbrauchten in meiner Gegenwart, und habe so an fremden Sünden teil.
  4. Deinen heiligen Sabbat habe ich entheiligt mit bösen Werken, dein Wort verachtet, den Gottesdienst versäumt, und das heilige Abendmahl ohne ausreichende Vorbereitung und Ehrerbietung empfangen.
  5. Meinen Eltern und Vorgesetzten im geistlichen und weltlichen Stand blieb ich nicht bloss den Gehorsam schuldig, sondern habe mich ihnen widersetzt.
  6. Anstatt, dass ich meinen Nächsten liebte, wie mich selbst, habe ich denselben gehasst und Rache geübt wider diejenigen, die mich nur im Geringsten beleidigt haben.
  7. Ich hätte mein Leib und Seele als Tempel des Heiligen Geistes, sauber und heilig bewahren sollen. Aber, o Herr, ich habe sie leider beide verwüstet mit unkeuschen Gedanken, unreinen Lüsten und Begierden, mit unzüchtigen Gebärden, Worten und Werken.
  8. Meine Hände sind befleckt mit Ungerechtigkeit. Mein Herz habe ich oft vor den Armen und Notdürftigen verschlossen, dass ich ihnen nicht nach meinem Vermögen geholfen.
  9. Ich hätte die Wahrheit allezeit lieben sollen, und meines nächsten Ehre und guten Namen retten und verteidigen. Stattdessen habe ich mit meiner Zunge die Unwahrheit geredet und meinen Nächsten verleumdet.
  10. Endlich hätte ich mit demjenigen, was du mir bescheret hast, zufrieden sein, und meinem Nächsten alles, was er hat, gerne gönnen sollen. Aber es sind in meinem Herzen viele unordentliche Lüste und Begierden aufgestiegen, mit denen ich meines Nächsten Gut begehrt habe.

Neben meinen aus vorsätzlicher Bosheit begangenen Sünden, ach Herr, wie viel habe ich der heimlichen und verborgenen Fehler, die mir unbekannt sind? Wer kann merken, wie oft er fehlet? Meiner Sünden sind mehr als Haare auf meinem Haupt. Ja, meine Missetat ist über mein Haupt gewachsen und meine Schuld reicht bis in den Himmel. Ach, mein Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir! Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Kind heisse. Daher ist mein Gewissen voll Schrecken und mein Herz voll Angst und Traurigkeit. Meine Sünden gehen über mein Haupt. Sie sind eine Last, die mir zu schwer ist.

Ich bedenke aber, o mein Gott, zu meinem Trost deine unermessliche Güte und Liebe, welche du mir und allen anderen reuigen Sündern erwiesen hast. Deinen eingeborenen Sohn, Jesus Christus, hast du in diese Welt gesandt, damit alle, die an in glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Er ist mir zugut auf die Erde gekommen, hat Fleisch und Blut angenommen, dein Gesetz für mich erfüllt, ist um meiner Sünden willen gestorben und um meiner Gerechtigkeit willen auferstanden. So hat er durch seinen schmerzlichen Tod mir und allen gläubigen, bussfertigen Sündern die gnädige Vergebung der Sünden und das ewige Leben erworben.

Und damit wir an deiner Gnade nicht zweifeln, hast du nicht allein dieselbe im Evangelium offenbart, sondern du versicherst uns der Vergebung unserer Sünden durch das heilige Abendmahl. Du gibst es uns zur Stärkung unseres schwachen Glaubens, durch das Andenken an deinen lieben Sohn Jesus Christus. Es ist uns ein sichtbares Pfand und Siegel deiner Gnade. Du vergewisserst uns damit der grossen Wohltat unserer Erlösung und der seligmachenden Gemeinschaft mit dem gekreuzigten Leib und dem vergossenen Blut unseres Herrn.

Während ich willens bin, am morgigen Tag (an dem ich das Abendmahl empfangen werde) vor deinem heiligen Gnadentisch zu erscheinen, bitte ich dich, o Herr, du wollest mich, der ich von mir selbst ganz unwürdig bin, zu einem würdigen Tischgenosse machen. Nur so essen und trinke ich mir nicht dein gerechtes Urteil zu meinem Schaden, sondern werde an meiner Seele gespeist und getränkt zum ewigen Leben.

Gib mir Erkenntnis, Reue und Besserung meines sündlichen Lebens. Bekehre du mich Herr, so werde ich bekehrt. Nimm doch weg das steinerne Herz aus meinem Fleisch und gib mir ein neues Herz und einen neuen Geist. Mache einen solchen Menschen aus mir, der in deinen Wegen wandelt, und deine Gebote hält.

Erwecke und vermehre in meinem Herzen durch deinen Heiligen Geist, den wahren seligmachenden Glauben, durch den ich mich allein auf den teuren Verdienst Jesus Christi verlasse. Schenke mir, dass ich nicht zweifle, dass er um seines blutigen Versöhnungsopfers willen, mir alle meine Sünden vergibt. Lass mich erkennen, dass ich genauso am Leib und am Blut meines Herrn teilhabe, wie ich Brot und Trank zu seinem Gedächtnis empfange.

Entzünde mein Herz mit wahrer ungefärbter Liebe, beides gegen dich und meinen Herrn Jesus Christus, wie auch gegen meinen Nächsten. Schenke mir, dass ich jederzeit des Friedens und der brüderlichen Einträchtigkeit nachstrebe, allen Neid, Hass und Rachgier von Herzen ablege, und jedermann liebe und vergebe, wie du auch mich geliebt und mir vergeben hast in Christus.

Endlich verleihe mir, dass ich mit einem aufrichtigen Vorsatz künftig von Sünden abzustehen und ein neues, dir wohlgefälliges Leben anzufangen, zu deiner heiligen Gnadentafel komme. Ja Herr, ich verspreche dir, dass ich durch deine Gnade, hinfort mehr als vormals wolle verleugnen alles gottlose Wesen und alle weltlichen Lüste. Ich möchte nüchtern, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Mache du mich hierzu tüchtig und heilige mich, du Gott des Friedens, durch und durch, dass mein Geist, samt der Seele und dem Leib, unsträflich bewahrt werden auf die Zukunft meines Herrn Jesu Christi. In dessen heiligen Namen ich dich des Weiteren von Herzen anrufe.

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Quelle: Lustgärtlein frommer Seelen.

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