Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Das Wunder der Liebe

Trotz hoher Scheidungsraten, trotz unzähliger Berichte von Menschen, die einander untreu wurden, trotz Beziehungsdramen, die schlimmstenfalls in Mord und Todschlag enden, sind Menschen immer noch auf der Suche nach der grossen Liebe, die ihr Leben erfüllen soll. Eigentlich erstaunlich!

Jede Woche wagen es Leute, sich trauen zu lassen, und beginnen ein gemeinsames Leben. Die Aussichten für das Unternehmen Ehe, so sagen es Statistiken und unzählige Medienberichte, sind äusserst schlecht. In unserem Land lassen sich achtundvierzig von hundert Ehepaaren innerhalb von fünfzehn Jahren scheiden. Prominente Ehepaare gehen im Streit auseinander. Zum Abschluss ihrer Ehe beschimpfen und beschuldigen sie einander öffentlich in den Medien. Schliesslich bleibt nur noch der Streit, welcher Elternteil in Zukunft für die gemeinsamen Kinder das Sorgerecht erhalten wird. Auch die Kinder müssen sich die Schlammschlacht der Eltern mitansehen. Was einmal so traumhaft begann, endet in einer Tragödie.

Trotz alledem, lässt sich kaum jemand vom Wunsch abhalten, mit einem anderen Menschen glücklich zu werden. Der Wunsch nach einem Leben voller Liebe, Verständnis und Wertschätzung sitzt offenbar tief in uns. Darum erzählen die Lieder, die auf der ganzen Welt gesungen und gehört werden, von der Liebe, ohne die wir nicht leben wollen; ja, nicht leben können. Die bestverkauften und meistgehörten Geschichten sind Liebesgeschichten. Immer noch werden neue Bücher zu diesem Thema geschrieben, Filme gedreht und Fernsehserien täglich in die Stuben gesendet. Sie alle erzählen von der Sehnsucht und der Suche nach Liebe und oft von der Erfüllung dieses Traumes. Warum begleitet uns dieser Wunsch unser Leben lang, wenn wir doch sehen, dass er bei anderen Menschen unerfüllt bleibt oder Enttäuschung und Schmerzen hinterlässt? Warum können wir ihn nicht einfach beiseite lassen und ein nüchternes Leben führen im Wissen, dass zwei Menschen einfach nicht für immer miteinander leben können?

Diese Frage wird ganz unterschiedlich beantwortet. Einige Wissenschaftler erklären, dass dieser Wunsch schlicht und einfach dazu da ist, die menschliche Art zu erhalten. Um sich fortzupflanzen, ist es nötig, dass sich zwei Menschen aufeinander einlassen und miteinander Kinder grossziehen. Demgemäss sei der Wunsch nach Liebe und ehelicher Gemeinschaft ein
innerer Trieb der Natur. Offenbar ist dieser Trieb aber zu schwach. Wenn er den Menschen tatsächlich beherrschte, käme es höchst selten vor, dass sich ein Paar trennt, solange die Kinder noch Fürsorge brauchen. Die Realität lehrt uns allerdings das Gegenteil. Nur zu oft wird gerade auf Kosten der Kinder der letzte Kampf der scheidenden Ehepartnern ausgetragen.

Ein anderer Erklärungsversuch ist der, dass wir im Partner die Annahme und Wertschätzung suchen, die wir in der Kindheit von unseren Eltern, besonders von unserer Mutter, bekommen haben. Für diese Erklärung soll die Tatsache sprechen, dass wir uns gerade in der Pubertät, wenn wir uns von den Eltern abnabeln, dem anderen Geschlecht zuwenden. Seltsam ist nur, dass jene jungen Menschen, denen von ihren Eltern in dieser Lebensphase immer noch die selbe Anerkennung, Hilfe und Liebe entgegen gebracht wird, sich ebenso nach einem Partner umsehen. Eigentlich hätten sie doch dazu gar keinen Grund, weil ihnen ihre Eltern weiterhin alles geben, was sie brauchen.

Entgegen allen biologischen oder soziologischen Erklärungen glaube ich, dass der Wunsch nach Liebe etwas über unsere Herkunft sagt. Der Mensch stammt nicht von triebhaften Tieren ab, sondern wurde liebevoll geschaffen. Es ist ein wundervolles Geschenk des Schöpfers, dass sich der Mensch nicht nur nach Liebe sehnt, sondern sie bei anderen Menschen finden kann. Doch nur was man selbst besitzt, kann man auch verschenken.

Hinter jeder Art der Liebe, sei es in der Freundschaft, der Ehe und gerade auch in der erotischen Anziehung zwischen Mann und Frau wird etwas von der grossen Liebe, die Gott auszeichnet, erkannt.

Darum freue ich mich von Herzen über die Liebe, die der Schöpfer uns schenkt. Wie jedes Geschenk sagt auch dieses viel über den, der uns so reich beschenken kann. So steht hinter dem Wunder der Liebe der wunderbar liebevolle Gott, der seinen Geschöpfen alles gibt, was sie zum Leben brauchen. Wo immer Liebe erfahren wird, gibt er sich zu erkennen.

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